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Chronik Wien
09/23/2021

Was die 2G-Regel für Kultur und Sport in Wien bedeutet

Die strengeren Regeln könnten viele Fußball-Fans vom Stadionbesuch abhalten. In den großen Kulturstätten fürchtet man sich hingegen vor einem großen Durcheinander.

von Josef Gebhard, Thomas Trenkler, Alexander Strecha

Einmal mehr wurde Wiens Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) seinem Image als besonders gestrengen Pandemie-Manager gerecht. Mit Verweis auf die hohe Belegung der Intensivstationen mit Corona-Patienten und die weiterhin viel zu niedrige Durchimpfungsrate verschärfte er, wie berichtet, noch einmal die Corona Regeln für Wien. Ab 1. Oktober gilt: Beim Besuch in Lokalen der Nachtgastronomie sowie von Veranstaltungen mit mehr als 500 Menschen muss ein 2-G-Nachweis erbracht werden. Das bedeutet, dass nur geimpfte oder genesene Personen Zutritt haben.

Überall, wo bisher die 3-G-Regel gültig war (z.B. in Restaurants), gilt künftig die 2 1/2-G-Regel. Das heißt: Geimpft, genesen oder PCR-getestet. Diese Vorgabe gilt auch für das Personal in der Nachtgastronomie und jenem bei den Veranstaltungen mit mehr als 500 Personen.

Neben der Gastro-Szene haben die neuen Regeln vor allem in der Sport- und Kulturbereich massive Auswirkungen. Der KURIER hat sich umgehört, was nun auf die Betroffenen in den beiden Branchen zukommt.

Fußball: Auf des Messers Schneide

Die 2-G-Regel betrifft in der obersten Fußballspielklasse die zwei Wiener Klubs Austria und Rapid. Für den Rekordmeister aus Hütteldorf werden die neuen Maßnahmen wie Tanz auf Messers Schneide. Einerseits will und muss man die Vorgaben der Stadt Wien berücksichtigen und umsetzen, auf der anderen Seite will man die eigenen Fans nicht vor den Kopf stoßen. „Wir hatten schon einige Anfragen bezüglich Rückerstattungen von Tickets“, sagt Christoph Peschek, Geschäftsführer Wirtschaft bei Rapid.

Da die Stadien stets als Spiegel der Gesellschaft dienen, befürchtet man bei den Vereinen, dass die gesellschaftliche Polarisierung bei diesem Thema auch in die Arenen getragen wird. Man möchte bei Rapid eine Unterteilung in „gute Fans“ und „schlechte Fans“ tunlichst verhindern. „Unsere Erfahrungen des vergangenen Jahres waren, dass mit schärferen Maßnahmen auch weniger Zuschauer zu den Spielen gekommen sind“, erwartet Peschek auch diesmal einen Rückgang. Ähnlich wie auch die Austria.

Bei Rapid sind nahezu 100 Prozent der Mitarbeiter und der Sportabteilung geimpft, eine Studie bei zwei Heimspielen ergab, dass rund 75 Prozent der Zuschauer die Impfung schon hinter sich gebracht haben dürften. Bei Heimspielen wurden nur zwei positive Fälle bekannt, nie entstand daraus ein Cluster.

Bundesliga-Vorstand Christian Ebenbauer stört das Ungleichgewicht bei den Maßnahmen. „Im Freien gilt 2-G, bei der Gastro in geschlossenen Räumen 2,5G.“

Kultur: Das große Theater der Verwirrung

Noch fehlt die Verordnung, dass 2-G ab 1. Oktober für Veranstaltungen in Wien mit mehr als 500 Personen zu gelten hat. Aber die Direktoren der großen Theater- und Opernhäuser bereiten sich vor. Und es droht ein Wirrwarr. Denn die zweite Bühne des Theaters in der Josefstadt, die Kammerspiele, fasst keine 500 Zuschauer. Ein Besuch werde daher weiterhin mit negativem Test möglich sein.

Bei den Bundestheatern hingegen soll 2-G für alle Spielstätten gelten, so Geschäftsführer Christian Kircher: „Also auch an jenen mit weniger als 500 Plätzen – und auch unabhängig von der tatsächlichen Anzahl der Besucher.“ Zu den Bundestheatern (Burg- mit Akademietheater, Staats- und Volksoper) gehört u. a. das Kasino am Schwarzenbergplatz. Für Ungeimpfte und Nichtgenesene gibt es aber ein Schlupfloch: Bei Vorstellungen für Kinder reicht der 3-G-Nachweis – auch für die Begleitpersonen.

Klar ist für Kircher, dass bereits gekaufte Karten und Abos aufgrund der neuen Regelungen „vermehrt zurückgegeben werden“ dürften. Staatsoperndirektor Bogdan Roščić weist aber darauf hin, dass ein überwiegender Teil des Publikums – „wir schätzen im Schnitt bis zu 95 Prozent“ – geimpft oder genesen ist. Die restlichen fünf Prozent erhalten einen fünf Jahre gültigen Gutschein in der Höhe der Kartenpreise.

Die Vereinigten Bühnen Wien (Theater an der Wien, Ronacher, Raimund Theater) gehen ähnlich vor. Geschäftsführer Franz Patay will „alternative Lösungen wie Ersatztermine bzw. Gutscheine anbieten“.

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