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Porträt
02/13/2020

Rezeptionist im Sacher: 22-jähriger Weltmeister als Gästeflüsterer

Nikola Farkas wurde zum besten Rezeptionisten gekürt. Empathie ist das Geheimnis des Musical-Fans

von Katharina Zach

Fast hätte man Nikola Farkas am Theater an der Wien gesehen. Letztendlich ist es aber das Hotel Sacher in der Wiener Innenstadt geworden.

„Mich haben zwei Sachen interessiert: Einerseits das Front Office, andererseits Theater und Musical“, erzählt der 22-jährige Rezeptionist. Er entschied sich für die Hotelbranche. Gut für das Sacher und gut für die Gäste – denn Farkas wurde kürzlich von der internationalen Vereinigung der Front-Office Manager und stellvertretenden Hoteldirektoren (AICR) zum „Internationalen Rezeptionisten des Jahres“ gekürt. Weltmeister quasi.

„Am wichtigsten ist, dass man die Gäste versteht. Dass man ihre Bedürfnisse aus ihren Aussagen und Taten herausliest“, beschreibt er seinen Beruf – und vielleicht, warum er sich gegen 14 Mitbewerber aus den Top-Hotels der Welt durchsetzen konnte. Denn für ihn ist der Beruf mehr als Gäste ein- und wieder auszuchecken.

Kuchen für die Gäste

Farkas spricht von Leidenschaft, und die glaubt man ihm sofort. „Die Hauptaufgabe ist, den Gast glücklich zu machen“, sagt er. Etwa, wenn er einem Touristen, der einen schlechten Tag hatte und Farkas sein Herz ausschüttet, einen Kuchen besorgt. „Einmal haben wir als Team einem Stammgast einen Adventkalender gebastelt. Der hat sich mega gefreut“, erzählt der 22-Jährige. Für solche Goodies bekommen die Sacher-Mitarbeiter übrigens ein extra Budget.

Für den jungen Mann aus Hollabrunn, NÖ, der die Höhere Lehranstalt für Tourismus in der Bergheidengasse in Wien besucht hat, ist der Job im Sacher sein erster. Direkt aus dem Zivildienst hat er sich beworben, im Mai 2018 ist er prompt genommen worden. Heute spricht er von seiner zweiten Familie.

Zivildienst prägte

Apropos Zivildienst: Den hat er bei den Johannitern absolviert. „Das hat mich sehr geprägt.“ Dazu kommt Farkas’ gewinnendes Wesen. „Ich war schon in der Jugend offen. Ich war zum Beispiel Klassensprecher“, erinnert er sich.

Als Kind hat der 22-Jährige übrigens lieber Küchenchef gespielt. „Das habe ich bei einem Praktikum aber verworfen, da habe ich mich nämlich ins Front Office verliebt.“

Wo ist die Oper?

Auch schwierige Gäste machen ihm nichts aus. Touristen etwa, für die es schwierig zu akzeptieren sei, dass ihr Zimmer um 8 Uhr Früh noch nicht bezugsfertig ist. Irgendwas gebe es immer, um ihnen „wieder ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern“. Und entschädigt werde man dann von jenen, die noch nach ihrem Urlaub in Kontakt bleiben und sich bei Farkas bedanken. Natürlich, betont er, sei Diskretion unabdingbar. Lustige Anekdoten hat der 22-Jährige dennoch parat. „Viele Gäste fragen: Wo ist denn die Staatsoper?“, erzählt er und lacht. Warum? Weil sich diese auf der anderen Straßenseite befindet.

Und was macht ein Rezeptionist als Ausgleich? Er reist gerne – und testet natürlich verschiedene Hotels. Wobei er sich selbst als entspannten Gast bezeichnet. Einer, dem ein noch nicht fertiges Zimmer kein Problem bereitet.Und auch seiner Liebe zum Musical ist er treu geblieben. Als Besucher. Mamma Mia hat er in London bereits vier Mal gesehen. Sein Lieblingsmusical übrigens – bis zum Vorjahr. Da hat er nämlich zu seinem 22. Geburtstag Moulin Rouge am Broadway besucht. Pläne hat Farkas übrigens große: Einmal, erzählt er, würde er gerne in einem Top-Hotel in London arbeiten.

Jungen Menschen, die ebenfalls al Rezeptionist arbeiten wollen, rät er jedenfalls sich an die AICR zu wenden. „Es gibt keine bessere Anlaufstelle um Kontakte zu knüpfen“, empfiehlt er.

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