Bis Mitte 2021 entsteht beim Westbahnhof der City-Ikea samt Hotel und Dachterrasse.

© IKEA/Johannes Brunnbauer

Chronik Wien
05/28/2020

Nachrang für Autos: Das Schrauben am verkehrsberuhigten Ikea-Grätzel

Der 15. Bezirk will Durchzugsverkehr zum neuen Einrichtungshaus beim Wiener Westbahnhof vermeiden. Mit Fußgängerzonen und Wohnstraßen.

von Stefanie Rachbauer

Grün, nachhaltig, autofrei: Das ist das Konzept für den neuen City-Ikea, der Mitte nächsten Jahres am Wiener Westbahnhof eröffnen wird. Und an diesem Schema wird sich – wie sich nun abzeichnet – auch das angrenzende Grätzel orientieren.

Es soll im kommenden Jahr groß umgestaltet werden. Mit dem Ziel, mehr Platz für Fußgänger, Radfahrer und Bäume zu schaffen. Und weniger für Autos. „Wer mit dem Auto zum Ikea fahren will, der soll das nur einmal probieren“, sagt Gerhard Zatlokal (SPÖ), Vorsteher des 15. Bezirks im Gespräch mit dem KURIER.

Dass er den Verkehr zwischen Westbahnhof, äußerer Mariahilfer Straße und Rosinagasse beruhigen will, daraus hat Zatlokal nie ein Geheimnis gemacht. Am Mittwoch hat er bei einer Informationsveranstaltung (die Corona-bedingt ins Internet verlegt wurde) konkrete Pläne vorgelegt.

Im Gespräch sind demnach zwei Varianten . Beide sind, das gibt selbst Zatlokal zu, große Eingriffe in die bestehende Verkehrsorganisation.

Variante eins sieht vor, dass die bestehende Wohnstraße in einem Teil der Staglgasse in eine Fußgängerzone umfunktioniert wird. Das gilt auch für den Friedrichsplatz und einen Abschnitt der Langauergasse. Ein weiteres Stück der Staglgasse und ein Teil der Gasgasse werden zu Wohnstraßen.

Zusätzlich sieht diese Option zwei Einbahnen vor: in der Gasgasse (von der Kohlenhofgasse bis zur Zwölfergasse) und in der Langauergasse (von der Fuchsgasse bis zur Gerstnerstraße).

Variante zwei geht noch weiter: Die Gerstnerstraße wird zusätzlich zur Sackgasse. Die Einbahn in der Langauergasse gibt es in dieser Version nicht, stattdessen wird der Abschnitt eine Fußgängerzone.

20 Parkplätze weniger

Entlang all dieser neuen Fußgängerzonen, Wohnstraßen und Einbahnen soll ein „urbaner Freiraum“ entstehen. Die Mittel dazu: zusätzliche Bäume, Beete mit Gräsern und Stauden, Kletterpflanzen an den Fassaden und Sitzmöbel. In der Langauergasse könnte so eine Art Park geschaffen werden.

In beiden Entwürfen sind übrigens auch neue Radfahrstreifen in der Gerstnerstraße, Langauergasse und Gasgasse geplant. Im Umkehrschluss bedeutet all das: weniger Raum zum Parken. „Mindestens 20 Stellplätze werden wegfallen“, sagt Bezirkschef Zatlokal. Im Gegenzug soll es künftig mehr Anrainerparkplätze geben.

Doch warum der Aufwand?

Verkehr von Beginn verbannen

Zum einen, weil Zatlokal dem Konzept von Ikea offenbar nicht ganz traut. Das siebenstöckige Einrichtungshaus mit Restaurant, Hotel und öffentlich zugänglicher Dachterrasse wird Tausende Kunden anziehen.

Das ist zweifelsohne ein Impuls für den mittlerweile verschlafenen Westbahnhof, könne aber auch eine Belastung für den Bezirk werden.

Geht es nach der Vision von Ikea, kommen all diese Menschen zwar mit den Öffis oder mit dem Fahrrad in die City-Filiale. Kundenparkplätze sind nicht geplant. Sperrige Produkte, die sich nicht ohne Pkw transportieren lassen, liefert Ikea binnen 24 Stunden nach Hause.

Zatlokal glaubt aber nicht, dass das auf Anhieb funktioniert: „Einige Kunden werden trotzdem mit dem Auto kommen – vor allem am Anfang.“ Das müsse man von vornherein unterbinden: „Sonst ist es zu spät und wir haben den Verkehr im Grätzel“.

Zum anderen geht es Zatlokal um Klimaschutz: Ziel sei es, in der Stadt Wohn- und Aufenthaltsqualität zu gewährleisten – auch in heißen Sommern.

Befragung im Herbst

Welches der beiden Verkehrskonzepte umgesetzt wird, soll sich im Herbst entscheiden. Für September ist eine Bürgerbefragung angesetzt. „Die Bevölkerung wird über die beiden Varianten abstimmen. Das Ergebnis ist für mich verbindlich“, sagt Zatlokal.

Bis Juni sammelt die Bezirksvorstehung noch Wünsche und Anregungen zu den nun vorgestellten Plänen. Die sind übrigens das Ergebnis eines Bürgerbeteiligungsverfahrens, das im Februar gestartet ist.

Ein Wörtchen mitzureden hat auch noch das Bezirksparlament: Es muss der Neuorganisation des Grätzels zustimmen.

Fahrradfreundliche äußere "Mahü"

Zatlokal schmiedet unterdessen weitere Pläne. Nächstes Jahr will er die äußere Mariahilfer Straße neu gestalten: Sie soll grüner und fahrradfreundlicher werden – Letzteres mitunter auf Kosten von Autospuren: „Die bestehenden Radfahrstreifen sind jedenfalls zu schmal“, sagt der Bezirksvorsteher.

Sein langfristiges Anliegen sei, die äußere an der inneren Mariahilfer Straße anzugleichen. Grün, nachhaltig und mit so wenig Autos wie möglich eben.

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