Ischgl strengt sich für diese Wintersaison mit Sicherheit besonders an:  Den anreisenden Urlaubern werden Corona-Tests angeboten.

© APA/JAKOB GRUBER

Chronik Österreich
09/19/2020

Statt Après-Ski zum Test: Wie Experten die Saison retten wollen

Vom „Safe House“ bis zu Tracing-Apps: Die Tourismusbranche hat Konzepte für den Winter entwickelt.

von Elisabeth Holzer, Christian Willim

„Auf uns wird die ganze Welt schauen, das ist ganz klar.“ Andreas Steibl, Geschäftsführer des Tourismusverbandes Paznaun-Ischgl macht sich keine Illusionen darüber, dass der wachsame Blick von Politik, Behörden und Medien bald wieder fest auf Ischgl gerichtet sein wird. „Aber wir wollen zeigen, dass wir aus dem Erlebten wirklich etwas gelernt haben.“

Im November legt die Wintersaison im Ort los. Nach dem Debakel vor sechs Monaten scheint Ischgl nun aus der Not von damals die Tugend von heute machen zu wollen: „Wir wollen die maximale Sicherheit bieten, für Gäste, Einheimische und Mitarbeiter.“

Drei Monate lang tüftelte das Team an einem Konzept, das über die bisher bekannten Vorgaben des Bundes Maskenpflicht, kein Barbetrieb, Abstandsregeln beim Anstellen hinausgeht: So wird jeder Gast gebeten, doch möglichst mit einem aktuellen, negativen Covid-19-Test einzuchecken oder sich in der eigens eingerichteten Screening-Station testen zu lassen. Steibl denkt an die 15-Minuten-Tests, die von der Wirtschaftsuniversität in Wien bekannt wurden.

Und er denkt neben Sicherheit auch an ein Plus, das nur die Ischgler Winterszene bieten könne: „Das könnte eine Serviceleistung des Gastgebers werden so wie kostenloser Zugang zum Wellnessbereich.“

Teststationen

Bereits im Sommer bot der Verband den Urlaubern Tests in fixen Stationen an, erfolgreich, wie Steibl versichert. „Die Leut’ sind im Bikedress oder in Wanderkleidung dort gestanden, haben sich angestellt und sich testen lassen, so wie man einen Fitnesscheck macht.“

Auch beim Rückverfolgen der Kontakte will sich Ischgl zum Musterschüler mausern. Die Urlauber werden gebeten, die Ischgl-App zu laden und freizuschalten, diese ermöglicht ein elektronisches Contact Tracing: „Das ist ein lückenfreies System“, versichert Steibl, das vom Hotel über das Wirtshaus auch jede Boutique oder Dienstleister erfasst. „Wir als Touristiker müssen versuchen, dem Gast die Eigenverantwortung leichter zu machen. Auf eine Weise, die er dennoch als angenehm empfindet“, begründet Steibl. „Es geht ja auch immer um Sicherheit und Gesundheit.“

Aus dem Grund ist Après-Ski Geschichte, zumindest für heuer. Steibl hofft, dass bald genauere Vorgaben des Bundes kommen, denn „die Wirte, die das sonst betrieben haben, müssen sich ja was Neues überlegen. Sie müssen ja auch bald wissen, was sie tun dürfen.“

Im Tiroler Pitztal standen Après-Ski und Halligalli nie derart im Mittelpunkt wie in Ischgl. Der dortige Tourismus-Chef Gerhard Gstettner setzt viel mehr auf Chill-out, also auf Ruhe nach dem Skifahren, wie auch Georg Bliem, Chef der Planai Hochwurzen Bahnen in der Steiermark. „Es geht um Gemütlichkeit und nicht um Partystimmung“, beschreibt Bliem. „Es wird mehr ums Skifahren gehen, danach ums Zusammensitzen. Die Skihütten werden das so organisieren, dass nur so viele Leite reinkommen, die auch einen Sitzplatz haben.“

Die Bars im Freien bleiben auf der Planai heuer zu, im Gletscherrestaurant wird von Selbstbedienung auf Bedienung umgestellt.

Isoliert

Der Ernstfall ist aber Teil jedes Tourismuskonzeptes positiv getestete Urlauber. Im Pitztal propagiert Gstettner „Safe Houses“ oder „Safe Rooms“, eigens angemietete Unterkünfte für die Betroffenen, in denen sie isoliert und notfalls auch die Quarantäne durchtauchen können, auch aus unterschiedlichen Hotels. Diese Variante könnte sich Georg Bliem auch die Planai vorstellen: „Solche Szenarien muss man andenken.“

Pandemie stutzte die Wintersaison um ein fast Fünftel

Ein Blick auf die Zahlen genügt, um zu sehen, weshalb Touristiker, Hoteliers und Gastronomen bang auf die kommende Saison schauen: Das Winterhalbjahr 2019/20 schloss wegen der Corona-Situation mit einem Minus von 18,1 Prozent bei den Übernachtungen ab. Bei den Ankünften waren es zwischen November 2019 und April 2020 sogar um 22 Prozent weniger als in der Saison zuvor.

Die deutschen Reisewarnungen   zwar vorerst nur für Wien, doch Tirol steht bereits unter Beobachtung  erhöhen die Nervosität. Ein gutes Drittel aller Österreich-Urlauber  kam 2019 aus Deutschland: Rund 56 Millionen Nächtigungen  wurden laut Statistik Austria von deutschen Gästen gebucht, das waren 37,1 Prozent der Gesamtmenge.

Auch in den Wintersaisonen machen die Deutschen die größte Gruppe aus, speziell in Tirol. Das Bundesland ist ohnedies das tourismusintensivste Österreichs: Ein Drittel aller Nächtigungen würden in den vergangenen Jahren dort getätigt  mehr als die Hälfte der Übernachtungen sind dem Winterhalbjahr und damit den Skiurlaubern zuzurechnen.

Hoffnungen setzte der Tourismus auf den Sommer. Doch vorläufige Bilanzen sind düster: So  gab es im Juli 3,9 Millionen Ankünfte    gegenüber 2019 ein Minus von 26,6 Prozent.

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