© Robert Ziffer-Teschenbruck

Chronik Wien
06/17/2020

Auf die Wiener Pop-up-Radwege könnte ein Pop-up-Gehsteig folgen

Vier temporäre Rad-Spuren auf der Fahrbahn gibt es in der Stadt bereits. Mariahilf soll nun ein Pop-up-Projekt für Fußgänger bekommen.

von Stefanie Rachbauer, Laura Schrettl

Der Mann in Radlerhose und mit Schweißband um den Kopf ist glücklich.

„Das ist eine Errungenschaft für die Stadt“, befindet er. Gemeint ist der neue Pop-up-Radweg, der bis September über die Fahrbahn der Lassallestraße im 2. Bezirk führt. Geht es nach ihm, sollten "die stinkenden Autos am besten ganz aus der Stadt verbannt werden“. 

Die Inhaberin des Friseurladens in dem betroffenen Abschnitt ist sauer.

Wegen des Radwegs, der von der Venediger Au bis zur Vorgartenstraße führt, können ihre Kunden nicht mehr vor dem Geschäft parken. Rund 40 Parkplätze wurden in dem Abschnitt nämlich gestrichen: „Schon zwei Kundinnen haben deshalb zu einem anderen Friseur gewechselt."

Nach eineinhalb Wochen Betrieb zeigt sich: Die Meinungen über den mittlerweile 4. temporären Radweg von Vizebürgermeisterin Birgit Hebein könnten nicht unterschiedlicher sein.

Das gilt auch innerhalb der Rathaus-Koalition: So manchen SPÖ-Funktionären gehen die grünen Verkehrsprojekte viel zu weit. Ungeachtet dessen präsentieren die Grünen nun die nächste Idee: einen Pop-up-Gehsteig, der im 6. Bezirk entstehen soll.

Zwei Autospuren blieben

Hintergrund: Fußgänger, die über die Gumpendorfer Straße in die Blümelgasse wollen, müssen wegen der Baustelle im Esterházypark derzeit große Umwege machen. Die Grünen wollen daher entlang des Haus des Meeres eine der Autospuren mit Betonleitwänden abtrennen und für Fußgänger reservieren.

„Für Autos bliebe eine Spur stadteinwärts und eine stadtauswärts“, sagt der grüne Vize-Bezirkschef Michi Reichelt. Seine Fraktion wird den Pop-up-Gehsteig am Donnerstag in der Sitzung des Bezirksparlaments beantragen.

Doch werden die Versuche, den Platz auf der Straße umzuverteilen, überhaupt angenommen? Der KURIER-Lokalaugenschein in der Lassallestraße zeigt: An einem Wochenende mit Badewetter ja - und zwar von einer ganz bestimmten Zielgruppe. 

Junge und Familien

Am Samstagvormittag fahren bei blauem Himmel, 20 Grad und Sonnenschein großteils junge Menschen den Fahrradweg entlang.

Bewaffnet mit Schwimmreifen und glücklichen Gesichtern sind sie unterwegs auf die Donauinsel oder zur Alten Donau zum Baden.

Auch viele junge Familien nutzen den neuen Weg. Die Kinder sind entweder im Kindersitz, im Anhänger oder auf dem eigenen Rad mit dabei. Sie nutzen die komplette Breite der temporären Spur.

„Man hat das Gefühl, die Stadt als Radfahrer ein bisschen zurück zu erobern“, sagt ein junger Mann. Die Ampel hat auf rot geschaltet - kurz Zeit, um den Schweiß aus dem Gesicht zu wischen. Seine kleine Tochter sitzt hinten im Kindersitz.

Er hoffe sehr, dass der Radweg bleibt. Diese Meinung teilt er mit den anderen Radfahrern. Mehr Platz, schnelleres Vorankommen - das sind nur einige der Vorteile, die sie aufzählen.

Parkplätze über Nacht weg

Ein paar 100 Meter weiter plagt Friseurin Snejzana dagegen die Angst. Sie ärgert sich, dass sie niemand über das Wegfallen der Parkplätze vorgewarnt hat.

Die neue Situation schrecke Kunden ab. Und das ausgerechnet jetzt in der Corona-Krise, wo jeder Kunde zählt. 

Nicht nur Snejzanas Kunden, auch die Bewohner des kompletten Straßenabschnittes hatten über Nacht plötzlich keine Parkmöglichkeit mehr vor ihrer eigenen Wohnung.

Eine Nachbarin habe Asthma und könne nicht weit zu Fuß gehen, erzählt eine Anrainerin. Ein Pärchen habe seine Wohnung umbauen wollen. Wegen des neuen Radwegs gibt es keinen Platz, um einen Container für den Bauschutt abzustellen.

Zumindest solche Parkplatzprobleme drohen in der Gumpendorfer Straße nicht. Kommt der Pop-up-Gehsteig wird er entlang der Mauer zum Esterházypark verlaufen. Stellflächen für Autos gibt es dort nicht. 

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