Chronik | Österreich
03.04.2018

Sieben rittern um die Olympischen Spiele

Graz hat für Olympia 2026 allein drei Konkurrenten aus Europa, dazu kommen Türkei, Kanada und Japan

Am Karsamstag war Nennschluss. Bis zum 31. März musste der „Letter of Intent“ die Absichtserklärung, beim Internationalen Olympische Komitee (IOC) angekommen sein, um für Olympia 2026 in Frage zu kommen. Sieben Städte oder Regionen gehen in das Rennen, bestätigte das IOC Dienstagnachmittag: Calgary (Kanada), Sapporo (Japan), Erzurum (Türkei), Turin/Mailand (Italien), Stockholm (Schweden), Sion (Schweiz) und Graz/Schladming.

Die eigentlich steirische Absichtserklärung läuft offiziell unter „Austria 2026“, doch die drei europäischen Bewerber machen die Lage nicht leichter. In Europa könnte sich besonders Turin/Mailand als starker Gegner erweisen, Turin hat bereits Olympia-Erfahrung (2006). Das gilt in Übersee auch für das kanadische Calgary, das 1988 Spiele austrug.

Champions League

Doch der Grazer Bürgermeister Siegfried Nagl, ÖVP, bleibt auch angesichts der übrigen Interessenten so betont zuversichtlich wie an dem Tag, an dem er mit dem Schladminger Bürgermeistermeister Jürgen Winter die Idee präsentierte. „Wir fürchten uns vor keinem, wir achten aber alle. Wir spielen damit mehr als in der Champions League mit.“

Die Chance für Graz, das als Gastgeberstadt fungieren würde, sähe er nicht geschmälert. „Stockholm war zu erwarten und ist super, aber da ist der nächste Berg Hunderte Kilometer weg. Sion hat Volksbefragungen, Asien war schon drei Mal dran“, versucht Nagl die Konkurrenz zu zerpflücken. „Unsere Chancen sind gut.“

Allerdings ist die Euphorie innerhalb der steirischen Politik enden wollend. Landeshauptmann Hermann Schützenhöfer, Nagls Parteifreund, schickte mit seinem SPÖ-Vize Michael Schickhofer nur eine vage Stellungnahme an das Österreichische Olympische Komitee (ÖOC). Doch Unterstützung der Landesregierung war Bedingung von ÖOC-Präsident Karl Stoss, Graz-Schladming überhaupt vorzuschlagen.

Nur eine Vision

Der entsprechende Brief der schwarz-roten Landeskoalition blieb allerdings mager. „Die Faktenlage ist noch dünn“, heißt es in dem Schreiben vom 23. März. „Es gibt eine Menge Fragen und kaum Antworten. Im Moment sprechen wir von einer Vision.“ Die Landesregierung bekenne sich aber „vorbehaltlich positiver Ergebnisse einer Machbarkeitsstudie zur Idee der Bewerbung von Graz als Host City für Olympische Winterspiele“.

Skepsis, die der Grazer Bürgermeister „versteht“, wie Siegfried Nagl versichert. „Aber die wirkliche Entscheidung fällt erst im Herbst. Ich freue mich über die Unterstützung des Landes.“ Im September gibt das IOC bekannt, welcher der sieben Städte beziehungsweise Regionen es in die nächste Runde schafft und zum offiziellen Kandidaten für 2026 aufsteigt. Bis dahin haben Graz und Schladming Zeit, Werbung zu machen und die Vorzüge ihrer Bewerbung anzupreisen.