Chronik | Wien
31.05.2018

Schlagabtausch auf der Blumenwiese

Unternehmer Philipp Pracser weist Kritik an Direktvergabe von neuem Lokal-Standort am Wiener Donaukanal zurück

Seit genau einer Woche ist er offiziell geöffnet: Der umstrittene Beachclub Blumenwiese am Donaukanal. Sein Standort bei der Schwedenbrücke sei – im Unterschied zu den Flächen von Tel Aviv Beach, Adria, Feuerdorf, Badeschiff-Vorfläche, Central Garden und Hafenkneipe – ohne öffentliche Ausschreibung für 20 Jahre vergeben worden, monierten Kritiker. Nun kontert Betreiber Philipp Pracser.

„Ich verstehe, dass das großen Interpretationsspielraum lässt“, sagt er. „Nichtsdestotrotz muss man vier Jahre zurückgehen.“ Damals habe er den Pachtvertrag für eine brach liegende Wiese beim Schützenhaus unterzeichnet. Das dort geplante Lokal Sky and Sand des Unternehmers hatte ebenfalls für Aufregung gesorgt. Bürger protestierten gegen die „ausufernde Kommerzialisierung“ des Donaukanals, die Stadt verwehrte letztlich die Umwidmung.

Das Projekt an sich habe allen Beteiligten aber „sehr gut“ gefallen, betont Pracser. Deshalb sei ab 2015 der Pachtvertrag für den aktuellen Standort neu verhandelt worden. „Das war noch, bevor der Rechnungshofbericht fertig war“, sagt Pracser. Dieser Bericht rügte 2016 dann unter anderem die intransparente Pächterauswahl. Daraufhin vergab die Grundeigentümerin Donauhochwasserschutzkonkurrenz (DHK) 2017 sechs Flächen nicht mehr direkt, sondern schrieb neue Zehnjahresverträge aus.

Dass Pracser sein Stück Ufer – an dem sich seit 2005 der City Beach befunden hatte – noch im alten Modus erhielt, macht aus seiner Sicht keinen Unterschied: „Ich habe dieselben Auflagen, wie die Interessenten für die Ausschreibung.“

Nach Vertragsabschluss betrieb Pracser den City Beach für eine Saison weiter, heuer baute er im großen Stil um. Letzteres sei der Grund für die lange Vertragsdauer, erklärt er. „Ich habe hochwertig gebaut. Deshalb dauert die Refinanzierung länger. “ Insgesamt hat Pracser 1,5 Millionen Euro in die Blumenwiese gesteckt. In den zwei Pavillons bekommen Gäste fünf Burger-Varianten, Salate sowie selbst gemachte Limonaden und Eistees serviert.

Links und rechts der Terrasse befinden sich zwei Sandflächen, auf denen Liegestühle aufgestellt sind. Wer hier Platz nimmt, darf auch eigene Getränke aus dem Supermarkt konsumieren. Zu den Betriebszeiten ist auch das WC frei zugänglich. Den Vorwurf, ein teures Kommerz-Lokal aufgezogen zu haben, kann Pracser daher nicht nachvollziehen: „Wir sind definitiv nicht die teuersten hier und sprechen die Mittelschicht an.“

Heute, Donnerstag, startet die Blumenwiese im Rahmen des Donaukanaltreibens übrigens das wöchentliche Warm-up zur Reihe Retro im Club Schwarzenberg. Das Lokal veranstaltet auch regelmäßig Afterwork-Events und will am Wochenende bald einen Brunch anbieten.