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Chronik Österreich
10/18/2020

Polizei: Eine Frau für die ganz schwierigen Einsätze

Das Ehepaar Zauner: Sie steht vor großem Karrieresprung, er sorgt als Filmpolizist für Furore

von Dominik Schreiber, Kid Möchel

Frauen sind in Spitzenfunktionen bei der Polizei immer noch eine Rarität. Umso bemerkenswerter ist es, dass nun mit Frau Oberst Xenia Zauner eine Frau vor einem großen Karrieresprung steht. Denn die Wiener Polizei sucht einen neuen Chef-Einsatzplaner: Er oder eben sie ist zuständig für „Situationen mit besonderem Gefahrenpotenzial“.

Das bedeutet also, dass besonders schwierige Einsätze koordiniert werden müssen. Und formell ist dann nur mehr der Polizeipräsident ihr Vorgesetzter.

Vier Männer bewarben sich und – laut KURIER-Informationen – wurde Zauner diese Woche von der unabhängigen Bewertungskommission bestgereiht. Wiens Polizeipräsident Gerhard Pürstl hat allerdings noch das letzte Wort. Große Überraschung wäre es jedenfalls keine, heißt es im Kollegenkreis. Zauner hat einen guten Ruf innerhalb der Polizei und ist allerorts hoch angesehen, berichten Personen aus ihrem Umfeld.

Das Engagement der Frau Oberst geht ohnehin weit über das übliche Maß hinaus, so ist sie nicht nur Vizepräsidentin des Offiziersclubs der Exekutive, sondern auch Vizepräsidentin des Weißen Rings. Dieser hilft Verbrechensopfern.

Berüchtigtes Wachzimmer

Zauner kennt die Polizei jedenfalls von der Basis weg, eine ihrer ersten Stationen war das berüchtigte Wachzimmer am Karlsplatz, damals der Haupt-Treffpunkt der Wiener Drogenszene. Auch in der legendären Außenstelle West des Landeskriminalamts war sie im Einsatz, spezialisiert auf Sexualdelikte.

Berufsbegleitend machte sie den Bachelor (polizeiliche Führung) und den Master (strategisches Sicherheitsmanagement). Zuletzt ist sie als Einsatzleiterin bei der Akademikerball-Demo oder bei Fußballspielen dabei gewesen.

Parallel zu ihr machte auch ihr Ehemann Martin Karriere bei der Polizei, allerdings nur bei jener in Film und Fernsehen. Das Josefstadt-Ensemble-Mitglied hatte bereits 2000 und 2001 Rollen in Tatort, Kommissar Rex und SOKO Kitzbühel. Bekannt wurde Zauner einem breiteren Publikum aber vor allem durch seinen Einsatz als Chefinspektor Wilmer Eberts bei den CopStories.

Genau dort lernte er auch seine nunmehrige Frau kennen, wie er in einem OÖN-Interview erzählte: „Wir hatten drei, vier Trainingseinheiten bei der Polizei: Handschellen anlegen, Verhaften üben und so weiter. Als Höhepunkt mussten wir in einem Trainingsraum eine Geiselnahme simulieren: Ich hab zwei Geiseln irrtümlich sofort erschossen und wurde am Schluss auch selbst getroffen. Damals hab ich eine Polizistin kennengelernt, die mir mit Rat und Tat zur Seite gestanden ist. Das hat sich ein bissl verdichtet und heute ist sie meine Frau.“

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Etwa jeder fünfte Polizist ist eine Frau

6331 der insgesamt rund 31.340 Polizisten in Österreich sind Frauen. Das sind knappe 20  Prozent. Je weiter es in der Rangordnung nach oben geht, desto mehr sinkt der Frauenanteil. Bei den Kommandanten sind es beispielsweise nur 12 Prozent.

Im Offiziersrang wird die Luft noch einmal dünner, gerade einmal 30 von 500 sind weiblich.

Mit Michaela Kardeis war zumindest bis 2019 zwei Jahre lang eine Frau der formal höchste Polizist des Landes - sie hatte die Funktion der Generaldirektorin für die öffentliche Sicherheit. Mit Michaela Kohlweiß ist außerdem eine Frau Landespolizeidirektorin in Kärnten, in allen acht anderen Bundesländern sind es Männer.

Die wohl wichtigste Frau im Polizeidienst hieß allerdings Franziska Wessely. Sie trat als allererste am 1. Juli 1909 bei der Wiener Polizei ihren Dienst an, als Polizeiassistentin für Jugendfragen. Nach und nach wurden Frauen vor allem im Bereiche der polizeilichen Fürsorge für Kinder und Problemfälle aufgenommen. In der Nazizeit wurde daraus erstmals eine „weibliche Kriminalpolizei“    gemacht, die Aufgaben  blieben aber dieselben.

Erst zu Beginn der Fünfzigerjahre gab es echte Kriminalbeamtinnen. Doch selbst 20 Jahre später gab es nur rund 33 sogenannte wKrb. Der uniformierten Truppe  konnten sie erst ab 1967 beitreten, doch durften Frauen vorerst nur den ruhenden Verkehr überwachen. Erst seit den 90er-Jahren sind Frauen bei der Exekutive tatsächlich den Männern gleichgestellt.

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