Leben
07.12.2018

Axels Terrasseneintopf: Das grüne Spitzen-Notfallsgeschenk

Last Minute-Steckling. Pflanzen können genau das Geschenk sein, das man zu besorgen vergessen hat

Oft streift man im Advent durch die Wohnung, auf der Suche nach einem Geschenk. Man sollte schon unterwegs zu der Feier oder Einladung sein, die Zeit drängt, der Blick mustert alles, welches Buch sieht wenig abgegriffen aus, welcher Wein wirkt wie in der Vinothek gekauft? Diesmal wollte man wirklich etwas Persönliches schenken, hach, wieder ging’s sich nicht aus.

Anleitung für den Notfall-Steckling

Der Schmäh: Man muss die Pflanzen in die Suche einbeziehen. Sie sind die unterschätzte Antwort in der Last-Minute-Geschenk-Problematik. Nein, nicht die ganze Pflanze, aber ein Steckling – ein von der Pflanze abgetrenntes Stück, das man neu topft, um die Pflanze zu vermehren. In der absoluten Not kann man dafür die Erde aus einigen Zimmerpflanzen zusammenkratzen, irgendein schmuckes Gefäß findet sich immer, alte Kaffeetassen zum Beispiel, jö lieb, wau, das ist originell, die Patina, da hast dir was überlegt, Daaaaaanke, Bussi, Bussi, gewonnen!

Besser gelingt die Übung natürlich mit weniger Hau-Ruck und mehr Vorlauf. Nicht alle Pflanzen eignen sich zum sofortigen Einsetzen in Erde (wobei man das Eingehen des Grüns ja auf die mangelnde Pflege durch den Beschenkten schieben kann). Die langen Adventabende lassen sich aber gut zur Vorbereitung nutzen (man wird schon so ein Verzweiflungsgeschenk brauchen, manchen Pflanzen tut Zeit im Wasserglas gut, mit frischen Wurzeln gedeihen sie in der Erde sicher.

Grundsätzlich gibt es Kopf-, Stamm- und Blattstecklinge, aber dafür haben wir jetzt in letzter Minute keine Muse. Am einfachsten ist es mit dem Geldbaum (auch Pfennig- oder Dukaten-, dieser Baum hat viele Namen). Der gelingt immer, sogar von selbst abgeworfene Triebe treiben aus allen möglichen „Stamm“stellen in feuchter Luft Wurzeln aus. Aber er ist ein Allerweltskraut, also nur für mäßig gute Bekannte. Von der sukkulente Pflanze (also wasserspeichernd) schneidet man einen Trieb ab, befreit ihn halb von den Blätter und steckt ihn a) für einige Tage in Wasser oder b) gleich in Erde.

Erde für Stecklinge muss nährstoffarm und locker sein (Strukturmaterial hineinmischen!), junge Wurzeln sollen weder überfordert noch erdrückt werden. Die Kunst ist, Erde feucht zu halten, ohne dass sie nass ist – Plastiksackerl drüber (Prinzip Gewächshaus) oder öfter besprühen. Hell und warm stellen, Fensterbank über Heizung ist super.

Wie den Geldbaum kann man fast alle sukkulenten Pflanzen gleich in gut durchlässiges Substrat stecken. Unbedingt zum Wurzeln ins Wasser soll gekappter Ficus oder Efeu oder Gräser.

Menschen, die man echt mag oder vor denen man angeben will, beschenkt man mit exquisiteren Ablegern. Orchideen, Grünlilien oder Ananasgewächse bilden so genannte Kindel, die Pflanze aus dem Haupttrieb der Mutterpflanze (entwickeln auch Wurzeln). Mit scharfem, sauberen Messer abtrennen und direkt eintopfen. Bravo!

axel.halbhuber@kurier.at