Ohne Abstand in der Disco abtanzen: Für viele ein Bild aus einer anderen, besseren Zeit.

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Chronik Österreich
07/28/2020

Party in Corona-Zeiten: Der Wunsch nach Exzess

St. Wolfgang zeigt das Dilemma auf. Das Feiern lässt sich nicht verhindern. Clubs würden mehr Sicherheit bieten, sagt die Szene.

von Christian Willim, Marco Weise

Die Behörden haben den Infektionsherd am Wolfgangsee „Freizeitcluster“ getauft. Denn sie gehen davon aus, dass Tourismus-Praktikanten sich beim Feiern nach Dienstschluss gegenseitig mit dem Coronavirus angesteckt haben – sei es in Nachtlokalen oder in ihren Quartieren. Die Jugendlichen stellen den Großteil der entdeckten Covid-19-Fälle.

Verantwortungslos: So lautet das Urteil in vielen Kommentaren. Aber ist es das wirklich?

Letztlich bleibt es eine – wenn auch nahe liegende – Vermutung, wo die Übertragung stattgefunden hat. Und wenn es in einer Bar passiert ist, so haben sich die Jugendlichen dort zunächst einmal als Gäste wie andere auch eingefunden.

Symptome gemeldet

Dass der Cluster überhaupt entdeckt wurde, ist zudem einer Praktikantin zu verdanken, die über ihre Symptome informiert hat und positiv getestet wurde.

Die Jugendlichen in St. Wolfgang stehen vor einem Dilemma, dass Altersgenossen und auch Ältere in ganz Österreich – vom Donaukanal bis an den Bodensee – umtreibt: Wo und in welcher Form kann man in Coronazeiten überhaupt noch gemeinsam feiern?

„Den Wunsch nach Exzess wird man nicht verhindern können“, sagt Chris Koubek vom Kulturzentrum p.m.k in der Innsbrucker Bogenmeile, das Bands eine Bühne gibt, aber auch elektronischer Musik: „Alles, was Richtung Club geht, haben wir aus dem Programm genommen“, sagt der Tiroler. Das ist den Corona-Auflagen geschuldet, die Nähe bei Veranstaltungen reduzieren sollen. Und der Sperrstunde um ein Uhr, die in der Clubszene bestenfalls den Startpunkt markiert.

Hungrig nach gemeinsamem Feiern, verlagert sich das Geschehen in Städten in ganz Österreich schon seit Wochen auf illegale Partys. Nicht nur Koubek ist der Meinung: „Bei entsprechenden Vorsichtsmaßnahmen wäre das Risiko in einem Club kleiner.“

Versuch starten

Das Problem: Viele Musikclubs haben aufgrund Ein-Uhr-Sperrstunde gar nicht erst geöffnet, da ein Betrieb zwischen 22 und 1 Uhr früh nicht rentabel ist. Denn die Orte der kurzfristigen Hedonismuspflege sucht die Mehrheit eben erst nach Mitternacht auf. Wer einmal jung war, weiß das.

Deshalb forderten am Dienstag bei einer Pressekonferenz im Wiener Fluc Clubbetreiber und Veranstalter von Konzerten und Partys erneut eine hundertprozentige Übernahme der Fixkosten (bisher 75 Prozent) und einen Fahrplan für den nahenden Herbst und Winter.

Die vor einigen Wochen in Aussicht gestellte Lockerung für die Nachtgastronomie und eine Verlängerung der Sperrstunde bis 4 Uhr ab 1. August wurde verschoben, obwohl genügend Ideen und Vorschläge für ein langsames Hochfahren vorliegen würden. Erwähnt wurde etwa ein von der Szene erarbeitetes Präventionskonzept, das der Wiener Club Grelle Forelle zusammen mit einem seiner Hauptveranstalter, Gerald Wenschitz, vorgelegt hat.

Seither habe man nichts mehr vonseiten der Politik, den Entscheidungsträgern gehört. Dabei stehe man vor einem Massensterben der Clubs: „Es braucht eine schrittweise Öffnung, man muss experimentieren, Versuche starten“, fordert Stefan Stürzer, Betreiber der Wiener Kunst-und Kulturinitiative Das Werk.

In Südtirol wurden indes am Dienstag die Auflagen für Discos und Tanzlokale gelockert.

 

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