Für die Testabnahme braucht man medizinisch geschultes Personal.

© Kurier/Juerg Christandl

Wissen Gesundheit
09/16/2020

Hoffnung für Veranstaltungen: Schnelltests für 3.000 Studienanfänger

Austria Center Vienna und Wirtschaftsuniversität führen Pilotprojekt mit Antigen-Test durch.

von Ingrid Teufl, Jürg Christandl

Im 20-Sekunden-Intervall hallt der Gong laut und unüberhörbar über den überdachten Vorplatz des Austria Center Vienna (ACV), und jedes Mal geht ein junger Mensch einen Schritt weiter zur nächsten Bodenmarkierung: Rund 3.000 Erstsemestrige erhalten am Mittwoch in zwei Vorlesungen nicht nur eine „Einführung in die BWL“ –, sondern sozusagen gleich eine Einführung

in die Abwicklung groß angelegter Massentests in Zeiten von Covid-19 mit dazu. Dass die traditionelle Start-Vorlesung an der Wirtschaftsuniversität (WU) für sie heuer anders abläuft, nehmen Michael, Thomas und Malvin gelassen: „Es ist gut, dass getestet wird.“

Verwendet werden neue Antigen-Schnelltests des deutschen Herstellers nal von minden, die kürzlich die CE-Zertifizierung in der EU erhalten haben. „Mit dem günstigen Test (derzeit 14,90 Euro, Anm.) kann man aktiv Erkrankte schnell herausfiltern“, sagt Thomas Lachmann vom österreichischen Vertrieb. Er betont die Genauigkeit des Tests.

Medizinisches Personal

Vor dem Austria Center Vienna führen Mitarbeiter des Arbeiter-Samariterbunds den Test durch. „Man braucht medizinisch Erfahrene für die richtige Abnahme“, sagt Lachmann. Daher sieht er sie etwa für Großveranstaltungen oder in Arztpraxen, nicht aber für den privaten Gebrauch. Der ASBÖ arbeitet vor dem ACV in voller Schutzmontur: Am Beginn von jeder der elf Test-Straßen wird den Jung-Studenten ein Abstrich aus dem Rachen genommen. Dann erhalten die zu Testenden ein nummeriertes Röhrchen mit einer Lösung in die Hand, in der sie – während sie sich vom Gong begleitet schrittweise weiterbewegen – das Stäbchen bewegen sollen.

„Mindestens 15 Mal“, lautet die Anweisung der medizinisch geschulten ASBÖ-Mitarbeiter, die die Tests durchführen. Bei der nächsten Station werden zwei Tropfen der Lösung auf eine kleine Testkassette mit Markierungen getropft. Nach wenigen Minuten – mittlerweile leitet der Gong zur dritten Station weiter – erscheint ein Balken und weist den Betreffenden als positiv oder negativ aus. Wer negativ ist, darf das Gebäude betreten, der Test wird mehrmals kontrolliert. „Ist der Test positiv, wird ein PCR-Test durchgeführt“, erklärt ASBÖ-Geschäftsführer Wolfgang Dihanits. Am Ende wurden drei positive Fälle herausgefiltert.

Im großen ACV-Saal müssen immer zwei Plätze frei bleiben. Das ACV hatte sich in Kooperation mit der WU zu einem Pilotprojekt mit dem Antigen-Schnelltest entschlossen. WU-Rektorin Edeltraud Hanappi-Egger sieht Synergien. „Wir wollten gerade den Studienanfängern eine Kick-off-Veranstaltung bieten und sind auch an der Infektionsrate der Studenten interessiert.“ Für ACV-Direktorin Susanne Baumann-Söllner ist die schnelle Testung aller Teilnehmer zudem ein Zukunftsmodell für Kongresse.

Wie sie funktionieren
Antigen-Tests weisen Oberflächen-Eiweiße des Coronavirus nach, die PCR-Tests hingegen Virus-Erbgut.   Sie können lokal  ausgewertet werden. Ein Testergebnis liegt nach ca. 15 Minuten vor. Wahrscheinlich können sie Hochinfektiöse sehr gut herausfinden, sind aber nicht so zuverlässig wie PCR-Tests.

Warum sie überprüft werden müssen
Solche Tests benötigen keine Zulassung durch eine Behörde: „Die behördliche Freigabe von Medizinprodukten (z. B. In-Vitro-Diagnostika) als Voraussetzung für die Markteinführung ist in Europa rechtlich nicht vorgesehen“, heißt es bei der AGES.  Mit dieser CE-Kennzeichnung bescheinigt der Hersteller lediglich, dass sein Produkt mit allen europäischen Rechtsvorschriften übereinstimmt. Deshalb führen z. B.  die AGES, Krankenhäuser oder Labore, die solche Tests einsetzen wollen, derzeit eigene Überprüfungen der Angaben der Hersteller zur Genauigkeit der Tests durch.

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