Von Kitsch bis Kunst: Prominente Österreicher schickten uns ihre Urlaubsgrüße

© christine karner

Chronik Österreich
08/16/2020

Promis schicken Urlaubsgrüße: "Wie kitschig ist das denn?"

"Essen reichlich, Wetter schlecht": traditionelle Urlaubsgrüße aus Österreich. Künstler und ihre ganz besonderen Ansichten

von Barbara Mader

"Einfach scheußlich!": Der Befund, den Caroline Peters zum Thema Ansichtskarten trifft, ist harsch. Genauer gesagt, was deren Motive betrifft. Klassische Postkarten mit Urlaubsgrüßen aus dem schönen ... schreibt sie nie. "Wie kitschig ist das denn?", fragt sie sich, wenn ihr die viel zitierte "Postkartenidylle" unterkommt. Dem KURIER hat die viel beschäftigte Schauspielerin, die vor wenigen Wochen als Buhlschaft im Salzburger Jedermann debütierte, dennoch eine Ansichtskarte geschrieben. Und zwar aus dem Postkartenladen, den sie gemeinsam mit ihrem Lebensgefährten betreibt (www.art-postal.com). Denn grundsätzlich liegt ihr viel daran, den alten Brauch des Postkartenschreibens zu retten. Ist doch wesentlich persönlicher als so ein Handyfoto.

Schriftstellerin Valerie Fritsch schickte "Herzliche Urlaubsgrüße aus Graz! Jeden Morgen schwimme ich in der Mur, bis ich jeden Abend am Meer bin. Woanders ist es doch am schönsten. Valerie", Schauspielerin Michou Friesz schwärmte von Sommerfrische mit Gin Tonic in Goldegg, Philosophin Lisz Hirn schickte standesgemäß Philosophisches aus Salzburg: "Spuren von Plätzen, die man einst geliebt hat, finden sich an unerwarteten Stellen ...Namaste!"

"Ich sammle alles"

Sehr persönlich und durchaus ein bisserl kitschig darf’s bei Bernhard Paul sein. Der Roncalli-Zirkus-Direktor sammelt Ansichtskarten aus seinem Heimatort Wilhelmsburg in Niederösterreich. Die Motive sind durchwegs das, was man als "retro" bezeichnen würde. Paul sammelt übrigens nicht nur Ansichtskarten, sondern "alles außer Telefonwertkarten und Überraschungseier".

Ansichtskartennostalgiker findet man heute nur mehr wenige. Nicht einmal mehr bei der österreichischen Post. Wie viele Postkarten in Österreich verschickt werden, ist nicht nachvollziehbar, weil die Postkarte als solche bei der Post seit zwanzig Jahren nicht mehr als eigenes Produkt gilt. Dafür gibt es dort jetzt eine Postkarten-App, mittels derer lieb gewonnene Gruß-Gewohnheiten von gestern mit dem digitalen Heute verbunden werden können: Das mit dem Smartphone geknipste Foto lässt sich mit einem beliebigen Layout verbinden, dazu schreibt man einen Grußtext, die echte Postkarte wird gedruckt und zugestellt. Fast wie früher, auf Wunsch sogar mit Briefmarke und handschriftlichem "Bussi", das man auf dem Handydisplay hinzufügen kann. Schließlich ist die Handschrift einer der schönsten Aspekte des Postkartenschreibens. Laut Post werden jährlich 200.000 solcher Karten digital erstellt, in Urlaubszeiten bis zu 1000 pro Tag.

Jedem Platz seine Karte

Handschrift hin oder her: Heute steht das Bild im Vordergrund. Dabei waren die Anfänge der "Ansichtskarte" frei von jeglicher Ansicht. Die "Correspondenz-Karte", in den 1860er Jahren in Deutschland erfunden, war zu Beginn hauptsächlich Textmedium. Erst im Lauf der Zeit wurden die Bilder dominanter.

Zeit der Nostalgiker

Um die Jahrhundertwende kam die Blütezeit der Ansichtskarte: "Ihre Verfügbarkeit und der weltweite Vertrieb machten die illustrierte Postkarte zum ersten globalen Bildmedium schlechthin", sagt der Historiker Sándor Békési vom Wien Museum. Es war eine Zeit, in der in Europas Städten so gut wie jede größere Straße und jeder Platz seine eigene Postkarte hatte. Es war eine Zeit für Nostalgiker.

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