Der Feind in meinem Feld

ARCHIVBILD "MAISWURZELBOHRER"
Foto: APA/Bayer

Wie sich Bauern und Produzenten in Österreich gegen den Maiswurzelbohrer wappnen.


Am Anfang ein paar Zahlen. Ein Bauer ernährt heute 55 Menschen. 1950 waren es vier. Diese Ertrags- und Effizienzsteigerung kommt nicht von ungefähr, sondern wurde durch Intensivlandwirtschaft, Hochleistungspflanzen und chemische Pflanzenschutzmittel möglich. Die Honigbienen sind sozusagen der Kollateralschaden dieser Entwicklung. Die EU-Kommission will dem wichtigsten Bestäuber des Planeten mit einem Verbot der giftigen Neonicotinoide helfen. Diese Insektizide werden in Form von Beiz- und Spritzmittel sowie als Granulat in vielen Kulturen verwendet. Welche Alternativen gibt es zu diesen umstrittenen Chemikalien? Was kommt nach dem Verbot, das im Dezember in Kraft treten soll? Der KURIER hat bei Experten nachgefragt.

Bio-Abwehr

In Ermangelung natürlicher Fressfeinde, rücken die Pflanzenschützer dem Maiswurzelbohrer mit Nematoden zu Leibe. Auf 15 Hektar wurden heuer in der Steiermark nützliche Nematoden (kleine Fadenwürmer) ausgebracht, eine vielversprechende Bekämpfungsmethode. Sinn der Übung ist die Suche nach einer wirkungsvollen Alternative zur Chemie im Kampf gegen den gefürchteten Maiswurzelbohrer, der im östlichen Österreich sein Unwesen treibt. Hergestellt wird dieses biologische Pflanzenschutzmittel von der deutschen Firma e-nema–Gesellschaft für Biotechnologie und biologischen Pflanzenschutz. In die Saatfurche wird nicht nur Saatgut, sondern pro Hektar auch 200 Liter „Nematodenflüssigkeit“ (Wasser mit zwei Milliarden Nematoden) ausgebracht, erläutert Agraringenieur Michael Lichtenberg von „e-nema“.

Der Westliche Maiswurzelbohrer (lat. Diabrotica virgifera virgifera) ist ein Käfer aus der Familie der Blattkäfer. Er war ursprünglich in Mittelamerika angesiedelt und breitete sich schnell über den Maisanbau in den USA und in Kanada aus. Er ist ungefähr drei bis vier Millimeter groß.

Der Mais ist die wichtigste Wirtspflanze des Käfers. Die Larven fressen die Wurzeln der jungen Maispflanzen, die Käfer schädigen die Wurzeln. Inzwischen ist der Schädling auch in Europa eingebürgert. Im August 2007 wurde der Maiswurzelbohrer erstmals in Oberösterreich beobachtet. Seither schädigt er Mais-Felder im Osten Österreichs.

Die Nematoden sind Träger von Bakterien, die für die Larven des Maiswurzelbohrers tödlich sind. Sie suchen nach den Larven des Schädlings, „dringen in sie ein und vermehren sich stark. Nach kurzer Zeit sterben die Larven ab“, sagt Lichtenberg. Ist der Wirt tot, suchen sich die Würmer neue Larven als Wirtstiere.

Für Leopold Girsch, Landwirtschaftsexperte der AGES (Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit) ist der Maisschutz durch Nematoden noch im Versuchsstadium, vom Wirkungsgrad her nicht mit chemischer Bekämpfung vergleichbar. Die Kritik, dass bei stärkerer Trockenheit die Ergebnisse mit Nematoden nur „mittelprächtig“ seien, weist Lichtenberg zurück: „Bei Trockenheit ziehen sich die Nematoden so lange in tiefere Schichten zurück, bis die Maiswurzelbohrer-Larven ihre Fraßtätigkeit an den Wurzeln beginnen. Das lockt sie an. Der Wirkungsgrad lag in den Versuchen bei über 90 Prozent.“

Und bisher sei sehr häufig beobachtet worden, dass dort, wo die Nematoden nicht richtig gewirkt haben, „auch die Chemie nicht richtig gewirkt hat“, sagt Lichtenberg.

Fruchtwechsel

Das beste Mittel, um die Ausbreitung des Maiswurzelbohrers zu verhindern ist Fruchtwechsel. „Das ist die wirksamste Maßnahme“, sagt Girsch, einer Meinung mit Rudi Vierbauch, Obmann von Bio Austria: „Durch die Einhaltung langjähriger Fruchtfolgen werden Schädlinge wie der Maiswurzelbohrer ohne den Einsatz von Saatgutbeizmitteln hintangehalten und ihre Vermehrung verhindert.“ Im Biolandbau wird ein Jahr Mais, anschließend zwei bis drei Jahre lang andere Kulturen angebaut – etwas Weizen, Erdäpfel, Sonnenblume, Raps oder Sojabohne. „Ich habe noch nie gehört, dass bei einer derartigen Form der Landwirtschaft einer unserer Betriebe Probleme mit dem Maiswurzelbohrer gehabt hat.“ Selbst dann nicht, wenn ein angrenzender konventioneller Betrieb keine Fruchtfolge durchführt und Mais auf Mais baut.

Aber was ist jetzt, sind die Bienen nun gerettet, oder nicht? Nach Meinung von Franz Pittner, Mais-Bauer aus dem Südburgenland nicht: „Das Verbot ist sinnlos, da es weder den Bienen noch sonst irgendjemandem hilft.“ Franz Stefan Hautzinger, Präsident der Landwirtschaftskammer Burgenland: „Das Bienensterben hat viele Ursachen, Neonicotinoide sind dabei nur ein geringer Teil.“ Von österreichweit 360.000 Bienenvölkern seien 2011 1400 durch den Einfluss von Neonicotinoiden geschädigt gewesen.

Maiswurzelbohrer

Der Westliche Maiswurzelbohrer (lat. Diabrotica virgifera virgifera) ist ein Käfer aus der Familie der Blattkäfer. Er war ursprünglich in Mittelamerika angesiedelt und breitete sich schnell über den Maisanbau in den USA und in Kanada aus. Er ist ungefähr drei bis vier Millimeter groß.

Schädling unterwegs

Der Mais ist die wichtigste Wirtspflanze des Käfers. Die Larven fressen die Wurzeln der jungen Maispflanzen, die Käfer schädigen die Wurzeln. Inzwischen ist der Schädling auch in Europa eingebürgert. Im August 2007 wurde der Maiswurzelbohrer erstmals in Oberösterreich beobachtet. Seither schädigt er Mais-Felder im Osten Österreichs.

(kurier) Erstellt am
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