Gemüse aus Resten selbst gezogen: Die Zwiebel (u.), der Knoblauch (re. o.) und der Stangensellerie (o.) treiben wieder aus.

© Halbhuber Axel

freizeit Leben, Liebe & Sex
03/18/2020

Zeit für Grün: Die Pflanzenpflege im Notfallsbetrieb

Die Töpfe rufen, die Saison beginnt - trotz Corona. Aber wie können wir derzeit mit dem Garteln anfangen? Unorthodox!

von Axel Halbhuber

Der Frühling klopft laut an, die Bäume entwickeln ihr Blattwerk, und ja klar: Viele sind vor allem daheim. Wenn man den ganzen Tag auf das eigene Grün schaut – egal ob Terrasse, Balkon, Garten oder die Blumentöpfe in der Wohnung –, dann sprießt auch der Tatendrang.

 

Mit ein bisschen gartlerischer Kreativität lässt sich die Zeit jetzt wirklich nutzen, um die Saison zu beginnen – obwohl man nichts besorgen kann. Wobei für Freiflächen das gilt, was ohnehin jedes Jahr gilt: Ein paar Sonnenstrahlen machen noch keinen Saisonstart, es kommt noch Frost. Diesbezüglich sind die Eisheiligen noch immer eine gute Richtschnur, vor diesen überlieferten Frosttagen zwischen 11. und 15. Mai sollte man sich gärtnerisch noch im Zaum halten. Dennoch wird etwaiger Frost jetzt nicht mehr sehr lange und nicht mehr sehr intensiv, also: Gehen wir es an.


Was schon klappt

Wer im Herbst brav eingekauft hat (oder die Hamstertage dafür genutzt hat), kann im Freiland (dazu zählen auch Töpfe auf Balkon und Terrasse) durchaus schon ein paar Samen in den Boden stecken: Busch- und Ackerbohnen etwa, auch Erbsen, Salat, Spargel, Rettich, Rhabarber, Karotten, Spinat, Rote Rüben und Zwiebeln, Erdbeeren kann man bereits pflanzen, wobei: Zieht doch noch ein böser Frost auf, müsste man den Boden mit Folie bedecken. An geschützten Plätzen könnte man auch schon Radieschen, frühe Karotten oder Pflücksalate ansetzen.

 

Wer seine Blumenzwiebeln (wie so oft) vergessen hat, darf sie auch noch in die Erde stecken, die vertragen das bisserl Frost schon. Besonders Dahlien und Pelargonien dürfen in den nächsten Wochen hinaus. Apropos: Aus dem Winterquartier kann man schon Oleander und Lorbeer vor die Türe stellen, am besten an die warme Hauswand.

Selbst ziehen

Im Freiland könnte man jetzt Mohn, Ringelblumen, Schleierkraut, Wicken und Gänseblümchen säen. Fast perfekt ist die Zeit auch für Kräuter, wenn man sie aus Samen ziehen will, besonders Thymian und Salbei. Dafür gibt es immer die gleichen Regeln, ob am Fensterbrett oder im Mini-Glashaus: Samen brauchen zum Keimen Feuchtigkeit, ohne im Wasser zu liegen (sonst faulen sie). Trocknet ihre Unterlage allerdings aus, werden sie kaputt.

Wer für diese Unterlage keine Erde daheim hat, kann auf Küchenrolle oder Klopapier (bitte keine Witze) zurückgreifen. Und mit einem Glassturz darauf die Luftfeuchtigkeit halten.

Übrigens lassen sich auch aus Gemüseresten oft frische Pflanzen ziehen. Stangensellerie ins Wasser gesteckt oder Erdäpfelstücke in feuchter Erde treiben immer wieder aus.

Rückschnitte

Obstbäume und Sträucher werden besser nach der Ernte gestutzt, aber Ziergehölze (alles, was keine Nutzpflanze und kein Obst ist, aber Holz) gehören fast alle im Frühjahr geschnitten. Rosen zum Beispiel (über dem untersten Auge, also dem Triebansatz, und immer so, dass die Triebe nach außen stehen bleiben). Generell gilt: Besser einzelne, starke Triebe lassen, statt alles auf zehn Zentimeter zu kürzen.

Boden verbessern

Im Prinzip ist die Vorsaison perfekt, um das Substrat zu verbessern, also die Erde im Topf oder den Boden im Garten. Das kann man sehr gut auch mit all dem machen, was daheim ist. Erster Schritt: Umgraben oder auflockern – eventuell Sand einmischen, wenn man einen zur Hand hat. Auch gut sind Ziegelsplitter, die speichern Feuchtigkeit.

 

Zweiter Schritt: Vom Vorjahr übergeblieben Dünger einarbeiten. Drittens: Die organischen Reste aus der Küche einarbeiten, vom Gemüseabfall bis zu Kaffeesatz und Eierschalen. Das mag ungewohnt sein, ist aber sehr nährstoffreich für die Pflanzen. Wichtig ist, dass alles möglichst stark zerkleinert wird (eventuell sogar pürieren), und man keinesfalls Milchprodukte, Fleisch oder Brot dazu mischt – sonst schimmelt das Substrat.

 

Auch die Zweige und Triebe aus dem Rückschnitt kann man da gleich einmulchen.

Vermehrung der Lieblingspflanze 

Nach dem Winter ist auch ein guter Moment, auch seine Kübelpflanzen in der Wohnung zu restaurieren. Zum Beispiel, endlich die viel zu langen, blattlosen Triebe des Ficus  zu stutzen. Grundsätzlich gilt: Geht es den Pflanzen gut, also passen Standort, Düngung und Gießverhalten, dann vertragen sie auch Rückschnitte. Ähnlich ist es bei den Orchideen, die viele daheim haben: Wenn die Blätter kräftig und grün sind, mögen sie die Umgebung. Dann sollte man nur darauf achten, dass faulige Wurzeln immer entfernt werden (um nicht zu schimmeln) und die Pflanze gelegentlich Dünger bekommt (um brav zu blühen).

Wer etwas mutiger ist, könnte jetzt Ableger nehmen. Wenn Orchideen zum Beispiel zwischen den Blattetagen neue Luftwurzeln austreiben, kann man den neuen Pflanzenteil darüber (sogenannte Kindel) mit einem scharfen, sauberen Messer abtrennen und direkt eintopfen. Das funktioniert genau so auch bei Grünlilien oder allen Ananasgewächsen (z. B. Bromelien).
Bei anderen Pflanzen ist es noch einfacher, Stecklinge zu nehmen – und damit eine neue, kräftige, kleinere Pflanze zu bekommen.

 

Am einfachsten ist es mit dem Geldbaum (auch Pfennig- oder Dukatenbaum), jeder abgezwickte Trieb wurzelt aus. Am besten steckt man ihn dafür (unten entblättert) in Wasser oder gleich in Erde. Die sollte für Stecklinge allerdings immer nährstoffarm und locker sein, junge Wurzeln sollen weder überfordert noch erdrückt werden. Plastiksackerl darüber (wie ein Gewächshaus), hell und warm stellen, zum Beispiel auf die Fensterbank.

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