Genuss
21.03.2016

Warum Millionen Küken für unser Frühstücksei sterben müssen

Fakten-Check vor Ostern: Über das Leben von Legehennen und das Töten von Bruderküken.

Die höheren Preise von Eiern aus Freilandhaltung deuten auf teurere Produktionsbedingungen hin, aber wie sieht das Leben einer Legehenne in den jeweiligen Betrieben überhaupt aus? Der KURIER gibt die Antworten:

Wie viele Eier essen wir?

70 Millionen Eier verspeisen die Österreicher rund um Ostern – bundesweit werden von 1900 Eierbauern 6,4 Millionen Legehennen gehalten. Im ganzen Jahr verbrauchen die Österreicher rund zwei Milliarden Eier. Die heimischen Bauern decken rund 84 Prozent der Inlandsnachfrage. Das Ei aus Bio-Freilandhaltung kostet im Lebensmittelhandel rund 41 Cent, ein Ei aus konventioneller Freilandhaltung 29 Cent und aus Bodenhaltung 20 Cent.

Wie sieht das Leben einer Legehenne aus?

"Bereits am Tag ihrer Geburt kommen Legehennen zu einem speziellen Junghennenaufzieher. Kurz bevor das Jungtier im Alter von 20 Wochen mit dem Brüten beginnt, kaufen Legehennenhalter die Tiere und bringen diese in ihren Betrieb. Das Leben einer Legehenne dauert 15 Monate, rund 280 Eier legt sie pro Jahr, wobei nicht alle Eier verkaufsfähig sind", erklärt Michael Wurzer, Geschäftsführer der "Arbeitsgemeinschaft der Österreichischen Geflügelwirtschaft".

Wieso werden Legehennen nicht älter als 15 Monate?

Je älter die Tiere werden, desto weniger entspricht die Qualität der Eier gewissen Supermarkt-Kriterien, beispielsweise würde die Eierschale dünner werden. Ob Tiere aus Boden- oder Bio-Freilandhaltung, alle Legehennen enden in Österreich im sogenannten Suppenhennenschlachthof bei Wieselburg (NÖ).

Ist Sexen, das Aussortieren und Töten von männlichen Küken, unabhängig von der Haltungsform?

Nein. Seit heuer werden in der österreichischen Bio-Freiland-Legenhennenhaltung die Brüderküken zwar aussortiert, aber danach aufgezogen. Männliche Legehennenküken brauchen mehr Futter, damit sie an Gewicht zulegen. Nach zehn Wochen kommen sie in den Fleischverkauf. Die Kosten holt sich die Industrie über die teureren Preise bei Bio-Freiland-Eiern zurück.

Was passiert mit den männlichen Küken aus Bodenhaltung?

Sie werden betäubt und getötet, danach kommen sie in Österreich ausnahmslos als Tierfutter nach Schönbrunn. Laut Statistik Austria wurden rund 8,6 Millionen männliche Küken im Jahr 2013 getötet.

Gibt es Lösungsansätze, damit keine Küken für unser Frühstücksei sterben müssen?

Laut Wurzer arbeitet die österreichische Geflügelwirtschaft intensiv an einer Früherkennung: Mittels Laserstrahl werden die Bruteier geöffnet und festgestellt, ob es sich um einen männlichen oder weiblichen Embryo handelt. Derzeit arbeiten Wissenschaftler an der Praxistauglichkeit des Tests.

Wie leben Legehennen in Betrieben mit Bodenhaltung?

In Betrieben mit Bodenhaltung leben sieben bis neun Hennen pro qm. Im Schnitt nisten 3000 Legehennen in solchen Ställen, wobei neuere Betriebe in Österreich bis zu 20.000 Legehennen halten.

Was ist der Unterschied zur Freilandhaltung?

Hier haben die Tiere mindestens vier Quadratmeter Auslauf. Anders sieht es bei Bio-Freilandhaltung aus, hier hat jede Henne mindestens zehn qm Auslauf. Die maximale Besatzdichte pro Stall beträgt 3000 Hennen, sechs Tiere dürfen pro qm gehalten werden.

Woher kommt das Futter für Legehennen?

Österreichische Legehennenhalter haben 2010 im Bereich der Frischeier-Produktion auf gentechnikfreies Soja umgestellt. Bereits 70 Prozent der Legehennen werden mit europäischem Soja gefüttert. Österreich produziert jährlich 105.000 Tonnen und ist der drittgrößte Soja-Erzeuger innerhalb der EU. Die Ernte beträgt allerdings nur ein Sechstel des österreichischen Bedarfs, daher müssen 575.000 Tonnen Soja aus Übersee, etwa Brasilien, importiert werden. Mit der Initiative des Vereins " Donau Soja" werden derzeit die Soja-Anbaugebiete in Ungarn, Kroatien, Bosnien, Rumänien und Serbien erheblich ausgebaut. Vergangenes Jahr konnten bereits 120.000 Tonnen Donau-Soja geerntet werden.

Was bedeutet der Stempel auf meinem Ei?

Die erste Zahl des Stempels auf den Eiern gibt Auskunft, ob das Huhn biologisch (Zahl 0), im Freiland (Zahl 1), am Boden (Zahl 2) oder im Käfig (Zahl 3) gehalten wurde. Nach einem Bindestrich folgt die Herkunftsbezeichnung. Also AT für Österreich oder NL für Niederlande. In der Eierdatenbank (www.eierdatenbank.at) finden Konsumenten zudem alle Informationen über die Herkunft ihres Eies und die Haltungsform des Betriebs.

Gibt es Studien über die Qualität der Eier bei den unterschiedlichen Haltungsformen?

Nein, allerdings gibt es Studien über den Zusammenhang von Fütterung und Inhaltsstoffe im Ei. So lässt sich der Anteil von Omega 3 durch gewisse Pflanzenextrakt steuern. Vitamin D durch Zugabe im Futter wirkt bei den Tieren knochenstärkend und lässt sich in höheren Mengen auch im Ei nachweisen.

Woher kommen die bunt gefärbten Ostereier?

Kein Scherz, der Osterhase werkelt nahe Hasendorf, bei Diendorf im Tullnerfeld. Seit 1987 erzeugt dort Familie Schrall – eine der vier österreichischen Färbereien – bunte Ostereier. Wurden diese ursprünglich ausschließlich gewälzt, so werden heute auch gespritzte und mit Sprüchen und Logos versehene Ostereier angeboten. Die Produktion startet bereits im Jänner, bis Ostern rollen acht bis zehn Millionen Stück über das Fließband – 30.000 Stück pro Stunde.