Talente-Check für Schüler kommt

Brigitte Jank, Interview, WKO Präsidentin
Foto: Deutsch Offensiv: Brigitte Jank ortet Nachholbedarf bei der rot-grünen Wiener Stadtregierung.

Die Präsidentin der Wirtschaftskammer, Brigitte Jank, über eine erstarkende ÖVP und die Schwächen der Stadtregierung.

Sie ist eine der mächtigsten Personen in der Wiener ÖVP: Brigitte Jank. Als Präsidentin der Wirtschaftskammer verhandelt sie mit Bürgermeister Häupl (SPÖ) auf Augenhöhe und als ÖVP-Mitglied steht sie zu Entscheidungsträgern der Stadt in Opposition.

KURIER: Frau Präsidentin, ist Manfred Juraczka der richtige Mann, um die Wiener ÖVP aus ihrem Tief zu führen?

Brigitte Jank: Ja. Er weiß, was die Partei nun braucht: Eine gute Organisation und ein führendes Themenmanagement. Intern ist seit dem Landesparteitag vieles geschehen. Es ist in der Stadt an der Zeit, mit der Vergangenheit abzuschließen.

Die VP hat lange nicht auf ihre Kernkompetenz Wirtschaft gesetzt. Wie kann es sein, dass sich in Personalfragen stets der ÖAAB und nie der Wirtschaftsbund durchsetzt?

Der Wirtschaftsbereich ist gut aufgestellt: Klubobmann, zwei Parteiobmann-Stellvertreter und rund die Hälfte der Gemeinderäte werden vom Wirtschaftsbund gestellt. Und: Die 100 Ideen für Wien, die der Wirtschaftsflügel erarbeitet hat, werden in der ÖVP eine zentrale Rolle spielen.

In der Partei wünschen sich manche, dass die Kammerpräsidentin stärker als ÖVP-Mitglied auftritt und die SPÖ bei Themen wie dem Parkpickerl in die Schranken weist.

Ich habe deutlich aufgezeigt, dass Gebührenerhöhungen um 100 Millionen Euro die Wiener Wirtschaft hart treffen. Natürlich verhandeln wir weiter mit der Stadt. Auch bei den Parkpickerln, wo wir jetzt einen bahnbrechenden Erfolg erreicht haben. Künftig hat jeder Unternehmer – anders als bisher – Anspruch auf ein Pickerl. Und wenn nun über eine Erhöhung der Schanigarten-Gebühr diskutiert wird, mahne ich zur Vorsicht. Es geht nicht, dass kleine Gastronomen künftig zu hohe Preise zahlen müssen.

Die Stadt muss bis 2016 eine Milliarde Euro einsparen. Wie soll das gehen?

Bis jetzt sehe ich keinen Vorschlag für Einsparungen. Aus meiner Sicht sollte das Pensionssystem für Beamte geändert und eine Besoldungsreform durchgeführt werden. Doppelgleisigkeiten gilt es zu beseitigen. Wieso muss die städtische Wirtschaftsagentur Dienste anbieten, die auch die WK leistet? Das ist nicht effizient.

Die Gewerkschaft wirft der Wirtschaft vor, dass sie keine Lehrlinge mehr ausbildet.

Das stimmt so nicht. Die Wirtschaft ist der größte Lehrlingsausbilder. Es gibt aber das Problem, dass 20 Prozent der Pflichtschulabgänger nicht jobfähig sind und immer mehr Jugendliche in der schulischen Ausbildung bleiben. Es herrscht politischer Handlungsbedarf.

Doch es ist auch ganz klar ein Problem für die Wirtschaft und somit für Sie.

Wir stellen deshalb in Kürze ein Projekt unter dem Motto „Talente-Scan Berufsbildung“ vor. Dabei werden Schüler in der 7. Schulstufe in ganz Wien auf ihr Grundwissen in der Pflichtschule getestet. Und sie werden auch eine verpflichtende Berufsinformation bekommen. Die Jugendlichen müssen wissen, was auf sie im Berufsleben zukommt und ob sie dem gewachsen sind.

Sie wollen den jungen Leuten zur Not schon in der Schule sagen: Du hast nicht einmal die nötige Qualifikation für eine Lehre?

Ja. Es geht nicht um Noten, sondern um das berufliche und persönliche Fortkommen. Ich werde das Projekt mit der Stadtschulratspräsidentin präsentieren.

Sie haben einen heiklen Job: Als WK-Präsidentin machen Sie Politik mit jener SPÖ, die Sie als ÖVP-Mitglied kritisieren. Wie legt man das an?

Nicht alle Veränderungen treten ein, indem man sie plakativ nach außen trägt. In der Politik wird ohnedies zu viel gepoltert und zu wenig getan.

(kurier / Michael Jäger, Martin Gantner ) Erstellt am
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