Das Otto-Wagner-Spital wurde 1907 eröffnet, 2025 wird daraus ein Uni-Standort – die CEU  zieht ein. 

© Kurier/Gilbert Novy

Chronik Wien
04/24/2021

Steinhof-Gründe als Welterbe: Prüfung soll noch heuer starten

Internationale Denkmal-Experten könnten das Otto-Wagner-Ensemble in Penzing bald begutachten.

von Stefanie Rachbauer

Die Pläne für die Central European University (CEU) in Wien werden immer konkreter – und damit rückt ein Areal in den Fokus, um das es zuletzt still geworden ist: die Steinhof-Gründe in Penzing mit den Pavillons und der Kirche von Otto Wagner.

In den historischen Gebäuden ist derzeit noch die Klinik Penzing untergebracht, sie siedelt bis 2025 ab. Wie berichtet, werden die Pavillons ab 2023 für Uni-Zwecke adaptiert. Das macht jetzt der FPÖ Sorgen.

Die Blauen bangen wegen des bevorstehenden Umbaus um den Fortbestand des Jugendstil-Ensembles. Zu seinem Schutz mahnen sie ein Vorhaben ein, um das es zuletzt so still geworden ist wie um das Areal selbst: die Ernennung der Steinhof-Gründe zur Welterbe-Stätte. Wie der KURIER jetzt erfahren hat, dürfte sich in dieser Sache nun bald etwas tun.

Es war im Jahr 2018, als der damalige Kulturminister Gernot Blümel (ÖVP) ankündigte, die Welterbetauglichkeit der Steinhof-Gründe prüfen zu lassen. Im März 2019 leitete er bei der UNESCO einen sogenannten Upstream-Prozess ein.

Das ist eine Art Vorprüfung: Mit ihr wird ergründet, ob eine Stätte von „außergewöhnlichem universellen Wert“ und damit potenziell für die Aufnahme in den Kreis der aktuell 1.121 Welterbestätten geeignet ist.

Spätestens 2022

Ein wesentlicher Bestandteil dieses Verfahrens ist eine Beratermission mit Experten vom Denkmalrat ICOMOS. Bisher hat sie nicht stattgefunden: Der Zugang zu dem Spitalsareal ist wegen Corona streng beschränkt.

Noch im heurigen Sommer oder Herbst könnte es aber soweit sein, heißt es auf KURIER-Anfrage aus dem Büro von Kulturstaatssekretärin Andrea Mayer (Grüne), die in der Regierung jetzt für das Welterbe zuständig ist.

Realistischer, heißt es, sei aber ein Termin im Jahr 2022. Es bestehe jedenfalls „weiterhin Interesse an der Vorprüfung eines potenziellen universellen Werts“ der Steinhof-Gründe, beteuert man im Staatssekretariat.

Langwieriges Verfahren

Die Beratermission ist der Beginn eines langen, komplexen Prozesses: Im Zuge der Mission kommen internationale Fachleute nach Wien, um sich ein Bild vom Zustand des Otto-Wagner-Ensembles zu machen. Auf Basis dieser Eindrücke und mit wissenschaftlicher Literatur verfassen sie einen Bericht zum Welterbe-Potenzial.

Die Welterbe-Liste 

Das Welterbe ist die Gesamtheit der Weltkultur- und Weltnaturerbe-Stätten: Baudenkmäler, Stadtensembles, Naturlandschaften und Schutzreservate für bedrohte Tiere oder Pflanzen.

Auf der Welterbeliste angeführt sind 1.121 Stätten von „außergewöhnlichem universellen Wert“, die für die Menschheit  bedeutend und somit erhaltenswert sind. 

Die Heumarkt-Debatte

Wien hat aktuell zwei Welterbe-Stätten: Schloss Schönbrunn und das historische Stadtzentrum. Die UNESCO sieht den  „universellen Wert“ der Innenstadt durch den geplanten Umbau des Heumarkt-Areals in Gefahr, Wien ist deshalb auf der roten Liste des bedrohten Welterbes.

Um  den Status zu retten, wird das Projekt aktuell wieder umgeplant. Fix ist: der ursprünglich vorgesehene Turm ist gestrichen. 

Dieser Bericht ist für die Republik eine Entscheidungshilfe dafür, ob sie die Steinhof-Gründe auf die „Tentativliste“ setzt. Darauf sind sämtliche potenzielle Welterbestätten eines Staats vermerkt – in Österreich aktuell zwölf.

Frühestens ein Jahr später kann die Republik bei der UNESCO die Aufnahme in die Welterbe-Liste beantragen. Dann beginnt die Arbeit so richtig: Vor der Verleihung des Prädikats verlangen die Welterbehüter aufwendige Dossiers.

Stadt wenig begeistert

Und noch eine Hürde gibt es: Die Republik ist zwar der Vertragspartner der UNESCO, die Welterbe-Stätte erhalten und schützen muss aber die Stadt Wien. Sie müsste, sollten die Steinhof-Gründe letztlich tatsächlich als Welterbe nominiert werden, also mit im Boot sein.

Bisher hat sich die Stadt (wohl wissend, welche Probleme das bringen kann – Stichwort Heumarkt) aber eher ablehnend gezeigt.

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