Autorin blättert ihr Bilderbuch fürs Foto durch

Autorin blättert ihr Bilderbuch fürs Foto durch

© Heinz Wagner

Kiku
11/18/2020

Ohr sucht Bruder und ein Spiel, bei dem alle gewinnen

Kinder-KURIER-Gespräch mit einer Bilderbuch- und Spiele-Autorin, Sara Zarian.

von Heinz Wagner

Hauptfigur dieses Bilderbuches ist – ein Körperteil: Ein Ohr. Genau, davon haben die allermeisten doch zwei. Das weiß Ohr aber nicht. Noch nicht oder nie? Wer weiß?!

Du begleitest Ohr durch 14 ½ Doppelseiten – mit wenigen, knappen Worten und Bildern, bei denen auf so mancher Seite ganz viele kleine – und größere – Dinge zu entdecken sind. Und Ohr bei seinen Gedanken und dem bald auftauchenden und immer stärker werdenden Gefühl: Ist da nicht noch ein zweiter von mir auf diesem Kopf? Auch die beiden Augen können ihm nicht helfen. Sie sehen zwar bei anderen Menschen – auch bei Tieren – zwei Ohren, aber die eigenen nicht. Auch nicht das eine Ohr um das sich die Geschichte dreht. Ein Kitzeln als ihm ein zusammenhängendes Paar Kirschen übergehängt werden und ähnliche Geräusche von ganz nah, nähren seinen Verdacht, eher seine Hoffnung bis (fast) zur Gewissheit: Ja, da ist ein zweites meiner Art – und wir hören gemeinsam.

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Klassischer Bogen, aber schräg

„Wo ist Ohr“, ausgedacht und geschrieben von der internationalen Wienerin Sara Zarian ist ihr erstes veröffentlichtes Kinderbuch. Der Kinder-KURIER hat sie, von der auch vor rund einem Jahr ihr erstes kommerzielles Brettspiel erschienen ist – dazu weiter unten – getroffen, interviewt und durfte sie beobachten, wie sie mit zwei Kindern „Monsieur Carrousel“ gespielt hat.

Jetzt aber zunächst einmal zum Bilderbuch: Es hat einen klassischen Erzählbogen und ebensolche Bilder - von Gabriella Emőke Németh. Dennoch ist die Story einigermaßen schräg, wird doch ein Körperteil zur durchgängigen Hauptfigur – womit sich witzige Situationen samt entsprechenden Bildern ergeben.

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Selber vor einer Ewigkeit erfunden und erzählt

Obwohl eine Neuerscheinung ist die Geschichte doch schon recht alt, wie sie dem Kinder-KURIER anvertraut. „Ich war 16 und hab diese Geschichte meiner damals vierjährigen Schwester erzählt. Immer und immer wieder wollte Nina diese Geschichte hören. Vor mehr als einem Jahr hat mich dann eine andere Schwester, Aida, auf die Ohr-Geschichte angesprochen. Ihre Tochter Alma hat mehrmals verlangt, dieses Abenteuer zu hören. Ich selber hab mich gar nicht mehr so wirklich daran erinnert.“

Auf die KiKu-Frage, wie ihr die Story damals überhaupt eingefallen ist, versucht sich die Autorin in ihre Jugend zurück zu versetzen. „Ich denke, es war so eine Phase in meiner Jugend, in der ich mich einsam gefühlt habe. Keine und keiner hat mich verstanden – so hab ich das Gefühl in Erinnerung. Ich hab gesucht nach jemandem, die oder der ein offenes Ohr für mich hat. Und nach anderen, denen es vielleicht genauso geht wie mir.“

Idee, Text, Storyboard: Sara Zarian
Illustrationen: Gabriella Emőke Németh
Wo ist Ohr?
32 Seiten
4 bis 8 Jahre
Achse Verlag
22 €

achseverlag -> Wo ist Ohr

Doch nicht so leicht

Soweit die Entstehungsgeschichte. Dass sich zwei ihrer drei Schwestern so innig an die Story erinnerten, ließ die Idee aufkommen, daraus vielleicht ein Bilderbuch zu machen. „Das war dann doch nicht so einfach. Zuerst hab ich mir gedacht, das kann doch nicht so schwer sein, ein Bilderbuch hat doch nicht viel Text.“

Bevor sie sich an den Computer setzte, so gesteht die Neo-Autorin, „hab ich mich dann aber schon intensiv mit Bilderbüchern beschäftigt, mit Autorinnen und Autoren und bin draufgekommen, dass es ganz schön schwierig ist. Du musst mit wenigen, knappen Sätzen die Geschichte erzählen, einen dramaturgischen Bogen spannen und die Szenen auf den Punkt bringen.“

Als sie das herausgefunden hatte, „war mir aber lange noch nicht der Schluss klar. Ich wollte unbedingt ein Happy End, aber nicht zu aufgesetzt.“
Das wirkt – ohne es zu verraten – gelungen.

Autorin blättert ihr Bilderbuch fürs Foto durch

Glück

Sara Zarian hatte ein unglaubliches Glück, ja Privileg, verrät sie, das eine Autorin, noch dazu eine Newcomerin praktisch sonst nie hat. Sie kam in Kontakt mit dem kleinen Wiener Achse Verlag, erzählte von der Idee. „Der Verlag hat von Anfang an an diese Geschichte geglaubt“.

Die Autorin, deren künstlerische Leidenschaft ursprünglich der Malerei gehörte, skizzierte ein Storyboard. Der Verlag und sie riefen via Social Media Illustrator_innen auf, sich zu melden wenn sie Interesse haben, diese Story zu bebildern. 50 Künstler_innen haben sich gemeldet, die Autorin durfte – gemeinsam mit dem Verlag – aus jenen zehn auswählen, die eine (Zirkus-)Szene zeichnerisch interpretiert hatten. Die Wahl ist auf Gabriella Emőke Nemeth gefallen, „die Zusammenarbeit mit ihr war sehr gut, bei einem weiteren Buch würde ich der Illustratorin oder dem Illustrator allerdings weniger vorgeben, mehr freie Hand lassen“, zeigt sich die Autorin selbstkritisch.

Follow@kikuheinz

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