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Chronik Wien
07/11/2020

Wiener Stadtregierung im Beliebtheitsranking: Ludwig top, Hebein Flop

Die Grünen-Chefin ist das Schlusslicht, sie punktet aber bei Kernwählern. Der Bürgermeister hat Spitzenwerte bei SPÖ-Anhängern - und Stadträtin Gaál in den Schatten gestellt.

von Stefanie Rachbauer, Christoph Schwarz

In den nächsten Tagen  könnte es ernst werden. Am Mittwoch findet die große Verhandlung zum umstrittenen Fahrverbot im Wiener Zentrum statt, das die Vizebürgermeisterin Birgit Hebein (Grüne) angekündigt hat. Teilnehmen werden etwa Vertreter des Bezirks und von Interessensvertretungen.

Unterdessen wird es immer wahrscheinlicher, dass Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) noch ein Veto einlegt. Die Chance liege bei mehr als 50 Prozent, ist aus dem Rathaus zu hören.

Die Zahlen würden dem Stadtchef recht geben: Nur 34 Prozent der Wiener befürworten das Fahrverbot in der City,  47 Prozent sind dagegen. Das ist eines der Ergebnisse der Wien-Umfrage, die das Meinungsforschungsinstitut OGM im Auftrag des KURIER durchgeführt hat.

Noch klarer  sind die Fronten bei Hebeins Fußgänger- und Radfahrer-Projekten auf Wiens Straßen. Mehr als 55 Prozent der Befragten lehnen mehr Begegnungszonen ab.

Beim Ausbau von Radwegen zulasten von Autospuren sind es sogar 66 Prozent.

Hebein ist Schlusslicht

Projekte wie diese haben Hebein zuletzt bekannt gemacht. Sie ist umstritten: Im Beliebtheits-Ranking belegt Hebein deutlich den letzten Platz.

Nur ein Viertel der Befragten gibt in der OGM-Umfrage an, eine "gute Meinung" von Hebein zu haben. Rund die Hälfte hat hingegen eine "weniger gute" Meinung.

Die Grünen-Chefin hat somit unter allen Mitgliedern der Stadtregierung den schlechtesten Saldo aus positiven und negativen Bewertungen: Er liegt bei minus 26.

Die SPÖ rasch geeint

Am anderen Ende der Skala steht der Bürgermeister – mit einem Saldo von plus 26. Ludwig punktet bei Anhängern aller Parteien. "Er ist verträglich, paktfähig, verlässlich", sagt OGM-Chef Wolfgang Bachmayer. "Er ist – im positiven Sinne – für die Wiener in all seiner Rundlichkeit ,einer von uns‘."

Die guten Werte von Ludwig sind durchaus überraschend. Vor allem, dass er innerhalb der eigenen Partei so gut ankommt, hätte vor zwei Jahren – bei seinem Amtsantritt – wohl kaum jemand prognostiziert.

Ludwig übernahm die Wiener SPÖ in einer Kampfabstimmung, die Partei war zerstritten.

"Ludwig ist es gelungen, die SPÖ zu einen, ohne dass Blutflecken auf dem Boden zu sehen sind", sagt Bachmayer. Laut Umfrage haben heute 95 Prozent der SPÖ-Wähler eine "gute Meinung" von Ludwig.

Ludwigs Flügelspieler

In der Beliebtheit ex aequo auf dem zweiten Platz liegen Wirtschaftsstadtrat Peter Hanke und Sozialstadtrat Peter Hacker – mit einem Saldo von je plus 14. "In der Fußballersprache würde man die beiden als Ludwigs Flügelspieler bezeichnen", so Bachmayer.

Hanke ist als Manager ein Signal an die Wirtschaft und an Konservative. Hacker deckt die linke Flanke ab: Mit seiner Vergangenheit als Chef verschiedener Sozialeinrichtungen und als Flüchtlingskoordinator ist er nicht nur Identifikationsfigur für den linken Flügel der SPÖ.

Er fischt auch im grünen Wählerteich: 43 Prozent der Grün-Wähler haben eine gute Meinung von ihm. Falls Hacker im Wahlkampf grün-affine Wähler adressieren kann, könnte das der SPÖ entscheidende Prozentpunkte bringen.

Nicht zuletzt sorgt Hacker für jene Kontroversen, die Ludwig scheut: Wenn es sein muss, wird Hacker auch einmal deutlicher, während Ludwig "nirgendwo ernsthaft aneckt", wie es Bachmayer formuliert.

Wohnen ist Chefsache

Farblos blieb in den vergangenen zwei Jahren Stadträtin Kathrin Gaál. Und das, obwohl sie eines der roten Kernthemen verantwortet – das Wohnen.

Einer der Gründe: "Der Wohnbau ist bei der SPÖ Chefsache", sagt Bachmayer. "Die Stadträtin steht nicht in der ersten Reihe."

Ludwig – zuvor selbst Wohnbaustadtrat – hat das Thema auch als Bürgermeister von Anfang an selbst bespielt. Etwa mit seinem Wien-Bonus – also der Bevorzugung alle jener bei der Wohnungsvergabe, die schon länger in der Stadt leben: "Damit hat er  ganz nebenbei mit feiner Klinge auch die rechtsorientierten Wähler abgeholt", sagt Bachmayer.

Für Gaál bleibt kaum etwas übrig. Da verwundert es nicht, dass sie 54 Prozent der Wienerinnen und Wiener nicht kennen. Noch unbekannter ist nur Veronica Kaup-Hasler. Bei dem kaum breitenwirksamen Kulturressort  überrascht das wenig.

Sima konkurriert mit Hebein

Und  Ulli Sima, die oft als Wackelkandidatin bezeichnet wird? Sie ist eine der bekanntesten in der Stadtregierung – und polarisiert. Bei SPÖ-Wählern hat sie aber gute Werte: 69 Prozent haben eine "gute Meinung" von ihr, das ist Platz zwei hinter Ludwig.

Auch bei Grün-Wählern punktet sie, was an ihren  Themen liegen dürfte – etwa Öffis und der Kampf gegen die Hitze in der Stadt. Dabei konkurriert sie auch mit Hebein. 

Hebein punktet bei Kernwählerschaft

Übrigens: Bei ihren eigenen Kernwählern kommt die Grünen-Chefin deutlich besser an, als insgesamt betracht: 63 Prozent der Befragten, die aus heutiger Sicht bei der Gemeinderatswahl die Grünen wählen würden, haben eine "gute" Meinung von ihr.

Innerhalb der grünen Partei wertet man diese Polarisierung (wobei man das Wort nicht in den Mund nehmen will) als  Reaktion darauf, dass Hebein "mutige Antworten" gebe.

"Veränderungen können zu Verunsicherung führen", heißt es. "Bei manchen dauert es eben etwas länger, bis derartige Schritte ankommen.“

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