Etwa ein Fünftel der Schüler wird aktuell an den Volksschulen betreut.

© Volksschule Quellenstraße

Chronik Österreich
01/12/2021

Präsenzunterricht dürfte erst nach den Semesterferien starten

Die Rückkehr zur Normalität an den Schulen führt über Schnelltests. Zurzeit sitzen 14,2 Prozent der Kinder in den Klassen.

von Christian Böhmer, Bernhard Ichner, Michael Pekovics, Elisabeth Holzer, Wolfgang Atzenhofer, Petra Stacher, Matthias Nagl, Christian Willim

Eigentlich hätte es am Montag soweit sein sollen. Für den 18. Jänner war geplant, dass die Schulen in den Präsenzbetrieb wechseln. Allein: Daraus wird nun ziemlich sicher doch nichts.

Am Dienstag sickerte aus Regierungskreisen durch, dass die Öffnung der Schulen frühestens mit Anfang Februar passieren soll. Denn unter dem Eindruck der höchst ansteckenden „B.1.1.7“-Mutation müssen ÖVP und Grüne ihre Strategie adaptieren. Inklusive sichere Schulöffnung.

Am Dienstag zeichnete sich ab, dass Bildungsminister Heinz Faßmann heute, Mittwoch, oder spätestens am Donnerstag einen Plan präsentieren wird, wie der Schulalltag wieder ein Stück in Richtung Normalität rückt.

Rückkehr in den Schichtbetrieb?

Eine Option ist, dass die Schüler in den Pflichtschulen ab Anfang Februar in Gruppen oder in einem Schichtmodell unterrichtet werden.

Als wesentliches Hilfsmittel gelten dabei die neuen Schnelltests, die keinen Abstrich im hinteren Nasenrachen benötigen. „Wir haben ein extrem aktives Virus auf der einen Seite, und auf der anderen sehr einfache Schnelltests und die wirksamen FFP2-Masken. In dieser Gemengelage und mit diesen Mitteln versuchen wir, an den Schulen einen halbwegs normalen Betrieb zu ermöglichen“, sagt ein Regierungsstratege.

Irritiert hat dabei die Ankündigung des Ministers, wonach die neuen Schnelltests nur freiwillig von den Schülern gemacht werden sollen. Unter dieser Voraussetzung, ist aus Regierungskreisen zu hören, sei eine volle Öffnung der Schulen schwer bis gar nicht denkbar.

14,2 Prozent in Schulen

Bleibt die Frage, wie viele Schüler im aktuellen Lockdown in den Klassen sitzen.

Laut Ministerium werden diese Woche bundesweit 14,2 Prozent der Kinder in Volks- und Mittelschulen sowie in AHS-Unterstufen betreut (Details siehe unten). Also annähernd gleich viel wie im zweiten Lockdown, aber wesentlich mehr als beim ersten zu Beginn des Vorjahrs. Ein Stadt-Land-Gefälle nehme man nicht wahr.

Exakt sind die Zahlen allerdings nicht. Die Schulen kommunizieren dem Bund bloß, wie viele Kinder pro Tag anwesend waren – aber nicht, ob es sich jeweils um dieselben Schüler handelte. (Theoretisch wäre es also möglich, dass in einer Klasse mit 25 Schülern im Laufe einer Woche jedes Kind betreut wird, wenn jeden Tag fünf andere Kinder in die Schule kommen - dem Ministerium würden aber trotzdem nur "fünf anwesende Schüler" gemeldet, bestätigt ein Wiener Schuldirektor. In der Praxis würden sich die Schüler aber kaum abwechseln.)

Unmut bei Familien und Lehrern

Eine Tendenz lässt sich dennoch ablesen. Und wenn die Zahlen in den Bundesländern auch variieren – gleich ist überall, dass die Betreuungsquote in den Volksschulen am höchsten ist. Sie reicht von 19,2 Prozent im Burgenland bis zu 26,8 Prozent in Salzburg. In Wien liegt sie bei 21,5 Prozent. Bundesweit wird der Anteil auf 21,8 Prozent geschätzt.

Gleich ist auch überall, dass die AHS-Unterstufen, die geringste Betreuungsquoten aufweisen. Generell gilt: Je älter die Schüler sind, desto eher nehmen sie Homeschooling in Anspruch. An den Schulen rechnet man damit, dass die Zahl der betreuten Schüler weiter steigt, je länger der Lockdown dauert. Denn immer mehr Eltern haben vom Home-Schooling die Nase voll.

Auch die Geduld der Lehrer ist vielerorts am Ende. „Wir bekommen null Information und erfahren erst aus den Medien, wie es weitergeht. Das stößt vielen sauer auf“, kritisiert etwa Horst Pintarich, Direktor der Volksschule Bernhardtstalgasse in Wien-Favoriten, die Kommunikation des Ministeriums.

Betreute Kinder

Wie viele Kinder diese Woche tatsächlich in Schulen betreut wurden, steht zwar erst am Freitag fest. Das Ministerium gab vorab aber Richtwerte bekannt. Dabei handelt es sich um die Planungszahlen, mit denen Volks- und Mittelschulen sowie AHS-Unterstufen rechneten.

Demnach werden in Wien 13,7 Prozent der  Kinder in der Schule betreut (an Volksschulen ist der Anteil mit 21,5 Prozent wie überall in Österreich am höchsten, dahinter folgen NMS mit 8 und AHS-Unterstufen mit 3,3 Prozent). In Niederösterreich sind es insgesamt 10,4 Prozent (VS: 16,2%, MS: 5,7%, AHS: 1,7%), im Burgenland 11,2 Prozent (VS: 19,2%, MS: 4,1%, AHS: 1,2%), in Oberösterreich 16,3 Prozent (VS: 24,2%, MS: 9,9%, AHS: 1,8%), in der Steiermark 13,5 Prozent (VS: 20,8%, MS: 7,9%, AHS: 2,9%), in Salzburg 17,4 Prozent (VS: 26,8%, MS: 10,1%, AHS: 2,1%), in Kärnten 16,3 Prozent (VS: 24,1%, MS: 11,1%, AHS: 3,3%) und in Vorarlberg 15,5 Prozent (VS: 22,3%, MS: 10,3%, AHS: 2,4%).

In Tirol rechnete man diese Woche quer durch die Schulstufen mit 16,8 Prozent Betreuungsanteil (VS: 26,2%, MS: 8,6%, AHS: 2,5%). Die Tiroler Bildungsdirektion spricht auf KURIER-Anfrage allerdings von insgesant 24 Prozent.

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