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Chronik Wien
11/13/2019

Wiener Rotenturmstraße: Figl boykottiert Eröffnung der Begegnungszone

Innenstadt-Chef Markus Figl (ÖVP) befürchtet Mehrbelastung für Anrainer. Kritik äußerte er beim Planungsprozess und der Finanzierung.

Die umgebaute Rotenturmstraße als Begegnungszone wird am Donnerstag in der Wiener Innenstadt neu eröffnet. Ein wesentlicher Player wird allerdings fehlen: Innenstadt-Chef Markus Figl (ÖVP) boykottiert den Feiertermin. "Ich gehe dort bewusst nicht hin", sagte Figl der APA. Er kritisierte einmal mehr den Planungsprozess als "vertane Chance" und befürchtet Mehrbelastungen für Anrainer.

Figl will sein Fernbleiben als Ausdruck seiner Unzufriedenheit verstanden wissen, wie bei dem Projekt mit seinem Bezirk und dessen Bevölkerung seitens des Rathauses, vor allem der früheren Verkehrsstadträtin Maria Vassilakou (Grüne), umgegangen worden ist. Letztere habe das Vorhaben "vor ihrem Abgang noch durchgedrückt" - und zwar ohne echte Einbindung der Bevölkerung: "Man hätte dem Projekt mehr Zeit geben sollen, um die Menschen mitzunehmen, die dort wohnen. Stattdessen hat man das nach dem Motto 'Speed kills' einfach durchgezogen."

Mehrbelastung für Anrainer befürchtet

Der Bezirksvorsteher befürchtet unangenehme Nebeneffekte aufgrund der neuen Rotenturmstraße. Durch die monatelange Totalsperre für Pkw im Zuge des Umbaus wurde der Verkehr über den Bauern- und Fleischmarkt sowie den Laurenzerberg umgeleitet. "Die Anrainer befürchten, dass sich diese Route als Schweichweg etabliert, wenn die Rotenturmstraße als Begegnungszone runtergebremst ist", berichtete Figl. Man wolle als Bezirk, dass der Verkehr generell schnell wieder aus der City abfließt anstatt Staus zu erzeugen.

Keine Freude hat der ÖVP-Politiker auch, dass die 40 entfallenen Parkplätze nicht in Form von Anrainerstellplätzen ersetzt würden. Dadurch, dass auch Taxistandplätze und Diplomatenzonen in Nebengassen verlegt werden, erhöhe sich der Druck dort zusätzlich. Kritik übte Figl auch an der "intransparenten Finanzierung" des 11,1 Millionen Euro teuren Umbaus - konkret, wie hoch nun der tatsächliche Anteil von an Bord genommenen privaten Partnern sei. Jedenfalls werde es nur zwei der drei angekündigten Trinkbrunnen geben, da ein Privater sich doch noch an den Kosten beteiligt und dadurch einen größeren Schanigarten zugestanden bekommen habe, beklagte er.

Zugunsten von Touristen, auf Kosten der Bevölkerung

Sein Fazit: Die Rotenturmstraße Neu werde zwar als "Potemkinsches Dorf" schön anzuschauen sein, aber produziere Verdrängung zugunsten der "Touristenmassen" und auf Kosten der Bevölkerung. Wobei für ihn die Frage einer Begegnungszone per se keine ideologische sei, verwies er auf das Beispiel Herrengasse. Dort sei die Planung aber gemeinsam mit Bezirk und Anrainern erfolgt.

War das Verhältnis zwischen Figl und Vassilakou zunehmend zerrüttet, setzt der Bezirkschef nun Hoffnungen in Vassilakous Nachfolgerin Birgit Hebein (Grüne). Diese habe einen "offenen pragmatischen Zugang" und es gebe ein gutes Gesprächsklima. Insofern hoffe er, dass künftig Großprojekte in der Innenstadt wieder einvernehmlicher abgewickelt werden.

Wesentlich weniger auskunftsfreudig zeigte sich Figl indes auf Fragen nach Türkis-Grün im Bund. Ob er zuversichtlich hinsichtlich einem positiven Ausgang der Verhandlungen sei, beantwortete der Vorsteher mit dem Hinweis, kein Prophet zu sein. Er habe aber den Eindruck, "dass beide Seiten das sehr seriös und sehr ernsthaft machen". Großen Zeitdruck zwecks etwaigen Abschlusses noch vor Weihnachten sieht er aber nicht gegeben - und zieht noch einmal eine Parallele zum ungeliebten Straßenprojekt: "Was bei der Rotenturmstraße gilt, gilt hier auch: Lieber mehr Vorbereitungszeit haben und dann das wirklich ordentlich durchziehen. Daher sollen die (beiden Parteien, Anm.) sich auch ihre Zeit nehmen, die sie brauchen."