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Chronik Wien
06/14/2020

Autofreie Wiener City: Fahrverbot in der Innenstadt geplant

Die Details sind noch offen, umgesetzt werden könnte das Vorhaben aber noch vor der Wien-Wahl im Herbst.

von Stefanie Rachbauer

Ein Schreckgespenst der Wiener Verkehrspolitik erwacht nun zum Leben: „Wiener Innenstadt wird zur autofreien Zone“ titelt die Kronen Zeitung am Sonntag.

Ein Fahrverbot im Zentrum – wohlgemerkt mit Ausnahmen –  sei so gut wie fix. Gelten solle es innerhalb des Rings, nächste Woche stehe noch ein  finales Gespräch zwischen der für Verkehr zuständigen Vizebürgermeisterin Birgit Hebein (Grüne) und Bezirkschef Markus Figl (ÖVP) an.  

Die Idee, dass Autos aus dem Stadtkern verdrängt werden könnten, ploppt seit Jahren immer wieder auf. Dass sie nun offenbar unmittelbar vor der Umsetzung steht, kommt da doch etwas überraschend. Wohl auch für die Beteiligten – die noch dazu eine ungewöhnliche Allianz bilden.

Der 1. Bezirk hätte sich wohl noch etwas Zeit gelassen: Erst sollte noch in einer Studie (die erst in Auftrag gegeben werden muss) eruiert werden, wie der Verkehr im Zentrum  beruhigt werden kann. Dem Rathaus kann es offenbar nicht schnell genug gehen: Dort hält man eine Umsetzung noch vor der Wien-Wahl im Herbst für möglich. 

Ganz einig ist man sich also noch nicht. Und das macht die Sache heikel.  Insbesondere, weil das grüne Verkehrsressort und der türkis regierte 1. Bezirk traditionell eine komplizierte Beziehung pflegen. 

Gesamt- und Parallel-Konzept

Fest steht: Die Grünen wollen den Verkehr im Wiener Stadtkern  seit jeher beruhigen. Noch Hebeins Vorgängerin Maria Vassilakou brachte Fahrverbote nach italienischem Vorbild  ins Spiel.

In Rom oder Florenz sind sogenannte  Zonen mit beschränktem Verkehr schon lange Standard. Zu bestimmten Tageszeiten oder generell dürfen nur  bestimmte Personengruppen  (in der Regel Bewohner und Lieferanten) einfahren. Das wollte Vassilakou auch für Wien. 

Figl beklagte mangelnde Einbeziehung – und krallte sich das Thema kurzerhand selbst: Im Sommer 2018 kündigte er  an, mit allen politischen Fraktionen, Experten und Bezirksbewohnern ein „umfassendes Verkehrskonzept für die City“ auszuarbeiten. Zufahrtsbeschränkungen, hieß es, könnten ein Teil davon sein. 

Das ging Hebein offenbar zu langsam: Wie der KURIER aus gut informierten Kreisen erfuhr, beschäftigte sie ihre Beamten mit der Thematik. Und wurde im Frühjahr mit einem Konzept über ein autofreies Stadtzentrum bei Figl vorstellig. 

Antrag für Machbarkeitsstudie 

Inzwischen wurde auch das Gesamtkonzept des Bezirks fertig. Der Öffentlichkeit wurde es bisher nicht vorgestellt. Das Wort „autofreie Zone“ komme darin zwar nicht vor, sagt eine Figl-Sprecherin. Ziel sei aber, den Fließverkehr zu reduzieren und den Parkraum „zugunsten der Bezirksbewohner“ zu entlasten.  

Am Mittwoch wird das Bezirksparlament  auf Basis des Gesamtkonzepts eine Machbarkeitsstudie beschließen. Sie soll  untersuchen, wie die Ziele des Verkehrskonzepts umgesetzt werden könnten. 

Konfliktpotenzial

Das alles heißt: Dass in der Innenstadt weniger Autos fahren sollen, darüber sind sich Hebein und Figl einig. Und das ist angesichts der Vergangenheit der beiden bemerkenswert: Als die Vizebürgermeisterin vor rund einem halben Jahr die Begegnungszone in der Rotenturmstraße eröffnete, blieb Figl aus Protest gegen das grüne Projekt zu Hause.

Was den Verkehr in der Innenstadt betrifft, bieten die Details noch Stoff für etwaige Konflikte. Das beginnt bei der Frage, wie schnell die Autos verbannt werden sollen.

Und endet mit den Ausnahmeregelungen – und wie sie kontrolliert werden sollen: Anrainer,  Lieferanten und Linienbusse sollen weiter zufahren dürfen, heißt es. Und auch die Zufahrt zu öffentlichen Tiefgaragen müsse möglich bleiben.   

Anstatt der autofreien Innenstadt könnte am Ende also eher eine autoreduzierte City herauskommen. 

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