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Chronik Wien
04/27/2020

Wie Daten über den Verkehr gesammelt werden

Die Verkehrsstatistik liefert Zahlen zum Mobilitätsverhalten und Infos, wie es sich aktuell ändert. Basis sind Befragungen und Zählungen

von Stefanie Rachbauer

Geht es um den Verkehr in Wien, ist die Stadtpolitik selten um Eigenlob verlegen: Besonders stolz ist man auf den vergleichsweise hohen Anteil von Wegen, die die Bewohner mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zurücklegen.

Im Vorjahr betrug er 38 Prozent. 30 Prozent der Wege wurden zu Fuß bewältigt, 25 Prozent mit dem Auto und 7 Prozent mit dem Fahrrad.

Im Fachjargon nennt man das Verhältnis zwischen den benutzten Verkehrsmitteln „Modal Split“.

Die Daten stammen aus einer Befragung zufällig ausgewählter Wiener Haushalte und werden alljährlich von den Wiener Linien veröffentlicht. Durch die Corona-Krise könnte sich die Verkehrsmittelwahl – zumindest vorübergehend – verschieben.

Darauf deuten jedenfalls Daten von automatischen Zählstellen hin. Sie sind die zweite Möglichkeit, um den Verkehr in der Stadt in Zahlen zu fassen. Im gesamten Stadtgebiet gibt es 14 Zählstellen, die den Radverkehr aufzeichnen und 30 Zählstellen, die Lastwagen und Autos registrieren.

Einbruch auf Tangente

Letztere verzeichnen nach anfänglich großen Einbrüchen nun wieder Zuwächse: Von Anfang bis Mitte April ist der Pkw-Verkehr zwischen 10 Prozent (auf der Perchtoldsdorfer Straße) und 28 Prozent (auf der Triester Straße) gestiegen. Die Zahlen für Lkw bewegen sich in einer ähnlichen Größenordnung.

Auf den Autobahnen macht sich die Coronakrise ebenfalls bemerkbar: Auf der Südosttangente (A23), der am stärksten befahrenen Autobahn Österreichs, war das Verkehrsaufkommen im heurigen März um 29 Prozent niedriger als im Vorjahr. 2019 wurden bei St. Marx im Schnitt täglich 186.000 Fahrzeuge registriert.

2,6 Millionen Fahrgäste

Die sonst beliebten öffentlichen Verkehrsmittel holen den corona-bedingten Fahrgastschwund nur zögerlich auf. In normalen Zeiten befördern die Wiener Linien rund 2,6 Millionen Fahrgäste pro Tag – und zwar in rund 450 Bussen, 500 Straßenbahnen und mehr als 150 U-Bahn-Zügen, die gleichzeitig durch die Stadt kurven. Darin finden mehr als 260.000 Menschen Platz – also mehr Personen, als Linz Einwohner hat.

Im Vorjahr haben all diese Fahrzeuge der Wiener Linien 78,1 Millionen Kilometer abgespult. Die meisten – nämlich 39,6 Millionen Kilometer – legten die Busse zurück. Auf Platz 2 liegen die Straßenbahnen, gefolgt von den U-Bahnen.