© Kurier/Juerg Christandl

Chronik Wien
02/08/2020

Der Eine unter Dach: Der Meiselmarkt wird 25

Wiens einzige Markthalle feiert ihr Jubiläum. Mit den Märkten, wie man sie in der Innenstadt findet, hat jener in Rudolfsheim-Fünfhaus wenig zu tun

von Julia Schrenk, Jürg Christandl

Herr Brunner und Herr Amsüss sitzen im „Gastgarten“ der Bauernhütte Polonia. Es ist früher Mittwochnachmittag, und Mittwoch und Freitag gehen die beiden Männer mit ihren Frauen auf den Meiselmarkt im 15. Bezirk einkaufen. Die Männer sind zuständig fürs Fleisch.

„Ich geh’ zuerst eine Runde und schau einmal, wer was hat“, erzählt Herr Amsüss. Herr Brunner geht ihm dann einfach nach, denn Herr Brunner hat wenig Ahnung von Fleisch und Herr Amsüss (77) ist gelernter Fleischhauer.

Jemanden mit Expertise zum Fleischeinkaufen mitzunehmen, ist am Meiselmarkt eine gute Idee. Denn was vielen anderen Wiener Märkten oftmals vermisst wird, ist das Aushängeschild des Meiselmarktes: Es gibt hier Fleisch – und zwar so, wie man es sonst nur noch ganz selten sieht.

In den Vitrinen liegen ganze Schweinsfüße (für die Sulz), Schweinsohren (frisch oder getrocknet), Schweineschwänze, Hendlfüße, alle erdenklichen Innereien (Hühnerherzen etwa), zu Mittag wird eine ganze (kleine) Sau gegrillt. Von den insgesamt 54 Ständen auf dem Meiselmarkt sind 16 Fleischhändler.

Sie verkaufen Fleisch aus Österreich, hausgemachte Würstel, manches ist auch halal, also für Muslime erlaubt.

„Es ist schon gut, wenn man wen mit hat, der sich auskennt“, sagt Herr Amsüss. Manchmal würden die Fleischer die Schultern „so schön putzen, dass sie dir die als Schnitzel verkaufen.“

Im Wasserspeicher

Die beiden älteren Herren haben schon am Meiselmarkt eingekauft, da war er noch nicht unter der Haube – also drinnen.

Einen Markt auf der Schmelz gab es schon im Jahr 1905. Zuerst als Provisorium, dann als fixen Lebensmittelmarkt im Freien.

Nach einem Beschluss im Wiener Gemeinderat wurde das Areal 1992 an die Wiener Städtische verkauft, und der Meiselmarkt musste von seinem angestammten Platz draußen nach drinnen weichen: Und zwar in den ehemaligen Wasserspeicher für die Wiener Hochquellleitung (erbaut von 1878 bis 1879).

Der wurde zur Markthalle umgebaut, die Pfeiler und Rundbögen des Wasserbehälters wurden erhalten. 1994 wurde dort die U3-Station Johnstraße in Betrieb genommen. Knapp ein Jahr später, am 3. im April 1995, eröffnete der neue Meiselmarkt.

Zwei Mal ist es auf dem alten Markt mit den Holzhütten zu Brandstiftungen gekommen – sie wurden abgerissen. Auf der Fläche, auf der früher der große Markt war, steht heute ein Wohnhaus. „Die Standler haben damals keine Freud’ gehabt“, erinnert sich Frau Amsüss. Viele seien nicht mitgegangen in die neue Markthalle.

Heute ist der Meiselmarkt stark migrantisch geprägt. Von den 54 Ständen wird nur noch eine Handvoll von Österreichern betrieben.

Herrn Brunner macht das nichts aus. „Mir ist egal, ob ich bei einem Türken oder bei einem Österreicher einkauf’. Hauptsache die Qualität stimmt“, sagt er – und der Preis. Und der sei deutlich niedriger als anderswo.

Kritik an Öffnungszeiten

Auch bei der großen KURIER-Bezirksumfrage waren die Märkte ein Thema. Bei den Standlern kamen zuletzt ja vor allem die verpflichtenden Kernöffnungszeiten in die Kritik. Dass die noch weiter ausgedehnt werden, ist einem Großteil der Befragten (63 Prozent) nicht wichtig (siehe Grafik) und mehr als einem Viertel – 28 Prozent – „sehr wichtig“.

Dass 2012 der Elektrogroßhändler Conrad in der Markthalle eröffnete, erwähnt ein Teilnehmer positiv. Ein anderer wünscht sich, dass auch ein Delikatessenladen (Wein und Käse) auf den Markt zieht.

Den Herren Amsüss und Brunner passt der Meiselmarkt so, wie er ist. Und Freitag und Samstag findet auf der freien Fläche vor dem Eingang bei der Meiselstraße ja ohnehin der wöchentliche Bauernmarkt statt.

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