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Chronik Österreich
03/03/2021

Zum Impfen 200 Kilometer fahren: Wo es in der Praxis hapert

Corona-Impfungen laufen, doch es gibt Kritik: Betroffene berichten.

von Elisabeth Holzer, Wolfgang Atzenhofer, Matthias Nagl, Marlene Penz

Lauf Gesundheitsministerium sind mit Stand Dienstagmittag rund 670.000 Covid-19-Schutzimpfungen in den elektronischen Impfpass eingetragen, bei der Beschaffungsagentur wurden rund 824.000 Impfdosen abgerufen. Die Corona-Impfaktionen laufen also an, doch auch die Beschwerden reißen nicht ab.

Doppelte Einladung

Vergangenen Samstag erhielt Elisabeth W. eine SMS: Am 24. März erhalte sie die erste Corona-Schutzimpfung.

Erfreulich? Nein, sagt ihr Neffe. Denn die 84-jährige Wienerin sei doch längst geimpft mit beiden Teilimpfungen, und zwar erhielt die Tante die erste Impfung im Jänner, die zweite Anfang Februar.

„Ich finde es fast fahrlässig, einer Person, die bereits geimpft ist, eine weitere Nachricht zu einer neuerlichen Impfung zu senden“, ärgert sich der Wiener. „Gerade bei älteren Personen besteht die Gefahr, dass sie dieser Aufforderung nachkommen.“ Außerdem sollte man mit rarem Impfstoff doch sorgsamer umgehen, merkt er an.

Angemeldet, aber doch kein Termin

Ein 80-jähriger Niederösterreicher meldete sich selbst online zur Impfung an. Oder glaubte dies zumindest: Der Mann sei dann, wie seine Nichte berichtet, zur Ordination seiner Hausärztin gefahren, die die Impfung durchführt. dort habe er 45 Minuten gewartet, nur um zu erfahren, dass er gar nicht auf der Liste stehe die vermeintliche Anmeldung war bloß eine Registrierung.

Ärger mit dem Anmeldesystem

„Ich bin mir vorgekommen wie eine Hackerin“, berichtet Barbara U., die für ihre Mutter, einen Onkel und zwei Tanten alle über 80 Jahre die notwendigen Online-Registrierungen und -anmeldungen in Niederösterreich vornimmt. Zunächst habe sie mit dem System gekämpft, dann um freie Termine. „Jene Oldies, die niemanden haben, die sich um ihre Online-Anmeldung kümmert, sind einfach aufgeschmissen“, ärgert sich U.

Zu große Distanzen

In Waidhofen an der Ybbs im Westen Niederösterreichs impften am Wochenende 17 Ärzte 1.000 Personen aus der Altersgruppe über 80 Jahre. Darunter fanden sich auch Personen, die auch mehr als 200 Kilometer Anfahrtsweg, etwa aus Mistelbach, Baden oder Wiener Neustadt, in Kauf genommen hatten und einen freien Impftermin über das Internet in Waidhofen/Ybbs gebucht hatten. Das mangelnde Angebot freier Impfplätze sorgte in vielen Regionen für Unmut.

Warum ist das so? „Ganz einfach, weil zu wenig Impfstoff vorhanden ist“, bedauert ein Sprecher von Gesundheitslandesrätin Ulrike Königsberger-Ludwig. Insgesamt hatten sich rund 71.000 über 80-Jährige in NÖ für einen Termin registrieren lassen. In den ersten zwei Tranchen konnten für diese Altersgruppe rund 42.000 Termine vergeben werden. Der Impfkoordinator war um eine Aufteilung der vorhandenen Impfstoffe in den einzelnen Bezirken bemüht, doch in den bevölkerungsreichen Regionen rund um Wien waren Termine rascher ausgebucht als in anderen Landesteilen. „Also nutzten viele die Chance, in entfernteren Orten zu buchen“, so der Sprecher.

Noch nicht alle Senioren geimpft

Die Impfungen sind auf Wunsch der Bundesländer in ihre Kompetenz gekommen, sie sind also für die Umsetzung der Impfungen zuständig. Allerdings sind die Geschwindigkeiten höchst unterschiedlich: Während etwa die Steiermark erst am Dienstag mit dem Impfen von über 85-Jährigen, die nicht in Heimen leben, begonnen hat, ist Salzburg voraussichtlich bis 20. März mit dieser Gruppe fertig. In dem Bundesland wird aktuell das Gesundheitspersonal und das Rote Kreuz mit Astra Zeneca geimpft, danach sollen die mobile Pflege und Krankenbetreuung drankommen. Auch in Niederösterreich werden seit Freitag Termine für die unter 65-Jährigen bis Ende März vergeben ( z. B. Gesundheitspersonal, Menschen mit Behinderung und persönlicher Assistenz, 24-Stunden-Pflege). Weil die Termine nicht so stark gefragt waren, können sich seit Montag auch Pädagogen anmelden.

Nicht im Impfplan erwähnt

Nach wie vor kritisieren die Vertreter der Freiwilligen Feuerwehr, dass sie im verbindlichen Impfplan des Bundes nicht erwähnt werden, im Gegensatz etwa zu anderen Blaulichtorganisationen wie der Polizei. Im Gesundheitsministerium relativiert man: Jene Feuerwehrleute, die etwa an Teststraßen Dienst tun, würden prioritär behandelt. Alle übrigen würden wie die breite Bevölkerung in Phase 3 geimpft. Diese soll laut Ministerium „ab dem 2. Quartal 2021“ beginnen.

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