Trotz Notfalls muss die Rettung oft mehrere Spitäler anfahren

© Kurier/Jeff Mangione

Chronik Wien
05/09/2019

Wien: Lange Wege ins Spital seien "inakzeptabel"

Nach der Rüge vom Rechnungshof gaben sich der Krankenanstaltenverbund und die Wiener Berunfsrettung selbstkritisch.

von Julia Schrenk, Katharina Zach, Christian Willim, Elisabeth Holzer, Thomas Orovits, Matthias Nagl

Die Aufregung war groß, als gestern, Mittwoch, via KURIER ein Stadtrechnungshofbericht publik wurde: Bis zu zwei Stunden dauert es in Wien, bis akut zu versorgende Patienten – etwa mit einem Schlaganfall oder mit einem Herzinfarkt – von der Rettung ans Spital übergeben werden können. In einem Viertel der untersuchten Fälle waren es sogar mehr als zwei Stunden.

Am Donnerstag bezogen  die Spitzen von Krankenanstaltenverbund (KAV) und  Berufsrettung (MA70) samt ärztlicher Verstärkung Stellung. „Die Verzögerungen sind absolut inakzeptabel“, sagte Michael Binder, Ärztlicher Direktor des KAV

Fünf von sieben Empfehlungen des Stadtrechnungshofes seien schon in Umsetzung: Die Kommunikation zwischen dem KAV und Wiener Berufsrettung sei verbessert,  zentrale Notaufnahmen  (zum Beispiel im Wiener Wilhelminenspital) geschaffen worden. Notärzte würden nun abwechselnd in der Notaufnahme und im Rettungsauto Dienst machen.

Auch die Anzahl der Intensivbetten würde mittlerweile stündlich „mit großer Disziplin“ aktualisiert. Die Rettung müsse nun auch weniger „herumtelefonieren“, um zu erfahren, welches Spital sie anfahren kann.

Der Stadtrechnungshof kritisierte ja, dass der KAV die Bettenzahl für akut zu versorgende Patienten  nur alle drei Stunden aktualisiert hatte. 

Am Donnerstag gab man sich deshalb selbstkritisch: „Es ist medizinisch nicht vertretbar,  dass Akutfälle nicht sofort behandelt werden – und auch nicht aus psychologischer Sicht“, sagt der stv. Ärztliche Leiter des Wilhelminenspitals, Michael Gschwantler. „Das Letzte, was ich als Patient will, ist, im Kreis herumgeschickt zu werden.“ Im Wilhelminenspital wurde mittlerweile ein zentrales Bettenmanagement installiert.

Laut Rainer Gottwald, Leiter der Wiener Berufsrettung, hat sich die Situation „signifikant verbessert“ seit der Prüfung des Rechnungshofes. Diese hat zwischen Mai 2016 und Juni 2018 stattgefunden. „Seit 2018 ist uns kein einziger Fall mit längeren Wartezeiten bekannt“, sagt er.

Gemeinsames Ziel von Rettung und KAV ist nun, 80 Prozent der Patienten binnen 15 Minuten dem Spital zu übergeben. Die restlichen 20 Prozent (jene,die besonders viel medizinischer Unterstützung  bedürfen) sollen binnen 25 Minuten übergeben werden. 

Wie schnell ein Patient im Krankenhaus ist, wird in den meisten Bundesländern gar nicht erhoben. Nur, wie schnell die Rettung am Einsatzort ist. 

"Goldene Stunde"

Aus Niederösterreich heißt es, dass es keine Wartezeiten bei der Übergabe von Patienten gebe, da die Spitäler elektronisch vorinformiert werden. Die  Rettung muss dort also nicht mit der Leitstelle telefonieren, um zu erfahren, in welchen Spitälern Betten frei sind. Stattdessen werden automatisch drei Vorschläge auf die Tablets der Rettungskräfte geschickt.

Das Rettungs- und Notarztwesen  in Tirol hat gar einen eigenen Qualitätsmanager installiert: den Notfallmediziner Michael Baubin.  Laut ihm hat  Tirol das beste Datenmaterial. Innerhalb der „Golden Hour“, also innerhalb von 60 Minuten, sollen Patienten im Spital sein. Laut Baubin sind in Tirol Schlaganfallpatienten  im Median innerhalb von 45,3 Minuten im Spital. 90 Prozent der Betroffenen sind es jedenfalls nach 70,4 Minuten. „Das sind exzellente Werte. Die goldene Stunde schaffen wir im Median locker.“ Auch Niederösterreich schafft diese Marke.

In Vorarlberg kommen alle Schlaganfall- und Herzinfarktpatienten kommen nach Feldkirch. „Es ist wichtig, dass diese Patienten davor kein anderes Krankenhaus sehen, sondern direkt in das Zentrum gebracht werden, wo sie adäquat behandelt werden können“, sagt der Leiter der Notfallmedizin in Feldkirch, Christian Walleczek.

In Salzburg dauert es im Landesschnitt 8 bis 12 Minuten, bis ein Krankenwagen am Einsatzort ist.

In der Steiermark ist die Rettung  durchschnittlich in 9 Minuten beim Patienten. Der Notarzt ist binnen 12  bis 20 Minuten vor Ort.

Im Burgenland sind 95 Prozent der Einsatzfahrzeuge binnen  15 Minuten beim Patienten.    „Bis zu 45 Minuten“ dauert es, Patienten zu reanimieren.  Erst danach kann die Fahrt ins Krankenhaus aufgenommen werden.

Ähnlich sieht der Notfallmediziner Moritz Haugk aus Wien: „Wir warten ja nicht stundenlang einfach nur draußen auf Intensivbetten, da passiert ja dazwischen parallel etwas“, sagt er.

In Wien ist die Rettung innerhalb von  8 bis 12 Minuten nach der Alarmierung am Einsatzort.

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