Chronik | Wien
06.09.2013

KURIER-Tag 2013

Der KURIER lädt seine Leser ein: Diskutieren Sie mit uns über die Themen, die Österreich bewegen. Wir begleiten Sie tickernd durch den Tag.

Nach dem großen Erfolg bei der Premiere im Vorjahr haben wir auch heuer wieder Gäste aus Politik und Wirtschaft gebeten, mit uns über jene Themen zu diskutieren, die Leser und Leserinnen vor der Wahl bewegen. Besuchen Sie uns in unseren Redaktionsräumen und im Festzelt – verbringen Sie einen Tag mit Ihren Lieblingskolumnisten und -redakteuren!

Falls Sie heute nicht persönlich zu einer Führung durch das Haus vorbeikommen können, bieten wir Ihnen einen besonderen Service: Machen Sie doch – hier –einen virtuellen Rundgang durch unseren Newsroom. Eine neue 360-Grad-Videotechnologie macht's möglich.

KURIER-Tag 2013

Die tickernde Redakteurin verabschiedet sich hiermit auch. Danke fürs Mitlesen! Genießen Sie Ihren Abend. (nk)

Guido Tartarotti bringing down the house! Das Festzelt zerkugelt sich über seine Sammlung an Zeitungsfehlern.

Zum Abschluss des KURIER-Tages kommt noch einmal Dieter Chmelar auf die Bühne und liest aus seinem demnächst bei Amalthea erscheinenden Buch "Schluss mit lustig! Ane(c)kdoten von kleinen Großen und großen Kleinen."

Martina Salomon verabschiedet das Publikum. Helmut Brandstätter bittet Michael Hufnagl abschließend um seine Einschätzung des heutigen Matches. Hufnagl: "Wenn wir 2:0 verlieren, bin ich zufrieden."

Dieter Chmelar stellt Gabriele Kuhn und Michael Hufnagl vor, die aus ihrer Kolumne Paaradox lesen. Danach kommen noch Doris Knecht und Guido Tartarotti.

Kollege Hufnagl hatte ja schon im Vorfeld angekündigt, was er auf der KURIER-Bühne zu tun gedenkt:

Dieter Chmelar: ""Ich bin ja für die Einführung der Dodelstrafe beim Team Stronach"

Nächster Programmpunkt: Frage- und Antwort-Session mit Chefredakteur und Herausgeber Helmut Brandstätter.

Oft gestellte Frage: "Warum gibt es so viele Rechtschreibfehler?" - Brandstätter: "Sie bohren in meinen Wunden. Natürlich ist es eine Kostenfrage. Es muss oft sehr schnell gehen. Natürlich haben wir eine Schlussredaktion und lesen gegenseitig unsere Artikel Korrektur, aber manches wird eben übersehen. Ich kann nur sagen: Wir arbeiten daran und entschuldigen uns. Wenn Fehler passieren, sage ich immer scherzhaft: Gott sei Dank stehen wir nicht im OP, da wär jetzt schon wieder einer tot!"


Es gibt Fragen zu Abonnements und zu den Kolumnisten ("Mir ist der Niki Glattauer zu ideologisch. Den mag ich nicht." - "Also mir gefällt er!"). Auch: "Warum ist das Fernsehprogramm nicht mehr auf der letzten Seite? Das war so praktisch!"

Podiumsdiskussion: Bildung und Integration. Wir begrüßen Bildungsstadtrat Christian Oxonitsch, Integrationsexpertin Österreichisches Rotes Kreuz Minoo Amir-Mokri, Lehrer & Autor Niki Glattauer.

Kurier-Tag 2013, Kurier Tag 2013, Lesertag 2013, Leser-Tag 2013, Leser Tag 2013, Tag der offenen Tür 2013 © Bild: Jeff Mangione
Amir-Mokri:"Wir wollen Mehrsprachigkeit als Ressource nutzen: Über 40 Prozent der Schüler in der Volksschule haben eine andere Erstsprache als Deutsch. Das heißt nicht, dass sie schlecht Deutsch können. Es ist schade, dass man diese Ressource in der Schule verliert und die Kinder wieder zur Einsprachigkeit erzieht. Wer in der Erstsprache gefestigt ist, wird auch jede weitere Sprache gut lernen."
Kurier-Tag 2013, Kurier Tag 2013, Lesertag 2013, Leser-Tag 2013, Leser Tag 2013, Tag der offenen Tür 2013 © Bild: Jeff Mangione
Glattauer:"Ich bin von der Politik enttäuscht. Ich glaube, die Politik schafft nicht, die Schule so zu ändern, wie wir es brauchen. Es muss über die Eltern passieren. Erst, wenn die Eltern sehen: Das kann man auch ganz anders machen! - Dann wird sich etwas ändern. Was soll sich ändern? Zuerst muss der Druck raus aus der Schule. Und Gelassenheit und Humor wieder rein in die ganze Schuldebatte."

"Schuld liegt nicht bei den Lehrern. Das System zwingt die Lehrer oft in Strukturen, in denen sie gar nicht anders reagieren können."

Oxonitsch: "Wichtig ist die Lehrerausbildung. In unserer Lehrerausbildung werden Fächer unterrichtet und nicht so sehr Pädagogik. In Finnland ist es umgekehrt: Da wird der Lehrer zuerst einmal Pädagoge. Wenn hier die politischen Fronten ein bißchen mehr aufbrechen würden, könnten wir da etwas ändern."

Glattauer: "In Österreich ist die Bildungspolitik in der Geiselhaft der Parteipolitik. Es geht nicht um die Eltern und die Kinder, es geht darum, dass sich Parteien profilieren wollen und wir baden das alle miteinander aus! Geht es um Wähler - oder geht es um das Wohl der Kinder?"

Es sitzen viele betroffene Eltern und Lehrer im Publikum. Entsprechend emotional ist das Thema besetzt ("Wir haben für 60 Lehrer im Lehrerzimmer gemeinsam einen Computer"; "Warum wird eine Schule so alleine gelassen?").

Lernen im Lernhaus

© Bild: KURIER

Michaela Zichtl (KURIER Marketing) kommt auf die Bühne und stellt die KURIER-Aktion Lernhaus vor, das bildungsferne Schichten beim Lernen unterstützen soll.

Spendenmöglichkeit: Raiffeisen Bank International; BLZ: 31000; Kontonummer: 999.995 Ihre Spende ist steuerlich absetzbar!

Podiumsdiskussion "Wirtschaft, Banken, Europa und Steuern" mit Willibald Cernko (UniCredit, Bank Austria AG) und Karl Sevelda (Raiffeisen Bank International AG).

"Österreich ist ein Labyrinth, in dem sich jeder auskennt", zitiert Chmelar, "Das gilt auch für den heutigen Tag. Deshalb freuen wir uns über den Besuch von Minister Niki Berlakovich." - Martina Salomon: "Wie ist ihr Jahr bis jetzt gelaufen? Stichwort: Biene?"

Berlakovich spricht über Maiswurzelbohrer, Pestizide und die Möglichkeit, dass auch Handystrahlung das Bienensterben zu verantworten haben könnte. Bevor er geht, gibt er dem Publikum den Appell mit: "Sie als Konsumenten sind die wichtigsten Partner unserer Landwirtschaft. Jeden Tag im Supermarkt entscheiden Sie, welche Art von Agrarwirtschaft Sie fördern."

Wir freuen uns über Anekdoten und Geschichten von KURIER-Publikumslieblingen. Den Anfang macht Prof. Georg Markus.

Danach liest Birgit Braunrath aus ihren Kolumnen über ihre Beagle-Dame namens Daria.

Last but not least: KURIER-Kolumnist Karl Hohenlohe.

Art Director Helge Schalk wird mit Fragen zur Schriftgröße konfrontiert ("Die Schrift in den Salzburger Nachrichten gefällt mir besser"). Er erklärt, wie sein 27-Kopf-Team arbeitet. "Optik und Text müssen Hand in Hand gehen. Eine Zeitung muss über Monate hinweg eine gewisse Rhythmik haben."

Dragana Heiermann spricht über das Fotoressort: "Wir haben fünf KURIER-Fotografen und ein riesengroßes Netz an freien Fotografen in ganz Österreich. Wenn irgendwo ein Baum umfällt, können wir dort sein. Das leisten wir uns. Da sind wir der Konkurrenz voraus. Oft werden auch 200 Fotos gesichtet, um genau das richtige auszuwählen."

Apropos Michael Horowitz... haben Sie schon einen Blick auf unser neues Projekt freizeit.at geworfen? (Coming soon)

Dieter Chmelar übernimmt die Moderation. Martina Salomon: "Ich brauch ihn nicht vorzustellen, er ist ohnedies ein Bühnenstar und eine Rampensau, es wird schwer sein, ihn wieder von der Bühne herunter zu bringen. Aber ich gönn mir jetzt eine kleine Pause und geh ein Würstel essen." - Chmelar: "...und ein Würstel bleibt auf der Bühne."

Das nächste Panel stellt weitere Ressorts und deren Leiter vor: Christian Skalnik (Chefredakteur Online), Gerald Reischl (futurezone.at), Bernhard Hanisch (Sport), Dragana Heiermann (Fotoredaktion), Michael Horowitz (Freizeit), Helge Schalk (Layout).

Christian Skalnik: "Online hat einen anderen Produktionsrhythmus. Wir berichten möglichst zeitnah. Wenn ein Ereignis passiert, können Sie es zuerst online lesen - deshalb fangen wir um 6 Uhr in der Früh an und halten für die Leser die Stellung bis 24 Uhr. Bei internationalen Ereignissen auch länger."

"Es gibt einen Wandel von Verhaberung zum kritischen Sportjournalismus - in der ganzen Branche. Sie als Leser wollen ja auch nicht nur den Matchbericht, sondern Sie wollen eine Geschichte dazu und Hintergründe", sagt Bernhard Hanisch.

Die Redakteursrunde wird durch die Ankunft von FPÖ-Generalsekretär Harald Vilimsky unterbrochen. Er muss rasch wieder weg, deshalb wird seine Wortmeldung vorgezogen. Vilimsky kritisiert den Trend zu Verschlagwortung und Verknappung in den Medien, er fordert differenziertere Auseinandersetzung und Sachlichkeit in der Berichterstattung. Martina Salomon: "Aber Sachlichkeit ist nicht gerade der Begriff, den man mit der FPÖ in Verbindung bringt." - Vilimsky: "Das muss ich auf das Schärfste zurückweisen."

Das Publikum hat keine Fragen an Vilimsky. Martina Salomon spricht ihn auf die Konkurrenz durch Team Stronach an. Und: "Beschädigt Sie die Hypo-Geschichte? Natürlich weiß man, das war ein orange-blauer Skandal." - Vilimsky: "Das war ebenso ein rot-schwarzer Skandal. Da muss ich auch die Medien wieder rügen, da muss man schon alle Finanzskandale gleich bewerten und gleich behandeln."

Zum Abschluss des Panels demonstriert Michael Pammesberger, wie seine Karikaturen entstehen.

Interessante Frage aus dem Publikum: Wie stellt man sich beim KURIER den Redakteur der Zukunft vor?

Martina Salomon: "Beim KURIER haben wir schon jetzt eine gute Durchmischung über die Generationen und Geschlechter. In Zukunft wird man aber sicherlich noch multimedialer arbeiten, als das aktuell der Fall ist."

Herbert Gartner lüftet eines der letzten Geheimnisse des Journalismus: Was macht eigentlich ein Chef vom Dienst? "Er muss lästig sein und er muss bis zu einem gewissen Teil bereit sein, schuld zu sein."

Tatsächlich organisieren Gartner und sein Team die Abläufe in der Erstellung der aktuellen Zeitung. Bis zu 19 unterschiedliche Ausgaben gilt es dabei zu koordinieren.

Die erste Frage aus dem Publikum gilt dem Sport-Ressort, das auf der Bühne schmerzlich vermisst wird. Wir können beruhigen: Im nächsten Panel ist auch der Sport mit dabei.

Lob gibt es aus dem Publikum für die differenzierte Berichterstattung zum Thema Kirche und Religion. Politik-Ressortleiter Josef Votzi erklärt dies durch die ressortübergreifende Zusammenarbeit, vor allem zwischen Innen-, Außenpolitik und Chronik. Außerdem wird auch in anderen Ressorts, etwa in der Lebensart, wird immer wieder über religionsrelevante Themen berichtet.

Jetzt versammeln sich die ersten Ressortleiter auf der Bühne, um aus dem Nähkästchen - auch bekannt als Redaktionsalltag - zu Plaudern. Andreas Schwarz (Teamleiter Außenpolitik), Josef, Votzi (Ressortleiter Innenpolitik und Leiter des Sonntags-KURIER), Chronik-Chef Michael Jäger, Gert Korentschnig (Kultur), Robert Kleedorfer (stv. RL Wirtschaft) Karriere-Ressortleiterin Sandra Baierl,, Lebensart-Chefin Gabriele Kuhn und Chef vom Dienst Herbert Gartner werden freundlich begrüßt.

Den mit Abstand größten Applaus erntet aber Karikaturist Michael Pammesberger.

Josef Bucher (BZÖ) gibt sich sehr optimistisch: "Wir sind schon öfters totgesagt worden, aber ich spüre, dass man das BZÖ in Österreich braucht. Wir wollen den sozialistischen Einfluss in der Regierung schwächen. (...) könnte mir vorstellen, nach der Wahl mit den NEOS zu kooperieren."

Es gibt im Publikum aber nicht nur Rückenwind für Bucher. Er wird mit Fragen zu Kärnten und zur Hypo Alpe Adria konfrontiert.

Mag. Franz Steindl (ÖVP), Landeshauptmann-Stellvertreter im Burgenland, kommt auf die Bühne und spricht sich für Parteienvielfalt aus.

Unsere Leser am KURIER-Tag

Martina Salomon begrüßt Mag. Veronika Haslinger aus der Geschäftsführung der Raiffeisen Holding. Es geht um das Thema Frauen in Führungspositionen: Bislang ist Frau Haslinger - nach Brigitte Jank - erst die zweite Frau am Podium. (Hier ist ein bißchen Selbstkritik angebracht)

Jetzt darf es wieder ein bißchen um den KURIER gehen: Geschäftsführer Thomas Kralinger plaudert mit der Moderatorin über Kampagnen (Stichwort: "Redakteure To Go"), über den Redaktionsbetrieb, über Online-Publizieren, über die Kooperation mit "das BIBER", weil es auch wichtig ist, Leser und Leserinnen mit Migrationshintergrund anzusprechen usw.

Rudi Kaske, Präsident der AK Wien und der Bundesarbeitskammer, outet sich als treuer KURIER-Leser. Brandstätter, provozierend: "Warum inseriert dann die AK mehr in Gratiszeitungen und nicht in Qualitätszeitungen - wo man doch weiß, dass Werbung in Kaufzeitungen viel effektiver ist?"

Impressionen: Politprominenz im Festzelt

Everbody's (Science-)Darling Rudolf Taschner spricht über das "Angstfach" Mathematik. Und: "Die Schulen sind zu sehr ideologie-bestimmt. Man muss den Schulen die Chance geben, sich selbst zu entwickeln."

"In Wirklichkeit wird in Mathematik immer nur kontrolliert, welche Fehler gemacht werden. Das ist ja frustrierend. Dabei kann man aus Fehlern wunderbar lernen! Aber bei uns endet alles mit: Du hast einen Fehler gemacht. In Wirklichkeit sollte es damit anfangen."

"Mathematik ist eine Geisteswissenschaft. Sie kommt aus dem Kopf!"

Matthias Strolz - aber nicht in Pink - betritt die Bühne. Es geht um Kleinparteien und ob sie Chancen haben, ob Stimmen für Kleinparteien nicht weggeworfene Stimmen sind. "Nein", sagt Strolz, "Das ist ein Argument, das aus der ÖVP kommt. Aber wir wollen die Kräfte guten Willens bündeln und diese Koalition des Stillstandes wegblasen!" - Salomon: "Mit 5 Prozent wegblasen - das ist ein ambitioniertes Projekt." - "Aber dann wären wir ein Jahrhundertprojekt! Abwarten. Sie werden alle noch schauen!" - Salomon: "Der Herr Öllinger im Publikum lächelt mild..."

In ersterem Ton: "Wir müssen unser Pensionssystem enkel-fit machen, sonst haben wir irgendwann einmal den Konflikt auf der Straße. Wenn dabei ein paar hohe Pensionen gekürzt werden, ist es das wert. Bei Pensionen über 2500.- wird man das verkraften."

"Sonnenlicht ist das beste Desinfektionsmittel. Wir sind für Transparenz. Auch alle Spenden des Herrn Haselsteiner werden offen gelegt. Bei uns kann man jede Pizzarechnung nachlesen."

Brandstätter: "Herzlich willkommen, Frank Stronach. Man hat mir geflüstert, dass heute ein besonderer Ehrentag ist: Alles Gute zum Geburtstag!"

Stronach: "Danke, es ist schön, den Geburtstag unter normalen Leuten zu verbringen."

Salomon: "Ist Ihnen das passiert mit der Todesstrafe? Das wirft jetzt kein gutes Bild auf sie..."

Stronach: "Das ist Schnee von gestern. Im Team sind die alle dagegen. Ich töte nicht einmal eine Spinne. Die werf ich raus. Ich bin kein Jäger. Tiere sind ein Geschöpf Gottes - das heißt noch lange nicht, dass man da grausam sein muss. Im tierschutz machen wir gar nichts. Da läuft vieles falsch in diesen Gebieten. Das war meine persönliche Sache zum Nachdenken. Über die Berufskiller."

[Persönliche Anmerkung der tickernden Redakteurin: Frank Stronach lässt sich nicht kohärent mitschreiben. Aber aufgeben wäre feig...]

Stronach: "Die Wirtschaft da zählen nur Prinzipien und Leistung. In der Politik wird nur schmähtandelt. Die reden nur für Stunden und nachher weiß man nicht, was passiert ist. Der Sumpf der Korruption, den muss man trockenlegen. Herr Faymann will keine Transparenz. Ohne Transparenz kommt Korruption."

"Ein Land, wo die Menschen das Gewissen verlieren, geht den Bach runter. Der Unterschied zwischen Staatsmann und Politiker: Die Politiker wollen verdienen, die wollen am Futtertrog stehen, der Staatsmann will dem Volk dienen. Und ich diene dem Volk. Ich geb ungefähr 25 Millionen rein. Österreich ist mir das wert. (...) Die Korruption ist so groß. Auch Medien sind Teil der Korruption. Sie wissen, dass Sie manchmal das falsche berichten! Aber wenn man den Medien keine Geschichten gibt, wo der Stronach schlecht dasteht, dann wollen die das nicht."

Stronach mit Blick auf NEOS-Frontman Matthias Strolz: "Können wir gleich über den Haselsteiner reden, der hat sein Vermögen gemacht, alles in Stiftungen gegeben und jetzt redet er groß, die Steuern sollen höher sein. Da kann er leicht reden, denn er bezieht ja kein Gehalt mehr."

Publikumsstimme: "Herr Stronach, ich schätze sehr Ihre Lebensleistung und Ihren Unterhaltungswert, aber gibt es Ihnen nicht zu denken, dass es mit der Wiener Austria erst bergauf gegangen ist, als sie ausgestiegen sind?"

(...)

Brandstätter: "Lassen Sie uns über Regierungsbeteiligungen reden. Eine absolute Mehrheit für das Team Stronach wird es ja nicht geben..."

Stronach: "Na sammer nicht so voreilig..."

On Stage: Karl Öllinger, Sozialsprecher der Grünen. Es geht um Bildung, um Förderung jedes einzelnen Schülers, um die Gesamtschule. "In Finnland genießen Lehrer ein hohes Ansehen und haben hohe Eigenverantwortung. Und es funktioniert. Wir müssen von solchen Beispielen lernen und wir müssen die Diskussion endlich anders führen!"

Salomon: Ist es ein besonderes Kennzeichen der Bürgerlichen, dass sie immer motschkern?

Spindelegger: Ja, das war früher so. Früher hat man gesagt: "Was ist der Unterschied zwischen einer ÖVP- und einer SPÖ-Veranstaltung?" - "Keiner! Beide schimpfen auf die ÖVP." ... das ist inzwischen deutlich besser geworden.

Vizekanzler und Außenminister Michael Spindelegger zur Syrien-Krise: "Wenn Chemiewaffen eingesetzt werden, muss man natürlich etwas tun. Aber ich bin einer militärischen Intervention gegenüber sehr skeptisch. Man kann ein internationales Strafgericht einsetzen, man kann politisch intervenieren."

Zum Thema Flüchtlinge: "Wenn man sieht, wie es den Menschen in den Flüchtlingsauffanglagern geht, dann muss man helfen. Österreich kann es sich leisten und daher sollten wir das auch tun. Ich hoffe, Sie stimmen mir da zu!"

Spindelegger beantwortet Publikumsfragen:

- "Wir wollen 2016 wieder ein ausgeglichenes Budget haben. Ich kann keine Steuererleichterungen versprechen, solange wir noch mitten in der Konsolidierung sind"

- "Wir müssen das faktische Pensionsalter anheben. Da müssen wir natürlich altersadäquate Arbeitsplätze schaffen, das ist klar. Das beste dafür ist, für Wirtschaftswachstum zu sorgen. Damit wieder mehr Mitarbeiter gesucht und gefragt sind. Da sind uns die Deutschen einen Schritt voraus."

- "Kinder kosten Geld. Ich hab selber zwei, ich weiß das. Ich kann es mir ja leisten, aber viele andere nicht. Ich will daher einen Absatzbetrag von 7000 Euro pro Kind."

- "Warum bin ich zuversichtlich, dass wir nach der Wahl etwas anders machen können? Ganz einfach: Der erste in einer Regierung bestimmt die Agenda. Wenn ich Bundeskanzler bin, setze ich mein Programm auch 1:1 um." - Brandstätter: "Und wenn Sie Vizekanzler sind?" - Spindelegger: "Dann habe ich nicht die Möglichkeit, die Agenda zu bestimmen, deshalb will ich ja erster werden!"

- "Eine Verwaltungsreform ist nötig. Wir haben neun verschiedene Bauordnungen. Unsere Bauvorschriften sind auch viel zu streng und viel zu hart. Dadurch wird das Bauen auch wieder teurer."

- "Österreich hat im Rahmen der UNO eine atomwaffenfreie Zone im Nahen Osten vorgeschlagen. Davon wäre Israel auch betroffen. Denn Abrüstung ist in Israel genauso wichtig wie im Iran. Wir wollen einen stabilen Nahen Osten, haben für den Vorschlag aber bislang keine internationale Zustimmung bekommen."

Robert Lugar (Team Stronach) auf der Bühne. Salomon: "Sie haben es derzeit nicht ganz leicht, Sie schupfen den Laden für den Frank. Wie gehen Sie damit um, dass er so Sachen sagt, wie eben das mit der Todesstrafe?" [Hier nachzulesen]

Lugar: "Also der Frank sagt jeden Tag... interessante Sachen. Aber gerade bei diesem Thema war gut zu sehen, dass wir ein Team sind. Es hat ja immer geheißen, das Team Stronach wäre eine One-Man-Show, aber hier haben wir gezeigt, dass wir auch ein Wörtchen mitzureden haben."

Stimme aus dem Publikum: "Ein Wörtchen schon, aber niemals einen ganzen Satz!"

Publikum: "Wie kann man den jemanden als Spitzenkandidaten aufstellen, der nur von Wirtschaft eine Ahnung hat - und sonst von gar nichts?"

Lugar: "Geben Sie ihm Zeit, in ein paar Jahren hat er von den anderen Dingen auch Ahnung. Man kann nicht erwarten von ihm, dass er jetzt schon alles weiß, da er sich sein ganzes Leben mit Wirtschaft beschäftigt hat."

On stage: AK-Direktor Werner Muhm (SPÖ) und Integrations-Staatssekretär Sebastian Kurz.

Muhm: "Wir sind in Österreich gut durch die Krise gekommen, Auch wenn die Arbeitslosigkeit jetzt ein bißchen gestiegen ist. Wir haben eine geringere Jugendarbeitslosigkeit als Deutschland. Wir haben nicht nur ausgabenseitig gespart, sondern auch Vermögen besteuert."

Martina Salomon fragt Sebastian Kurz: "Hatscht der Wahlkampf der ÖVP? Man hat diesen Eindruck..."

Kurz: "Ich bin froh, dass Sie das gesagt haben und nicht ich. Am Anfang hatte man das Gefühl, die Stürmer wissen nicht alle, in welche Richtung sie spielen sollen, aber inzwischen sind alle im Wahlkampf angekommen. Ich bin sehr zufrieden, wie der Wahlkampf derzeit läuft."

Salomon: "Sind Sie der junge Grasser ohne Skandale für die ÖVP?"

Kurz: "Ich bin ich. Ich halte wenig von Vergleichen und auch von diesem nichts."

Martina Salomon bittet Wirtschaftskammerpräsidentin Brigitte Jank (hier im KURIER-Interview) auf die Bühne. Es geht um das Thema Mariahilfer Straße. Jank: "Ich bin durchaus für eine Fußgängerzone, aber der 13A braucht eine neue Linienführung." Und: "Ich habe in all den Jahren in meiner Funktion noch nie so viele besorgte Nachfragen von Unternehmern bekommen. Darauf muss man auch Rücksicht nehmen. Verkehrsberuhigung ist gut, aber es geht nicht, dass zwei Bezirke, für deren Lebensqualität eine verkehrsberuhigte Zone sicher schön ist, das auf Kosten aller anderen durchsetzen."

Lesen Sie hier etwas über unsere KURIER-Leseraktion zur Mariahilfer Straße.

Werner Faymann zum Thema Syrien: "Wir Österreicher sind für eine politische Lösung, keinen Militärschlag. Aber wir werden jenen Asyl gewähren, die es brauchen. Natürlich sind Christen besonders stark betroffen, weil sie um ihr Leben fürchten - aber das tun auch Angehörige anderer Religionen. Und das sage ich als Katholik: Nächstenliebe heißt ja "der Nächste", nicht "der nächste Christ". Wir werden unseren humanitären Aufgaben nachkommen."

Thema Sicherheitspolitik: "Die Europäische Union ist nicht perfekt, es gibt genug zu tun. Aber es geht nur miteinander! Wenn man in Europa miteinander Politik macht, sind wir ein starker Wirtschaftsstandort und ein starker Sicherheitsstandort. Das geht nur gemeinsam."

Helmut Brandstätter: "Jetzt wissen Sie auch, warum der Bundeskanzler unlängst in einem KURIER Interview gesagt hat, er ist ein glühender Europäer."

Bundeskanzler Werner Faymann betritt die Bühne und wird von Martina Salomon begrüßt. "Danke für die Einladung, den KURIER darf man ja gar nicht unterschätzen bei der Meinungsbildung."

Martina Salomon: "Wie oft müssen Sie sich über Zeitungen ärgern? Wie oft ärgern Sie sich über den KURIER? Es heißt, Sie hätten die Krone lieber..."

Faymann: "Geh bitte! Für Politiker ist es ja wichtig - das wissen Sie - dass er nicht so viele Feinde hat. Daher mag ich alle gleich gerne und bedanke mich auch, gerade vor der Wahl, für die faire Berichterstattung."

Jetzt ist das Publikum am Wort. Die erste Frage gilt der Stabilität des Euro, die zweite dem Thema Bildung und Ganztagsschule.

Faymann: "Es ist keine Freiwilligkeit, wenn es gar kein ganztägiges Betreuungsprogramm in der Wohnumgebung gibt! Wenn es bei Regierungsverhandlungen einen Punkt gibt, der mir besonders am Herzen liegt, dann ist es unser Nachholbedarf im Bereich Bildung."

"Dazu gehört auch ein neues Lehrerdienstrecht. Und ich würde sagen: Wir sind stärker als die Blockierer."

Weitere Publikumsfragen: Thema tägliche Turnstunde, Syrien-Krise, Arbeitsmarkt und Pensionskassen, Vermögenssteuer... Martina Salomon sammelt die Fragen an den Kanzler.

Helmut Brandstätter: "Wir haben versucht als Anwalt des Lesers Ihre Meinung aufzugreifen und an die Politik weiterzugeben. Letztendlich entscheidet die Politik... Aber Thomas Jefferson hat einmal gesagt, wenn er in einem Land leben müsste ohne Regierung oder ohne Zeitungen würde er lieber in einem Land ohne Regierung leben. Sehen Sie das auch so, Herr Staatssekretär Ostermayer?"

Josef Ostermayer: "Nein, denn zu einer funktionierenden Demokratie gehört beides."

Gleich geht's los. Das Festzelt füllt sich. Christian Bartos, umtriebiges Urgestein aus der Abteilung KURIER-Leserservice, führt bereits die erste Besuchergruppe durch das Haus. Herzlich willkommen!

Geschäftsführer Thomas Kralinger begrüßt die Gäste, u.a. Dr. Christian Konrad. "Uns ist es gesellschaftspolitisches Anliegen, dafür zu Sorgen, dass Sie objektiv informiert werden. Unabhängigkeit und Objektivität gehört untrennbar zur Marke KURIER."

Chefredakteur und Herausgeber Helmut Brandstätter: "Wir sind sehr froh, dass Sie da sind, denn wir möchten Ihnen gerne zeigen, wie wir arbeiten. Denn da hat sich natürlich sehr viel geändert in den letzten Jahren."