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Interview
09/16/2021

"Wien muss bei Schüler-Impfungen einen Zahn zulegen"

Martin Netzer, Generalsekretär im Bildungsministerium, kritisiert im KURIER-Gespräch das Test- und Impfprogramm an Wiens Schulen scharf.

von Josef Gebhard

KURIER: Zum Schulstart gab es in Wien Probleme mit den „Alles gurgelt“-PCR-Tests, die seitens der Stadt an Mittel- und höheren Schulen durchgeführt werden. Sind sie inzwischen im Griff?

Martin Netzer: Die Testabdeckung durch „Alles gurgelt“ bei den 150.000 Wiener Schülern in den NMS und in der Oberstufe kommt über 50 Prozent nicht hinaus.  Von den angestrebten  zwei Tests pro Woche ist man weit entfernt.  Aber ich bin zuversichtlich, dass haben auch unsere Gespräche mit der Stadt Wien heute ergeben, dass  das rasch saniert wird. Das Problem ist nach wie vor, es  finden  viele der Tests nicht wie geplant an den Schulen, sondern zu Hause statt, weil ihre Durchführung für die Lehrer zu aufwendig ist. Und die Schnittstelle funktioniert einfach nicht.

Was ist das Problem an den Heimtests?

Wenn das Programm in die Haushalte verlegt wird, muss die Motivation der Eltern und Kinder schon sehr groß sein, damit das Testen auch reibungslos funktioniert. Umso wichtiger ist ein niederschwelliges , einfach handhabbares Angebot an den Schulen, bei dem für die Eltern keine Arbeit anfällt.
 

Eltern- und Lehrervertreter haben aber kritisiert, dass es auch bei dem vom Bund organisierten Programm „Alles spült“ zu Problemen gekommen ist.

Es gab auch hier Anlaufschwierigkeiten. Es waren aber nur kleine Anpassungen notwendig, vor allem beim Abholsystem. Mittlerweile erreichen wir bei den Wiener Volksschülern eine Abdeckung von 95 Prozent. Das System ist sehr robust. Wir bekommen Anfragen aus Deutschland, wo man erstaunt ist, was wir auf die Beine gestellt haben.

Angesichts der sehr niedrigen Zahl an Infizierten, die entdeckt werden: Lohnt sich dieser enorme Aufwand überhaupt?

Natürlich. Allein in Oberösterreich haben wir so 80 infizierte Schüler aufgespürt. Und es geht ja nicht um den einzelnen Schüler allein. Hinter ihm steckt ja auch eine Familie, die ebenfalls potenziell infiziert ist.

Bildungsstadtrat Christoph Wiederkehr will die dreiwöchige Sicherheitsphase an den Schulen auf das ganze Semester ausweiten. Ist das denkbar?

Wir sehen das kritisch. Denn das würde bedeuten, dass sich auch geimpfte Schüler weiterhin dem Testprogramm unterziehen müssten. Viele werden sich dann fragen, wozu sie sich überhaupt impfen lassen sollen, wenn sie dadurch keinen Vorteil gegenüber den Nichtgeimpften haben. Wir werden die Sicherheitsphase deshalb so bald wie möglichbeenden. Alle Nichtgeimpften werden weiterhin engmaschig getestet, die Geimpften können freiwillig einen PCR-Test machen.

Wien schickt Impfbusse an bestimmte Schulstandorte, um die Impfquote zu heben. Ein Modell mit Vorbildwirkung?

Dazu muss  man sagen, dass die Impfbusse in Wien auf eine Idee von uns zurückgehen. Wien muss beim Impfen der Schüler aber noch einen Zahn zulegen. Im Vergleich zu anderen Bundesländern liegt man bei der Durchimpfung dieser Altersgruppe nur im unteren Mittelfeld.
 

Schulgewerkschafter kritisieren die mangelhafte Kooperation mit den Gesundheitsbehörden. Teilen Sie diesen Befund?

Das ist ein österreichweites Problem. Wird ein Schüler  positiv getestet, dauert es oft drei Tage, bis die Behörden den Absonderungsbescheid ausgestellt haben. Die Schulleiter sind daher gezwungen, sie auf eigene Initiative nach Hause zu schicken. Aber weil die Behörden so langsam sind, verzögert sich das Contact Tracing. Damit verpufft der Vorsprung, den wir durch das Testprogramm gewinnen.

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