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Chronik Wien
09/16/2020

Pläne für Praterstraße präsentiert: Grüne wollen Autospur wegnehmen

Auf der Durchzugsstraße sind 80 neue Bäume und breitere Radwege geplant, 100 Parkplätze fallen weg. Fix ist das Projekt aber nicht.

von Stefanie Rachbauer

Abgezeichnet hat es sich bereits, nun ist definitiv klar: Die Grünen wollen auf der Praterstraße stadtauswärts eine der beiden Fahrspuren für Autos wegnehmen. Das haben die grüne Vizebürgermeisterin Birgit Hebein und ihre Parteifreundin Uschi Lichtenegger, Bezirkschefin in der Leopoldstadt, am Mittwoch bekannt gegeben. 

Der Platz, der durch die Spurreduktion frei wird, soll für geräumigere Radwege und zusätzliche Bäume genutzt werden, hieß es.

Konkret sollen die Radwege auf beiden Seiten auf 2,3 Meter verbreitert werden, insgesamt sind 80 zusätzliche Bäume geplant. Der Großteil davon soll am Mittelstreifen zwischen Nestroyplatz und Praterstern gepflanzt werden. "Es entsteht ein neuer Boulevard", kündigte Hebein an. 

Außerdem sollen auf der rund ein Kilometer langen Durchzugsstraße zwischen Donaukanal und Praterstern 100 von 169 Parkplätzen weggenommen werden. Der Therese-Krones-Park beim Nestroyplatz wird geöffnet und vergrößert.

Umbau in zwei Etappen

Weiters geplant: Trinkbrunnen und Wasserelemente, längere Grünphasen für Fußgänger und mehr Platz für die "architektonischen Juwele" entlang der Straße. Ziel sei ein "Little Italy", wie Hebein in Anspielung auf die Aussage von Integrationsministerin Susanne Raab (ÖVP) sagte. 

Geht es nach den Grünen, soll die Straße in zwei Etappen umgebaut werden: der Abschnitt von der Unteren Donaustraße bis zum Nestroyplatz soll 2021 angegangen werden, jener weiter bis zum Praterstern dann im Jahr 2022. 

Kosten unklar

Ob dieser Plan Realität wird, ist aber alles andere als fix. Heute Abend wird das Projekt jedenfalls in der Bezirksentwicklungskommission vorgestellt. Ein Budget wird da allerdings noch nicht beschlossen.

Denn: Die Kosten müssen erst berechnet werden, wie Lichtenegger sagte. Man gehe von einem zweistelligen Millionenbetrag aus. Den könne man nur mit Unterstützung des Rathauses aufstellen. Hebein sicherte jedenfalls Unterstützung seitens der Stadt zu.

Das alles heißt aber: Sollten die Grünen den Bezirk an die SPÖ verlieren, könnte es für den Umbau in dieser Form eng werden. Denn die Bezirks-Roten haben eine Fahrstreifenreduktion in der Vergangenheit skeptisch gesehen. 

Pop-up-Radweg als Test

Pläne, die Praterstraße umzubauen, gibt es übrigens seit Jahren: Im Wahlkampf 2015 forderten die Grünen gar, zwei Spuren wegzunehmen.

Nach der Wahl ruderte Bezirkschefin Lichtenegger zurück: Dann deutete Lichtenegger immer wieder an, dass es nur noch ein Fahrstreifen weniger sein sollte - nicht zuletzt auch wegen des Widerstands aus den anderen Fraktionen, allen voran der SPÖ. Ein konkreter Plan wurde aber nicht vorgelegt.

Im März 2019 einigte man sich mit der SPÖ schließlich auf einen Planungsprozess. Dessen Ergebnis wurden nun präsentiert. 

Einen möglichen Eindruck davon, was auf die Praterstraße zukommt, kann man übrigens schon jetzt bekommen. Wegen des Pop-up-Radwegs ist stadtauswärts aktuell ein Fahrstreifen gesperrt. Dieser Zustand soll nun fix werden.

Kritik von FPÖ und ÖVP

Keine Freude mit dem Vorhaben hat die FPÖ. "Das kommt dabei raus, wenn man zwei grüne Autohasserinnen eine Straße planen lässt“, teilte Klubobmann Toni Mahdalik per Aussendung mit.

Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) scheine dieses "Irrsinnsprojekt" durchzuwinken, obwohl die vorhandenen Radwege breit genug seien.

Die ÖVP fürchtet, dass die Wegnahme des Fahrstreifens Staus und mehr Verkehr in den umliegenden Grätzeln nach sich ziehen werde. "Die Praterstraße darf keine ideologische Spielwiese der Grünen werden“, ließ Verkehrssprecher Manfred Juraczka wissen.

Begeistert zeigen sich die Neos: Man begrüße die "klimafreundlichen Pläne" für die Praterstraße, so Christian Moritz, Spitzenkandidat in der Leopoldstadt. „Besonders freut mich, dass die Öffnung des Therese-Krones-Parks endlich forciert wird."

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