© Halbhuber Axel

Weihnachtsstern
12/15/2018

Axels Terrasseneintopf: Besuch bei Mister Weihnachtsstern

Der Weihnachtsstern: Das Grün mit den roten Prachtblättern ist beliebt, aber übersensibel. Eine Überlebensanleitung.

von Axel Halbhuber

Manches an Weihnachten nervt, ewig gleiche Lieder etwa („pa rum pum pum pum“) oder dass der Weihnachtsstern immer eingeht. Der üppige Rotblatt-Schönling wird gerne geschenkt („our finest gifts we bring“), verlangt aber bedingungslose Verehrung („so to honor him“). Er ist der Dramatiker unter den Adventdekos, Dramabub statt Drummerboy, pa rum pum pum pum. Er zieht als Topfpflanze ein und lebt kürzer als Schnittblumen, pum pum.

Gärtnermeister Peter Leitner schmunzelt wissend, wenn er präzise den Hauptgrund für die Horden an darbenden Weihachtssternen diagnostiziert: „Vergießen.“ Leitner unterrichtet an der HBLFA für Gartenbau Schönbrunn (www.gartenbau.at) und weiß so viel über den Weihnachtsstern, dass die Heiligen Drei Könige wie frischgefangte Hobbyastronomen wirken. Er steht inmitten von 600 Prachtexemplaren und erklärt: „Man darf ihn nicht zuviel gießen, Staunässe ist zu vermeiden. Genauso wie kalte Zugluft.

Wenn man lüftet, sollte man ihn vom Fenster wegstellen.“ Das Wolfmilchsgewächs (lateinisch: Euphorbia pulcherrima) aus Mexiko braucht es allerdings auch nicht all zu warm. „Normale Zimmertemperatur reicht“, sagt Leitner und zeigt in einem Bogen stolz auf die Sterne, die alle unter seiner Aufsicht gezogen wurden, als wären sie direkte Nachkommen von jenem über Bethlehem. „Wir haben hier im Glashaus am Ende der Produktionsphase 16 Grad.“ Anfangs etwas mehr, wenn es noch kleine Sternderln sind, dann wird stetig abgesenkt.

Blatt-Blüte-Dilemma

Viele halten die prachtvollen roten Plätschen für die Blüte des Weihnachtssterns, dabei sind das Hochblätter, die sich mit Beginn des Kurztags umfärben. Kurztag ist Gärtner-Latein für jene Zeit, in der es in der Natur mindestens 12 Stunden täglich dunkel ist. „Die wirklichen Blüten, die Cyathien, sitzen in der Mitte und sind unscheinbar. Auch die bilden sich erst durch den Kurztag aus, sie brauchen am besten 14 Stunden absolute Dunkelheit.“ Leitner schaut streng, „absolut“ heißt „absolut“, auch elektrisches Licht störe die Pflanze, zumindest Karton oder Kübel sollte man drüberstülpen. Täglich. Vor Weihnachten ist einem eh meistens fad.

Wer den Stern durchbringt, sollte dann „am Ende vom Kurztag (März/April) „einmal kräftig zurückschneiden, ich würde auch wieder umtopfen“. Beginnt der Kurztag langsam wieder (Ende August), kann man sich sogar an die Vermehrung wagen. Dazu schneidet man einen oder mehrere Kopfstecklinge aus Haupttrieben – „wenn sie halbwegs okay sind, also unbeschädigt“ und etwa 10 bis 15 Zentimeter unter der Triebspitze. Die untersten Blätter wegzwicken und in (ganz normale Blumen-)Erde stecken. Feucht halten, aber nicht zu nass, auf eine „gespannte Luftfeuchtigkeit“ achten (Expertendeutsch für: Plastiksackerl drüberstülpen, Umweltbewusste nehmen eine Käseglocke, jedenfalls immer wieder lüften, sonst schimmelt es).

„Vor starker Sonne schützen und unbedingt mehrmals täglich besprühen, weil sehr viel Blattmasse am Steckling ist, der würde sonst schnell verwelken.“ Nach zwei Monaten sollte der Stern groß und schön sein – und die Hochblätter sollten sich umfärben. Rum pum pum pum.

axel.halbhuber@kurier.at

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