Chronik | Wien
28.09.2018

KURIER-Tag 2018: Jede Menge Unterhaltung und klare Worte

Im Festzelt. Beim 7. Tag der offenen Tür gaben sich Politik und Prominenz die Klinke in die Hände. Ein Thema war bei fast allen Gesprächen vorherrschend: Die Unverzichtbarkeit der Pressefreiheit.

Für die paar Meter vom Auto zum Festzelt brauchte Michael Häupl am KURIER-Tag in Wien-Heiligenstadt eine gefühlte Dreiviertelstunde, so seine Schätzung.

Politiker und Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Kultur und Sport geben sich beim KURIER-Tag alljährlich die Klinke in die Hand – und für die Leser ist das die Gelegenheit, jene, die sie täglich in der Zeitung sehen, einmal kennenzulernen. Um den ehemaligen Wiener Bürgermeister war vier Monate nach seinem Abgang aus der Politik das mit Abstand größte Griss am KURIER-Tag: Selfies, Autogramme, ein Schmäh im Vorbeigehen – das dauert eben. „Ich versäum’ da drinnen eh nix“, sagte er trocken. Im Zelt gab gerade Vizekanzler Heinz-Christian Strache ein Interview.

Video: Volles Haus beim 7. KURIER-TAG

Alte Freunde

Draußen war die Stimmung ohnehin besser, denn während Strache am Podium zur Causa BVT und Pressefreiheit Stellung nahm, traf Häupl draußen einen – wie es schien – engen Freund. „Servus, Erwin!“, rief er dem ehemaligen niederösterreichischen Landeshauptmann Erwin Pröll zu. Innige Umarmung, Schulterklopfen – ein freudiges Wiedersehen.

Pröll, Landeshauptmann i. R. (in Reichweite, wird gescherzt), liest den KURIER seit Jahrzehnten und ist immer wieder Gast beim Tag der offenen Tür. Die beiden Politik-Oldies sprachen später am Podium mit KURIER-Herausgeber Helmut Brandstätter über ihr „Leben nach der Politik“.

Rund ums Rundmail

Und Strache? Dem blies am Podium ein scharfer Wind vom Publikum entgegen. Die FPÖ und das Innenministerium standen zuletzt ja in der Kritik, weil ein Rundmail an alle Polizeidirektionen publik wurde, wonach kritische Medien wie der Falter, der Standard und der KURIER nur noch notdürftig mit Informationen versorgt werden sollten.

Müssen Polizisten nach diesem Rundmail und der BVT-Razzia jetzt vor den eigenen Kollegen Angst haben?, wollte Herausgeber Brandstätter wissen. Strache wies dies zurück und behauptete, das Mail sei sofort öffentlich gemacht worden. Das informierte Publikum wusste es besser: „Nein“, riefen Leser dazwischen. „Das stimmt nicht“. Öffentlich gemacht haben das Mail die betroffenen Medien – leicht zu bekommen war es nicht.

Die Pressefreiheit sei jedenfalls nicht gefährdet und Innenminister Herbert Kickl sei auch kein „Problembär“, betonte der Vizekanzler. Das Mail sei „blöd formuliert“ gewesen. Zum Kern des Mails steht er aber: Man müsse nicht allen Medien alle Informationen zukommen lassen, erklärt er knapp.

Strache ist übrigens KURIER-Leser. „Online zappe ich jeden Tag durch und lande da auch beim KURIER“, erklärte er. Und: Es sei „gut, dass es kritische Medien gibt“.

Konstruktive Kritik

Kritik ist auch Wiens Bürgermeister und Häupl-Nachfolger Michael Ludwig nicht fremd. Er macht das Beste draus: „Ich versuche, aus jeder Kritik etwas zu lernen, denn ich gehe davon aus, dass diese Kritik nicht aus einer Bösartigkeit formuliert wird, sondern weil man dazu beitragen will, etwas zu verbessern.“ Politiker sollten „überlegen, wie man seine Handlungen korrigieren kann“.

Gelassen sieht es auch der burgenländische Landeshauptmann Hans Niessl – in 18 Jahren im Amt „kommt es schon das eine oder andere Mal vor, dass man sich ärgert“. Objektiv berichten und recherchieren mache eine unabhängige Zeitung aus, betonte Niessl.

Politische Kunst

Zur Debatte um Pressefreiheit oder Presseeinschränkungen äußerten sich auch die geladenen Künstler kritisch. Entertainer Alfons Haider meinte, es sei angesichts der politischen Situation quasi eine Auszeichnung für den KURIER, auf der „Fahndungsliste“ des Innenministeriums zu stehen bzw. ausgegrenzt zu werden, weil kritisch berichtet wird. „Ich hoffe, dass sie lange auf dieser Liste stehen werden, denn ohne sie wäre dieses Land sowieso verloren“, sprach Haider den KURIER-Redakteuren Mut zu. Zur politischen Lage sagte Lotte Tobisch: „Wenn der Sauhaufen zu groß ist, kommt unweigerlich der Ruf nach dem starken Mann, der Ordnung schafft. Da muss man aufpassen, denn wie man Ordnung schafft, haben wir ja schon erlebt.“ Den KURIER lese sie gerne, weil er politisch mit ihr auf einer Wellenlänge liege: „Ich sag’ immer, die Roten glauben ich bin schwarz, und die Schwarzen glauben, ich bin rot – und beide haben sie recht.“

Über Wasser und Häuser

Auch Cafetier Berndt Querfeld stellte klar, dass er am KURIER vor allem den redaktionellen Standpunkt schätzt. Er saß das erste Mal am Podium, verriet, wie er zu der Vielzahl an Kaffeehäusern kam, und klärte auf, warum in seinen Lokalen Leitungswasser – wenn es nicht zu Kaffee, Eis oder Wein dazu serviert wird – etwas kosten muss: „Weil wir einen Platz im Kaffeehaus verkaufen.“

Über Plätze und vor allem, was auf ihnen errichtet wird – Stichwort: Heumarkt – diskutierten dann der grüne Christoph Chorherr und der Architekt Christian Kühn mit Martina Salomon. „Ich habe unterschätzt, dass diese eine Frage so wichtig sein wird: Wird das Haus niedriger als das InterContinental, dann ist es super; wird es höher, dann ist es bös’“, meinte Chorherr und schüttelt den Kopf.

Den KURIER lese Chorherr natürlich regelmäßig – meistens online.

ÖBB-CEO Andreas Matthä hingegen präferiert das gedruckte Format. Er besitzt seit 25 Jahren ein Abo und versprach den KURIER-Lesern sein Bestes zu geben, um die ÖBB in Europa nicht nur zur Nummer eins beim Güter-, sondern auch beim Personenverkehr zu machen.

Und Astrophysiker Franz Kerschbaum nahm den Lesern dann die Sorge ab, dass ihnen der Himmel auf den Kopf fallen könnte, wie es Asterix und Obelix immer fürchten: „Die letzte große Verwüstung durch Kometen gab es 1910. Mittlerweile überwachen wir die Umgebung aber so gut, dass wir vorab wissen würden, wenn etwas droht.“ Mit der astronomischen Berichterstattung im KURIER ist Kerschbaum im Übrigen sehr zufrieden.

An die EU-Spitze?

Zurück auf die Erde führte das Gespräch mit ÖVP-Delegationsleiter Othmar Karas. Er sagte klar und deutlich: Auch wenn die FPÖ in Österreich Koalitionspartner seiner Partei ist, „in einer rechtspopulistischen, europazerstörenden Fraktion im Europäischen Parlament ist die FPÖ mein Gegner.“ Ob er als Spitzenkandidat der ÖVP antreten wird, ließ Karas offen – bis spätestens Anfang 2019 werde das entschieden.