Leben
20.11.2018

Axels Terrasseneintopf: Überwinterungsalarm!

Keine Ausrede mehr: Pflanzen müssen jetzt winterfit werden. Ein paar Tricks sparen viel Arbeit.

Das Wetter hat Anstand. Einerseits bescherte es uns Hobbygartlern den warmen Herbst und damit viel Zeit für die Prokrastination nach dem Motto „Ich räum’ dann nächste Woche ein“. Bis jetzt hat das Grünzeug mit dem Klima harmoniert, es sind sogar Paradeiser nachgerötet und Frostfeiglinge räkelten sich in der Sonne.

Andererseits ist es vom Wetter sehr rücksichtsvoll, vor einem Wochenende zum Umschwung zu blasen. Und ohne Hysterie auslösen zu wollen, rät Ihr Terrassengärtner: Wenn Sie Ihre grünen Schatzerln bis jetzt nicht winterfit gemacht haben, lassen Sie alles liegen und stehen, melden Sie sich krank (man verkühlt sich um diese Jahreszeit beim Garteln sowieso), und verschließen sie sich dem sozialen Leben: Die Pflanzen haben jetzt bedingungslosen Vorrang!

Die richtigen Exoten (z.B. Orchideen, Kakteen, Dschungelgewächse), die tropisches oder wüstenhaftes Klima einfordern, müssen jetzt von draußen ohnehin direkt in die Intensivpflege. Die gehören je nach Zustand (welk, letschert, angefault) unterschiedlich behandelt, Wurzelkontrolle und das Entfernen morbider Teile sind nur der Anfang. Gut ging es bis jetzt mit mediterranen Kandidaten wie der unaussprechlichen Bougainvillea. Die hält entgegen ihres Diva-Images viel aus, braucht aber zumindest acht Grad. Im Dunklen (Keller, Gang) wird sie Blätter verlieren (keine Angst, die kommen wieder) und braucht kaum Wasser. Für einen Winter in der warmen Wohnung kann man sie stutzen, dort braucht sie auch mehr Wasser, aber Obacht: Die meisten Pflanzen werden im Winter ertränkt (wobei sie am Schluss vertrocknen, weil abgefaulte Wurzeln kein Wasser mehr aufnehmen können, Ihr Terrassengärtner hat das oft verwechselt, welch’ Gatsch, welch’ Jammer).

Manche Pflanzen würden in freier Wildbahn unsere Winter gut überstehen, aber nicht im Kübel (Gärtnerdeutsch für alle Topf- und Kistenvarianten). So leben Kräuter meistens in lieben, kleinen Topferln und das bisserl Erde friert halt schnell. Dem Topf fehlt Bodenwärme, und so greift die Kälte sofort die Wurzeln an. Dagegen hilft Styropor eher viel, das Einwickeln in Vliestücherln nur bedingt (stellen Sie sich vor, mit so was bei minus 15 Grad im Wind zu stehen). Sehr gut klappt Einbetten: Töpfe in größere Töpfe stellen, Zwischenräume mit Rindenmulch füllen und mit Reisig bedecken. Warme Räume sind für viele Kräuter keine Option, sie treiben nach der Kälte-Erholung im Frühjahr oft gut durch. Also besser die letzten Salbeiblätter ernten und in Butter anrösten (herrlich! Oder einfrieren.) und sich selbst überlassen (Schnitt erst im Frühjahr).

Der Oleander gehört zu den Wackelkandidaten. Bei mildem Winter (keine lange Periode unter minus 5 Grad) oder gutem Mikroklima am Standort (wärmestrahlende Hauswand, windgeschützt) überlebt er, wird aber im Frühjahr später antreiben. Vorsicht bei Sonne: Zu viel Temperaturschwankungen stressen Pflanzen im Winter.

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Schutz von oben braucht der Rhododendron. Seine Wurzeln knapp unter der Erdoberfläche sollten mit Kokosmatten oder Reisig bewahrt werden (kein Laub, das verdichtet und fault!), und auch im Winter nicht dursten (mäßig gießen). Der Rhododendron neigt nämlich tatsächlich zum Vertrocknen.

Staunässe mag auch er nicht. Die ist für jede Pflanze im Winterquartier der Tod. axel.halbhuber