Leben
17.08.2018

Axels Terrasseneintopf: Kampf gegen den Bambus

Bambus frisst Garten: Was den unersättlichen Eroberer besonders macht und wie er sich bezwingen lässt

Alle reden von Hitze, aber ganz ehrlich: Wer nicht täglich mit Gießkanne oder Mini-Schlauch durstige Topfpflanzen vor dem Trockentod retten muss, hat keine Ahnung. Wir Kübelgärtner sind die wahren Verlierer des Klimawandels, kann man sagen. Und gäbe es nicht den Bambus, würden wir vor Neid auf alle Gartenbesitzer mit ihren wasserspeichernden Böden und tiefwurzelnden Pflanzen verdunsten.

Als mir einer jüngst aber von seinem Flachrohrbambus erzählte, der im ganzen Garten aus dem Boden schießt und unzerstörbare, unterirdische Triebe bildet, blickte ich zu meinem Topfbambus und dachte: Du kommst mir nicht aus.

Dabei macht Bambus prinzipiell, was er will. Er kommt auf allen Kontinenten außer Europa vor, wurde aber gerade dort zur In-Pflanze. Mit den Buddhafiguren eroberte er heimische Gärten und Terrassen, denn obwohl global verbreitet, ist er in Asien alltagsprägend – von Pandabären-Nahrung und Sprossen-Gericht über Möbel und Baugerüste bis Kleidung und Essstäbchen, Asiaten machen fast alles aus Bambus. Er ist ja auch vielfältig: Das Süßgras gibt es in 1500 Arten von Meeresniveau bis 4000 Meter Seehöhe. Zu uns schaffte er es zuerst als Topfpflanze, dann als Stilelement im Asia-Eck und bald zum Heckengewächs – immergrün, blickdicht, samt wohligem Rauschen. So begannen die Horrorfilm-Wucherungen.

Zucht und Teilung

Dabei ist es recht einfach: Wer Flachrohrbambus (Phyllostachys) ins Freie pflanzt, muss den Wurzelausläufern (Rhizomen) Grenzen setzen. Dazu werden spezielle Wurzelsperren 80 Zentimeter tief in die Erde vergraben. Die Schirmbambus-Arten bilden kaum Rhizome, sondern wachsen als horstiger Busch, dafür auch schwächer und dünnhalmiger. Die berühmten dicken Bambushalme erreichen in unserem Klima nur manche Flachrohrbambus-Arten – die wuchern dann auch binnen eines Jahres bis zu zehn Meter hoch. Als Hecke aus Schirmbambus (Fargesia) eignen sich vor allem die Sorten Standing Stone und Campbell. Die höchsten Bambusse (oder heißt es Bambi?) in den Tropen werden bis zu 40 Meter hoch und 30 Zentimeter dick. Wichtig für Bambi-Hecken: Beim Schnitt bedenken, dass Halme oben nicht wieder austreiben, also lieber einzelne Halme auslichten als radikal schneiden.

Terrassengärtner brauchen keine Hecke, aber ein großblättriger Pfeilbambus macht im Topf viel her – übrigens auch ein Eroberer. Den gekringelten Glücksbambus kann man auch einsetzen – wenn er in der Vase Wurzeln schlägt, er ist allerdings gar kein Bambus (sondern eine Art des Drachenbaums). Ansonsten sind die Fargesia-Sorten perfekt, weil gut winterhart und robust gegen Hitze. Bei Trockenheit wirft Bambus zwar Blätter ab, treibt aber bald durch, wenn er wieder genug Wasser hat. Ist der Topf allerdings durchgewurzelt (und rinnt das Wasser durch), geht es an die einfache Teilung: Wurzelballen mit der Säge brachial durchschneiden. Der neue Topf sollte dreimal so groß sein wie der Ballen, die Erde durchschnittlich gedüngt und das Wasser gut abrinnen.

Aber es ist sinnlos, den Bambus immer größer zu topfen. Eroberer sind unersättlich.

Aufruf: Ihr Terrassengärtner sucht Leserinnen und Leser, die ihren eigenen Garten/Balkon/Terrasse vorstellen wollen. Bewerbungen an: axel.halbhuber@kurier.at