Leben
22.08.2018

Axels Terrasseneintopf: Welche Spezial-Erden nur ein Nepp sind

Kakteen- bis Graberde: Welche der teuren Sonder-Substrate braucht man wirklich für sein Gartenglück

Früher wurden abgetragene Maulwurfshügel in Säcke gefüllt und als Blumenerde verkauft. Das Erdmaterial war locker und mehr wollten Gartenmenschen gar nicht. Heute irren sie im Gartenmarkt zwischen den teuren Spezialerden umher, alle die gleiche Frage im Gesicht: Brauch’ ich das wirklich?

Das meiste davon nicht.

Der anhaltende Trend zum Garteln motiviert Marketing-Strategen zu immer neuen Erd-Kreationen. Graberde zum Beispiel ist oft normale Erde, die mit Ruß geschwärzt wird – pietätvoll, wie alles beim Sterben sehr teuer, aber sinnlos. Oder Rosen: Die sind nicht pflegeleicht, aber gerade der Boden ist ihnen eher egal. Rosenerde ist eher ein Gag. Zitruserde übrigens auch.

 

Aber jedem Balkongärtner und jeder Terrassengärtnerin wird spätestens nach den ersten Topfleichen bewusst, wie wichtig die richtige Erde ist. Wir imitieren im Kübel den natürlichen Boden, nur dass nie ein Wurm vorbeikommt und die Erde lockert oder düngt. An dieser Stelle ein wenig Oberlehrerhaftes zum besseren Verständnis: Substrat, wie Erdmischung korrekt heißt, muss im Topf vor allem Wasser abfließen lassen und Pflanzen Halt bieten. Es besteht aus Erde, Sand, Steinen, Pflanzresten, anderen Materialien und Nährstoffen. Wichtig ist die Qualität: Riecht das Substrat modrig (wie Rindenmulch), ist es böse. Riecht es nach frischem Waldboden – gut. Beim Drücken darf es nicht klumpen. Tipp: Wiener Mistplätze verkaufen Top-Erde.

Sinnvoll

Manche Pflanzen verlangen aber tatsächlich extravagante Substrate. Rhododendron hat es gerne sauer, die gleichnamige Erde hat daher einen geringen pH-Wert. Diese Erde passt für alles aus dem Moor, etwa für Azaleen und Heidelbeeren. Orchideen„erde“ besteht fast nur aus Holz und Rinde, ist aber gerade deswegen wichtig. Die hübschen Blüher nehmen Wasser und Nährstoffe aus der Luft, die „Erde“ gibt fast nur Halt und speichert die Feuchtigkeit. Andere Pflanzen brauchen Substrat mit viel Nährstoff (jaja, das oberlehrerhafteste Wort überhaupt): Zu diesen Starkzehrern gehören die Paradeiser, deren Spezialerde unerhörterweise immer Tomatenerde heißt, oder andere Gemüse wie Lauch und Paprika. Aber, aber, aber: Die Nährstoffe in diesen Erden reichen nur für ein paar Wochen, man muss also ohnehin nachdüngen. Daher könnten Sparefroh-Gartler gleich normale Erde kaufen und selbst „auffetten“.

Das Gegenteil, quasi „fettarm“, ist die Anzuchterde. Sie hat wenig Nährstoffe, damit die jungen Wurzeln nicht überfordert sind, und ist besonders locker, damit sie nicht ertrinken. Deswegen sind darin oft kleine weiße Steinchen – Perlit, ein wasserspeicherndes Gestein. Wie auch in Kakteenerde, die – oh Wunder! – ebenfalls gut Wasser ableitet.

Wer Spezialerde selber herstellt, muss darauf besonders achten: Durchlässigkeit. Universal- oder Blumenerde kann man dafür bis zur Hälfte mit Sand strecken, und viel Strukturmaterial einmischen: z. B. Styropor, Schafwolle, Ton, Granulat, Lavagestein.

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