© Point of View / Donhauser

freizeit Essen & Trinken
05/13/2020

Wer ist Josef Donhauser und was plant er mit Vapiano?

Der Konditor baute ein Millionen-Imperium mit 1.300 Angestellten auf – was der spätberufene Vater mit den Vapiano-Standorten machen will.

von Anita Kattinger

Flink ließ der Zuckerbäcker seine Hände über die glänzende Sachertorte gleiten: Elf Minuten zeigte die Stoppuhr an. Nicht schlecht, der Ehrgeiz des jungen Mannes war geweckt. Er stellte zehn Torten akkurat vor sich hin und drückte erneut auf die Stoppuhr. Josef Donhauser brauchte 13 Minuten für die Glasur aller zehn Sachertorten – es war sein Aha-Moment.

"Meine Eltern haben sich zwar gewünscht, dass die Konditorei weiterbetrieben wird, allerdings habe ich mich nie als Zuckerbäcker gefühlt. Die Eltern haben akzeptiert, dass ich aus dem Heimatdorf herausgewachsen bin." Wann der Wunsch entstand, nicht nur die elterliche Konditorei in Kirchberg am Wechsel und eine Tenniskantine zu leiten, kann der 50-Jährige heute nicht mehr genau sagen.

"Die Konditorei war eigentlich nicht überlebensfähig, weil in dem Ort zu wenige Leute die Torte kauften. Es war eine Überlebensstrategie, dorthin zu gehen, wo mehr Leute die Torte kaufen wollen." Also auf nach Wien.

Backen tut Donhauser nur noch gelegentlich, mit Zahlen könne er besser umgehen. Der breiten Bevölkerung war der ÖBB-und Flughafen-Caterer DoN bisher kein Begriff, mit Bekanntgabe der Übernahme von 12 Standorten der insolventen Pizza- und Pastakette Vapiano in Österreich vergangene Woche hat sich das schlagartig geändert: "Es wird eine intensive Abstimmung mit dem deutschen Mutterkonzern geben, wir wollen von Österreich aus Einfluss nehmen. Wir streben an, Vapiano als Namen und Marke in Österreich zu erhalten."

Ab Juni sollen die Standorte eröffnet werden - an Sitzkonzepten wird noch gefeilt, wahrscheinlich kommen Platzierungen der Gäste.

Im Segafredo musste er einen Cappuccino nach dem anderen runter drücken

Das Konzept will er nicht ändern: "Transparenz, was das Handwerk betrifft, sowie der Einsatz von guten Rohstoffen. Das wollen wir in meiner Vorstellung sogar unterstreichen, das wird Teil unserer größten Arbeit sein."

Bereits vor einigen Jahren interessierte sich der Gastronom dafür, bei der Systemgastro-Kette als Franchisenehmer einzusteigen: Zwei Tage lang bereitete er inkognito Pasta und Pizza in einer Wiener Innenstadt-Filiale zu.

Übrigens kein neues Terrain für ihn: Schon am Anfang seiner Karriere drückte er im Segafredo am Wiener Graben einen Cappuccino nach dem anderen herunter, um Geld zu verdienen, da die Tenniskantine im Winter geschlossen hatte.

Die großen Krisen in seinem Leben

Von der Krise ist der Vater einer Dreijährigen gleich mehrfach betroffen: Mit einem Schlag verlor der Manager seine Bahnkunden, seine Konsumenten auf Flughäfen sowie seine Gastronomie-Gäste.

Im Interview mit dem KURIER spricht Donhauser von "gemischten Gefühlen": "Es tut persönlich gut, wenn eine weltweite Betriebsunterbrechung stattfindet. Betriebswirtschaftlich ist es ein Wahnsinn. Wir waren vor der Krise wirtschaftlich stabil. Sorgen bereiten mir Halblösungen, da sie teurer sind als komplette Schließungen. Wir müssen Betriebe hochfahren, unterliegen aber Beschränkungen: Wir haben weiter Mieten zu zahlen und werden wahrscheinlich nicht einmal 50 Prozent Umsatz haben."

Dabei hatte der niederösterreichische Manager gedacht, auf Nummer sicher zu gehen, indem er sein gastronomisches Know-how in unterschiedlichen Branchen streute. Seine Lehren aus dem tiefen Fall im Jahr 2012, als er den Auftrag als Bahn-Caterer verlor – 90 Prozent seines Geschäfts fielen weg.

"Im Nachhinein bin ich gestärkt aus der Krise gekommen und habe gelernt, nicht alles auf eine Karte zu setzen." Auch wenn ihm dieser Zugang in dieser Krise nicht geholfen habe.

"Ich werde nie sagen können, es reicht"

2012 habe er Monate lang daran arbeiten müssen, die Niederlage wegzustecken. "Ich habe damals nicht ein Spiel verloren, sondern eine Lebensarbeit. Ich habe viel Zeit und Geld in das Unternehmen gesteckt und plötzlich ist ein Teil weggebrochen. Das war eine Existenzfrage. Allerdings habe ich schnell bemerkt, dass nur das Materielle weg war, nicht die Erfahrung und das Know-how."

Acht Jahre später ist das Unternehmen dreimal so groß: "Man muss die Krise als Chance begreifen."

Hoffnungsfroh blickt der Chef von 1.300 Angestellten auf die Zukunft – er wolle sich auf die Vapiano-Übernahme konzentrieren und Anfang Juli auf die Geburt seines zweiten Kindes.

Ob jetzt Ruhe einkehren wird in seinem Imperium? "Ich bin durch und durch Unternehmer. Ich werde nie sagen können, es reicht."

Konditor
Josef Donhauser kommt am 10. Jänner 1970 auf die Welt – in Kirchberg am Wechsel (NÖ) betreiben seine Eltern eine Konditorei mit Café. Nach der Hotelfachschule am Semmering absolviert er eine verkürzte Konditor-Lehre in der Kurkonditorei Oberlaa in Wien, es folgt ein Auslandsjahr in der französischen Schweiz. Zurück in seinem Heimatdorf  eröffnet er die Tenniskantine „Salettl“, drei Jahre danach übernimmt er den elterlichen Betrieb.

Unternehmer
In seinem Unternehmen, die DoN Group, beschäftigt er 1.300 Mitarbeiter und setzte vor der Corona-Krise 74 Millionen Euro um. Als Caterer zählt die Gruppe u.a. die ÖBB und den Flughafen Wien als Kunden, zudem gehören in Wien die Lucy Bar im Belvedere 21, das Schlosscafé im Oberen Belvedere und das Café Volksgarten, in Linz Das Anton und Das Bruckner’s, in Niederösterreich das Mamas sowie in Tirol das Bergrestaurant Seegrube zu dem Unternehmen. Weiters betreibt Donhauser vier Subway-Standorte sowie Fat Monk.

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