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Genuss
08/05/2019

Günther Jauch über sein Leben als Winzer: "Ich musste viel trinken"

Günther Jauch spricht im Interview mit dem KURIER über sein Weingut, seinen Wein und seinen Neid auf Österreichs Winzer.

von Caroline Kaltenreiner, Anita Kattinger

Völlig unprätentiös befüllt TV-Moderator und Weinbauer Günther Jauch (bekannt aus „Wer wird Millionär“) die Gläser mit seinem Riesling und lässt sich geduldig mit den Gästen fotografieren. Er lässt sich auch dann nicht aus der Ruhe bringen, als er spontan zum Interview gebeten wird.

Ort des Treffens: Die MS Europa, die vor der Kulisse der Elbphilharmonie ankert, wo ein riesiges Fest gefeiert wird. Im Hamburger Hafen geht es auf dem sonst so ruhigen Luxus-Kreuzfahrtschiff turbulent zu. Denn zum 15. Mal findet dort „Europas Beste“ statt.

Geladen sind mehr als 30 Spitzenköche, Winzer und Produzenten, die ihre Stationen rund ums Lido Deck aufgebaut haben und den Gästen ihre Weine und Spezialitäten reichen.

KURIER: In Österreich ist der Grüne Veltliner die wichtigste autochthone Weinsorte des Landes: Schon probiert?

Günther Jauch: Ja, natürlich. Er schmeckt mir und ich bestelle ihn auch regelmäßig.

Sie haben das Weingut, das einst Ihrer Familie gehört hat, vor zehn Jahren zurückgekauft. Welche Kindheitserinnerungen verbinden Sie mit dem Anwesen?

Ich war bis zu meinem 12. Lebensjahr oft bei meinem Großonkel und meiner Großtante, bis mein Großonkel gestorben ist. Dann war ich 40 Jahre lang nicht auf dem Weingut – in der Zwischenzeit ist es auch veräußert worden. Als ich vor gut zehn Jahren gehört habe, dass es zum Verkauf steht, habe ich mich an das Gut erinnert: Wie ich es wiedergesehen habe, hatte ich das faszinierende Gefühl, dass die Zeit dort stehen geblieben ist, und ich konnte mich daran erinnern, wie ich als Kind zwischen den Fässern herumgelaufen bin und wie ich im Park gespielt habe. Meine Frau und ich haben zwei Jahre lang über den Kauf nachgedacht und dann beschlossen, dass wir das Anwesen in die direkte Familienlinie zurückkaufen.

Stimmt es, dass Sie gar nicht auf dem Weingut leben?

Ja, wir haben unseren Hauptwohnsitz in Potsdam, aber wir sind sehr viel auf dem Weingut. Eigentlich immer mehr, weil das in einer Landwirtschaft nötig ist.

Wie hart war der Einstieg für Sie ins Wein-Geschäft?

Es war eine völlig neue Welt, ich habe bei Null angefangen und früher auch wenig Wein getrunken – mittlerweile kann ich aber ganz gut mithalten. Eine Landwirtschaft unterscheidet sich grundsätzlich vom Fernsehen: Die Abhängigkeit von der Natur und das Leben mit der Natur ist vollkommen anders, als im Studio zu stehen. Ich musste viel trinken: Nur so kann man lernen, die Unterschiede schmecken – und dann muss man bei seinen eigenen Angestellten in die Lehre gehen.

Haben Sie Lehrgeld zahlen müssen?

Naja, ich habe alle Angestellten übernommen und alle sind heute noch da. Insofern habe ich auf den Sachverstand der Mitarbeiter gesetzt und das war gut so.

Sie bauen nur Riesling an – glauben Sie, dass der Klimawandel dem Riesling etwas anhaben kann und wie wird er ihn verändern?

Die Saar ist die kühlere Schwester der Mosel: Wir sind ein Gewinner der globalen Erwärmung, weil bei uns die Rieslinge durch mehr Wärme und Sonne genauso werden, wie wir uns das vorstellen. In anderen Gegenden werden sie jetzt breit, fett und alkoholreich. Bei uns hingegen sehr mineralisch, präzise und sehr klar. Wir erleben momentan an der Saar die beste Zeit für den Riesling. Wenn die Temperaturen in 20 bis 30 Jahren wieder um 1,5 Grad ansteigen, dann geht es Richtung Rotwein. Ich hoffe natürlich, dass die Klimaerwärmung nicht fortschreitet.

Ihr Riesling wird auch bei uns getrunken, aber wieso trinkt man in Ländern wie Frankreich und Österreich lieber heimische Weine?

Wir beneiden die Österreicher darum, dass sie 80 Prozent ihres Weines selber trinken. Und darüber hinaus noch gute Preise dafür bezahlen – Preise, die wir in Deutschland für Spitzenweine nicht erreichen. Die Deutschen tendieren tatsächlich zu Flaschen aus Frankreich, Spanien, Italien und Übersee.

Als Sie vergangenes Jahr unter Ihrem Namen einen Wein in einen Diskonter gebracht haben, hat es in Deutschland ziemlich rumort. Haben Sie die Aufregung verstanden?

Wir stellen 100.000 Flaschen her, wir sind ein kleiner Mittelbetrieb. Wenn wir unseren Wein unter dem Namen des Weinguts dort verkaufen würden, wären wir binnen vier Stunden mit der ganzen Jahresernte ausverkauft. Der Wein wurde unter meinem Namen verkauft: Die Aufregung habe ich nicht verstanden. Wir haben versucht, dass Wein-Einsteiger nicht zuerst zu einem spanischen oder italienischen greifen, sondern Österreich als Vorbild zu nehmen. Wir wollten, dass die jungen Leute zu einem deutschen Wein als Erstes greifen. Es ist uns mit einem roten und einem weißen Wein richtig gut gelungen, dass sie eben nicht zu einem ausländischen Angebot greifen. Das Setzen auf den Diskonter nutzt langfristig dem deutschen Wein.

Wie das?

Unsere Erfahrung ist: Man trinkt sich als Wein-Liebhaber hoch. Man fängt nie mit einer großartigen Wein-Beratung an und geht von 15 Euro auf vier Euro runter. In Wahrheit beginnt man bei vier Euro und trinkt sich langsam nach oben.

Es war also eine Art Erziehungsmaßnahme?

Ja, aber pädagogisch ist das nicht ungeschickt. Wir sagen das unseren Kindern ja auch: Man soll klein beginnen und die Dinge sollen sich dann entwickeln.

Wovor würden Sie denn Ihre Kinder mehr warnen: vor dem Beruf des Moderators oder dem Beruf des Winzers?

Ich warne niemanden. Fernsehen ist ein schwieriges Geschäft – ein Weingut ist ein ganz schwieriges Geschäft.

Info: Das nächste Treffen der internationalen Spitzengastronomie an Bord des Luxusschiffes ist am 13. August 2021. Tickets in Verbindung mit der zweitägigen Kurzreise buchbar, www.hl-cruises.de/reise-finden/EUR2115