Leben
19.07.2018

Axels Terrasseneintopf: Ausbau für die Würmer

Biomüll am Balkon. Jeder kennt das Problem: Die oberste Etage des Wurmkomposters ist schon wieder voll.

Mit ein bisschen Idee und Schmäh stehen Terrasse oder Balkon dem Garten um nichts nach, oder sagen wir: um fast nichts. Eines der wenigen Prunkstücke jedes Gartens vermisst der Balkongartler aber schmerzlich: den Komposthaufen. Wohin mit Küchenabfall, Blättern und Grünschnitt? Man will die wertvollen Nährstoffe doch nicht der Biotonne schenken. Nachdem Ihr Terrassengärtner Axel wieder einmal ein elendig saftelndes Biosackerl eben dorthin manövriert hatte, stand fest: Ich möchte einen Wurmkomposter.

Vier Jahre später drei Erkenntnisse: Es funktioniert. Das Resultat ist der beste Dünger. Ebenenkomposter sind besser als Kammern.

 

Anfangs kompostierte ich vertikal: Kiste aus Holz gebaut, mit Hasenstallgittern in drei Kammern geteilt, die nacheinander mit Küchen- und Pflanzabfällen gefüllt werden. Die eingesetzten Kompostwürmer fressen in der ersten Kammer alles auf, verdauen, kacken – das ist der begehrte Wurmhumus. Wenn sie fertig sind, kriechen sie durch das Gitter in die Nebenkammer. Nachteil: Man muss den Wurmhumus aus der Kammer schaufeln.

Mein Leben wurde viel einfacher, als ich auf den Ebenenkomposter umstieg, in meinem Fall bestehend aus einfachen Plastiksteigen mit Gitterboden. Holz wäre stilvoller, aber auch verrottbarer, wenn schon einfacheres Garteln, dann richtig. Die seitlichen Schlitze werden mit Fliegengitter verkleidet, dazu nimmt man Silikon oder Heißkleber, was man gerade daheim hat. Die Würmer bleiben zwar sowieso drinnen, weil sie es a) dunkel und b) erdig-feucht mögen, aber dank Gittern bleibt der Biomist auch in der Kiste. Luftzufuhr ist nötig, geschlossener Bioabfall beginnt erst zu safteln, dann zu modern und schlussendlich zu stinken. Mit Luft und dem richtigen Maß an Feuchtigkeit riecht der Wurmkomposter überraschend wenig, und nur nach Waldboden. Mmmmh.

Als unterste Etage dient eine normale, seitlich geschlossene Box zum Auffangen der Flüssigkeit – dieser so genannte Wurmtee eignet sich auch gleich als Dünger.

Welcher Wurm?

Ist eine Etage voll ist, setzt man eine neue oben auf, die Würmer kriechen dann hinauf statt hinüber. Die Ernte des Wurmhumus ist einfach: unterste Ebene rausnehmen, eventuell restliche Würmer ausklauben und losdüngen. Wichtig: Zwischen den Etagen immer wieder mit Erde auffüllen, Biomüll sackt bei der Verrottung zusammen. Und die Würmer springen nicht in den nächsten Stock.

Bei der Erstbesiedlung bedecken Kompost-Novizen den Boden mit Zeitungspapier (davor einweiken, damit sich die Farben auswaschen!), auch Eierkartons eignen sich. Und müssen zwischen drei Arten Kompostwürmern wählen: Eisenia andrei, Eisenia foetida und Eisenia hortensis. Empfehlung Ihres Terrassengärtners: Andrei (vor Hortensis) – fressen mehr, vermehren sich flotter, sind robuster.

Kulinarisch sind sich alle Würmer einig: In den Kompost kommt Organisches, von Gemüserestl bis Eierschale. Nur keine Zitrusfrüchte, auch nicht Milch, Fleisch, Brot und Scharfes (Zwiebel). Dazu Pflanzenreste, besonders Wurzeln. Außerdem mögen es alle Würmer feucht, aber nicht nass. Und schattig – ab 30 Grad stellen sie das Fressen ein.