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Leben
12/22/2018

Axels Terrasseneintopf: O Bonsaibaum, o Bonsaibaum ...

„Lebende“ Nadelbäume sterben im Topf. Es muss also eine Alternative her. Aber wie geht nachhaltig richtig?

"... es leben deiiine Blääätter. Du lebst nicht nuuur den Rest vom Jahr, auch jetzt zur Weiiiihnacht bist du da, oh Bonsaitraum, oh Bonsaitraum, ab jetzt bist duuu mein Weihnachtsbaum."

Man denkt, ein lebender Christbaum wäre nachhaltig – ein Weihnachtsmärchen. Erstens verwaldet Österreich ohnehin, zweitens passen Nadelbäume nur unter den Qualen radikaler Beschneidung in Töpfe. Die beliebte Tanne etwa wurzelt genau so tief wie sie hoch ist. Selbst bei Flachwurzlern (wie den derzeit überall angebotenen Pinien-Mini-Christbäumen) lässt sich deutlich erkennen, dass die Topfbreiten kaum zu den Patzenbäumen passen, die dieser Tage heimische Wohnzimmer verstellen.

Wirklich nachhaltig ist, wenn der Baum im Topf gezogen wurde (bieten besondere Züchter an), betreuungsintensiv ist er trotzdem (weil er nämlich einfach nicht in die Wohnung gehört): vom Kalten ins Warme unbedingt mit Zwischenstation, also einige Tage am Gang oder in der Garage parken. Drinnen dann nicht zur Heizung stellen (wo aber oft sein logischer Platz wäre. Durchschnittliche Wohnzimmer lassen kaum kreative Christbaumstellung zu), unter den Baum Schalen mit Wasser (Luftfeuchtigkeit). Oft gießen, nie im Wasser stehen lassen – Nadelbäume hassen Staunässe. Und nach spätestens zwei Wochen raus – wieder via Zwischenstation!

Die Alternativen

Wer das Wort „Kunstbaum“ nicht aussprechen kann ohne zu würgen (wie Ihr Terrassengärtner), könnte stattdessen nachhaltig einen der Bäume umfunktionieren, die schon herumstehen (lindert auch das Platzproblem). Ja, man muss dafür seinen Horizont für das Fremde öffnen, aber das passt ja an sich gut zum Weihnachtsfest. Und der Ersatztannerich muss einige Kriterien erfüllen.

Ich habe mich zunächst am Kaktus versucht: Auf den Spitzen der streng nach oben wachsenden Säulen kann man hervorragend die Schnüre der Kugeln oder kitschigen Engerl befestigen, die dann gerade runterhängen. Aber mein Kaktus hat nur fünf Säulen. Zu wenig Breite, zu wenig Kitsch, durchgefallen.

Der Ficus Benjamin wäre buschig genug für bunten, mannigfaltigen Schmuck. Doch biegen sich seine dünnen Äste schon, wenn eine Kerze nur in die Nähe kommt. Wieder keine Alternative.

Im Gegensatz zu meinem über einen Meter hohen Bonsai mit dickem Stamm: buschige Verästelungen, hohe Traglast und eine Spitze für den Stern. Trägt Kerzen und Kitsch mit Haltung, und ab Jänner ist er einfach wieder ein gesunder Japanbaum. In diesem Sinn wünsche ich allen Pflanzenfantasten: Merīkurisumasu!

axel.halbhuber@kurier.at