Leben
30.08.2018

Axels Terrasseneintopf: Steingarten zum Selbermachen

Grausliche Namen, hübsches Grün: Die Wurzen, Brechs und Fetthennen sind pflegeleicht und dennoch lieblich.

Ich muss hier einen Skandal aufzeigen: Wie konnte einer Pflanze, die wörtlich übersetzt „immerlebend“ heißt, der deutsche Name „ Hauswurz“ gegeben werden? Gut, dass sich das Sempervivum nun wehrt: Es breitet sich aus, kaum ein Gastgarten-Tisch, der neuerdings nicht mit den genügsamen Dickblättrigen geschmückt wird, und kein Gartenmarkt ohne angemessenem Wurzen-Sortiment.

Das hat natürlich einen Grund. Die Wurzen sind, wie ihre nahen Verwandten Steinbrechs und Fetthennen, liebliche Pflanzen, die ohne viel Liebe auskommen. Nicht einmal Talent braucht der Neo-Gartler für seinen ersten Steingarten. Er ist die niedrigste Einstiegsschwelle in die Pflanzerei und blüht auf, wenn man ihn schlecht behandelt.

Der Steingarten Ihres Terrassengärtners etwa hat sich ganz von selbst zum Prunkstück entwickelt, das Besucher mit Ahs und Ohs bedenken. Meine Leistung war klein, ich schraubte an einem Vormittag vor zehn Jahren Bretter zu einer Kiste, tackerte Teichfolie hinein, bestückte sie mit Steinen und Holzstumpf und setzte Pflanzen drauf. Die sogen sich brav ihr Wasser von unten, überwucherten Stock und Stein und ab dem dritten Jahr blühten sie regelmäßig. Eine Akelei siedelte sich an, das Edelweiß war prächtig wie ein Heimatfilm, ich erntete Lob für keine Arbeit, Gartlerolymp.

Karg ist gut

Doch heuer ist mein Edelweiß gestorben, zwar an Altersschwäche, aber aus Pietät widmete ich mich deshalb der Pflege des Steingartens: den zugewanderten Löwenzahn rausgerissen, die dürren Verbreitungsranken der Hauswurz gestutzt. Es ist die Arbeit, die auf dem Berg die Gams übernimmt.

Am Berg können sich auch Steingarten-Novizen orientieren. Dort ist es karg, also brauchen die Pflanzen auch im Topf erstens keinen Dünger, zweitens wenig Erde und drittens einen guten Wasserabfluss. Zu viel Düngung und Erde würden nur Unkraut anziehen und das hindert die langsam wurzelnde Wurze beim Wuchs. Wirklich wichtig ist aber die Sache mit dem Wasser: Steingärten halten jeden Standort aus (bevorzugt pralle Sonne), aber Staunässe nicht.

Neben flachen Gefäßen (sogar Pflanzenuntersetzer funktionieren gut, auf die man ein paar Steine häuft und Pflanzen dazwischensetzt) kann man einen Stein mit Rillen oder Höhlen besetzen, oder einen Baumstamm. Man muss nur anfangs für genug Halt sorgen und regelmäßig angießen, damit sich die Wurzeln bilden.

Am härtesten ist die Wahl von Hauswurze, Fetthenne, Steinbrech und anderem Steingarten-Gewächs. Es gibt von jedem Hunderte Sorten, die zu unterschiedlichen Zeiten und Farben blühen.

Tipp: „Winterhart“ wäre zu empfehlen. Sonst wird das nichts mit sempervivum.