Kiku
18.07.2014

Romeo & Julia im Jahr 2084 - mit vielen Kids

Viele Kinder und Jugendliche spielen - professionell - mit jungen erwachsenen Profis eine gesungene überraschende Version von Shakespears Klassiker

Shakespeare-Jahr, Romeo & Julia – beides weltbekannt und -berühmt. Was könnt's da Neues geben. Die verfeindeten Familien vielleicht in zwei verschiedenen Religionen ansiedeln? Das war die erste Idee, die Norberto Bertassi von teatro hatte, wie er nach der viel umjubelten Premiere am 17. Juli von „Romeo & Julie – die neue Welt“ im Stadttheater Mödling dem Kinder-KURIER anvertraute. Dann habe es Bedenken gegeben – erstens so neu auch nicht, zweitens durchaus auch heikel. Sie aus einer armen, er aus einer reichen Familie? Auch nicht ganz neu. Und dann irgendwann unter der Dusche war auf einmal der Gedanke da – warum nicht in die Zukunft verlegen?“

Underdogs gegen Partypeople

Textbuchautor Norbert Holoubek war gleich davon angetan. Und so spielt diese Version im Jahr 2084. Hundert Jahre nach 1984 – auch kein Zufall. Inspirationen von da und von dort „Tribute von Panem“ inklusive und vor allem wird der Gegensatz zweier fast völlig voneinander getrennter Welten – die Tendenz zur immer größeren Schere zwischen arm und reich – ins Zentrum des Konflikts gerückt. In der – auch bühnentechnisch tiefer liegenden Welt hackeln die Capulets grau in grau für die überkandidelten, gespritzten super-super-Reichen Montagues., die nichts als Party und Schönheit kennen. Beherrscht von der Weltenmutter, die nur eines fürchtet: Gefühle und da vor allem Liebe. Nur ihr „Erstgelungener“ Romeo fühlt – zumindest Leere. Irgendwas muss es da doch noch geben...

Entlang des Vorbilds

Lange mehr oder minder zufrieden leben die Capulets in ihrer Unterwelt – die andere kennen sie nicht, hören nur Gerüchte, dass deren Bewohner_innen für die sie ja produzieren, alle krank seien. Juli und zwei Freundinnen lassen sich aus Neugier – versteckt in Kleiderkartons – durch den einzigen Verbindungstunnel – in die andere Welt bringen, landen in diesen Kleidern auf dem Ball der Großkopferten. Es kommt wie es kommen muss... die Geschichte nimmt ihren Lauf... Bis zum bitteren Ende. Denn trotz aller Neuerungen und Änderungen verläuft diese Fassung entlang des Shakespear'schen Vorbildes, auch wenn der Text-Autor im – wie immer sehr umfangreichen und höchst informativen – Programmheft gesteht, mehrere Schlussvarianten, die meisten mit einem Happy End, verfasst zu haben.

Geniale "Engel der Liebe"

Zwei höchst geniale Figurengruppen wurden von teatro, einer Gruppe, in der immer einige Profis mit vielen – sehr professionell spielenden/singenden – Kindern und Jugendlichen auf der Bühne stehen, neu ins Spiel gebracht: Ein halbes Dutzend schwarz-weiß gekleideter Clowns, die Zwischenparts kommentierend erzählen. Und zwei witzig-freche Engel der Liebe, die genau diesen Kern des Stücks ansprechen, über die Weltenmutter fluchen, wenngleich sie im selben Augenblick kokett meinen, dass Fluchen nicht Engel-like wäre.

Das geniale: Elisa Schiffer und Maddalena Bertassi sind beide erst jeweils zehn Jahre jung. Sitzen immer wieder auf der Bühne – ruhig, höchst konzentriert und bringen in den beiden kurzen Auftritten, in denen sie allein auf der dunklen Bühne agieren, ihre pointierten Sager punktgenauest und in jener überzeugenden Natürlichkeit in der sie nur funktionieren können. Maddalena Bertassi ist das fünfte Mal bei einer teatro-Produktion dabei. „Das heuer ist mein bisher größter Auftritt. Es war schon aufregend, aber vor allem ist es sehr coooool“, meint sie in der Pause zum KiKu. Ihre Kollegin Elisa Schiffer: „Ich mach das vierte Mal mit, ich hatte auch schon beim Dschungelbuch als kleiner Mogli einen größeren Auftritt. Nervös bin ich nicht mehr. Aber es sind alle Auftritte echt soooo cool.“

Schon zehn Jahre dabei

Knapp jünger war Alina Höninger als sie das erste Mal ein wenig vor dem Casting zitternd bei teatro antanzte. In der Rolle der von der Weltenmutter als Nachfolgerin auserwählten Marina Montague fiert sie, die vor kurzem maturiert hat, ihr zehnjähriges Bühnenjubiläum. Und obwohl der Bühne und da vor allem dem Gesang ihre Leidenschaft gehört „werde ich jetzt aber zuerst eine sonderpädagogische Ausbildung in Baden machen. Neben dem Beruf kann ich hoffentlich noch immer was mit Theater machen und vielleicht später eine klassische Gesangsausbildung.“

Die Rolle als Toni bei den Montagues sei ihr zugeteilt worden, wie die meisten, „aber ich bin sehr zufrieden“, meint die elfjährige Isabella Krall, die das dritte Mal bei einem teatro-Musical mitmacht. „Ich hab den Zauberer von Oz angeschaut und danach wollt ich unbedingt mitmachen, hab dann die teatro-Musical-Akademie und Workshops gemacht und es macht mir sehr großen Spaß, auch wenn ich noch nicht weiß, ob ich das später einmal zu meinem Beruf machen will.“ Ihr Spaß ist so ansteckend, dass auch Schwester Helena (7) gerne mitspielen wollen würde...

Genau passend und das genaue Gegenteil

Selina Gerstmayer (12) gehört zur frech-witzigen kommentierend-erzählenden Truppe der Clowns, was ihr sehr gefällt. Ein Jahr älter ist die oberfreche Clownin Lisa Wagner. „Das passt sehr gut zu mir, weil ich auch sonst vorlaut bin!“ Eine der Figuren dieser Truppe ist „braver“, ein Streberclown. Den mimt Chiara Gerstmayer (13). „So bin ich aber nicht, eher auch frech, aber ich find's sehr gut, jemanden zu spielen, der ganz anders ist wie ich selber.“

Die 14-jährige Hannah Radl ist das fünfte Mal in einem Stück auf der Bühne. „Bei mir hat's auch mit dem Anschauen von einem Musical angefangen, wo ich mir gedacht habe, es wär schon lustig auch da oben zu stehen.“ Was – wiederholt – gelungen ist ;)

Maurice Kral (14) hatte als Vorbild seine Schwester, „die schon früher mitgemacht hat. Jetzt bin ich auch schon das sechste Mal dabei! Und es hat sich von Jahr zu Jahr gesteigert, die Rollen wurden immer größer.“

Romeo & Julia – die neue WeltteatroMusical

Stadttheater Mödling

Besetzung:

Abrah Montague: Carina Tandari

Baltha Montague: Nataya Sam Benvolia Montague: Barbara Wagner Lady Montague: Elisa Bozoki Marina Montague: Alina Höninger Romeo Montague: René Herbert HeitToni Montague: Isabella KrallVroni Montague: Hannah Radl Mercutia: Sabrina BartlEnsemble Montagues: Beatrice Boboc, Clara Nowak, Sophie Riedl, Sarah Schuster

Beraterin Belinda: Lisa Motal Beraterin Benita: Elena Kramer Beraterin Bettina: Sarah Elisa Fazekas Beraterin Brigitta: Julia Hammerl

Clowns: Chiara Gerstmayer, Selina Gerstmayer, Manuela Vock, Lisa Wagner, Viktoria WeißChef-Clown: Alexandra Kloiber

Ammelie Capulet: Verena SuchardJil Capulet: Leon LeitnerJimmy Capulet: Maurice KralJulia Capulet: Florine SchnitzelLysander Capulet: Andreas TrittingerMarcus Capulet: Johannes PinkelSonja Capulet: Lisa SchöpplSvenja Capulet: Katharina PetjeTybalt Capulet: Michael MayerVera Capulet: Anna ZaglerLysander Capulet: Andreas TrittingerEnsemble Capulets: Tina Caroli, Julia Verena Jesch,Tina Rosensprung, Corinna Schaupp, Peter Scherleitner,

Engel der Liebe Amorina: Maddalena BertassiEngel der Liebe Amorella: Elisa Schiffer

Pater Lorenzo: Norberto BertassiWusel, Ensemble Capulets: Rebecca Rosenthaler

Textbuch: Norbert Holoubek Musik: Walter Lochmann/Norberto Bertassi Regie: Norberto Bertassi Arrangements und Musikalische Leitung: Frizz Fischer Choreographie: Kathleen Bauer Kostüme: Angelika Pichler Bühnenbild: Martin Zlabinger Licht & Ton Design: Richard Redl

Wann & wo?

Bis 3. August, 18 Uhr Stadttheater Mödling: 2340, Babenbergergasse 5, Telefon: (02236) 42999www.teatro.at