© Nina Oezelt

Chronik Österreich
05/19/2021

Österreich ist zurück im Wirtshaus und am Würstelstand: Der große Andrang fehlt

Nach Kaffee, Party und Cocktails zum Start des Öffnungstages steht nun erstmals wieder das klassische Mittagsgeschäft auf dem Programm. Der KURIER berichtet live.

von Kevin Kada, Teresa Sturm, Nina Oezelt, Stefan Jedlicka, Paul Haider

197 Tage hatte die Gastronomie für Gäste geschlossen. Einzig Take-away war erlaubt und bei Würstelstand und Co. durften die Kunden ihre Käsekrainer nicht direkt an der Budl verspeisen. All das hat nun ein Ende, nach der Kaffeehaus-Kultur am Morgen kommt nun auch die Würstelstand-Romantik zurück.

Drei Herren trinken das erste Bier im Hohenbergstüberl auf der Höhe der Gloriette in Meidling, neben dem Würstelstand "Zum Imperator". Der Würstelstand hat zwar noch zu, aber die Herren sind bereits in Pension und sagen "Prost". Das Zusammensein habe ihnen sehr gefehlt, sagen sie.

Szenenwechsel: Inge war früher Köchin, Ulf war Schlosser. Sie sind auch im Lockdown jeden Tag bei "Wiens ältestem Würstelstand" zu Besuch gewesen. Der Unterschied sei, dass man jetzt wieder näher "an Würstelstandler Peter Esterwitsch dran sein darf". 

Man spricht über Corona, das Wetter und auch über die heimische Politik. Heute war etwa Inge impfen. Das wird jetzt mit einem Bier gefeiert. Der Würstelstand ist noch immer ein Highlight und ein wichtiger Dreh- und Angelpunkt im Leben der beiden Wiener. Sie sind hier in Döbling aufgewachsen. Auch Hund Lady ist mit dabei.

Ulf (li.) und Inge sind Stammgäste bei Leos Würstelstand

Peter Esterwitsch

Peter Esterwitsch

Münchner in Wien:  Manuel Klein und sein Kollege Andreas sind beruflich in Wien. Sie konnten erstmals einen Käsekrainer am Würstelstand genießen.

Endlich darf man nämlich wieder nahe am Standl stehen. Hier war gestern noch ein Absperrband angebracht.

Andrew aus Australien isst am Würstelstand Leo ein Laugenstangerl mit Bratwurst im Speckkraut. Er hat gerade Mittagspause. Normalerweise forscht er im Bereich der Evolutionsgenetik im Bio-Zentrum der Universität Wien. Seit fünf Jahren ist er bereits in Wien. "Ich liebe Leos Würstelstand und schon an meinem ersten Tag in Wien war ich hier. Jetzt ist das Absperrband weg, ich liebe es."

Kühl ist in der Stadt Krems in Niederösterreich leider nicht nur das Bier, sondern auch die Temperaturen. Das tut der Stimmung am Öffnungstag aber keinen Abbruch. Eine Männergruppe, die seit Kindesbeinen an miteinander befreundet ist, hat bereits vor Wochen reserviert.

Ob sie sonst oft im Hofbräu am Steinertor sind? "Na, na wir kommen nur ganz selten her. Nur zwei bis dreimal am Tag", sagt einer der Männer und alle brechen in Gelächter aus.

Es ist wohl nicht das erste Bier. Der Mittagsteller wird vielleicht Abhilfe schaffen: Es gibt Grillhendl.

Im asiatischen Restaurant Oishii von Jinhua Zhu im Wiener Neustädter Fischapark, das vor dem Lockdown täglich regelrecht von Gästen gestürmt wurde (es gab oft Warteschlangen am Eingang), ist am Mittwoch überraschend wenig los. "Die Leute haben während des Lockdowns viel 'to go' bestellt und das ist auch heute so", sagt er.

Hinsetzen wollen sich aber nur wenige. "Ich hoffe, dass sich das wieder ändert, aber Bestellungen zum Mitnehmen haben wir auch heute sehr viele."

Mittagessen am Ufer des Neusiedlersees

Das Wetter mag sich dem freudigen Anlass nicht so ganz anpassen. In Neusiedl am See im Burgenland ist es bewölkt und windig bei 17 Grad. Im Außenbereich der Mole West sind nur ein paar Tische besetzt. Das hat auch Vorteile: Mario und Alice sind spontan zum Mittagessen in die Mole West gekommen.

Reservierung haben sie keine gebraucht - nur einen gültigen Coronatest. "Wir haben uns gedacht, den ersten Tag muss man gleich ausnutzen. Das Wetter sind wir gewöhnt, das ist nicht so dramatisch", schmunzelt Mario mit dem ersten Gastro-Seidel seit Monaten in der Hand.

Wirt Alfred Simon konnte zur Öffnung keinen großen Ansturm in seinem Gasthaus in Unterschützen bedienen. „Heute waren hauptsächlich meine Stammgäste hier, die geimpft sind, aber sonst gab es keine Gäste“, sagt der Gastronom.

Auch nach dem vergangenen Lockdown habe es länger gedauert, bis die Gäste wieder essen gekommen sind.

Heute wurden nur Menüs ausgeliefert oder abgeholt. Mit der Kontaktdaten Erhebung und dem bürokratischen Aufwand ist Simon nicht zufrieden. Er rechnet damit, dass in den nächsten Tagen wieder mehr los sein wird, „bis die Leute Gasthäuser wieder am Schirm haben. Das Bier ist jedenfalls schon angezapft, zwei Krügerl hab ich schon verkauft“, ist Simon froh.

Seit 15 Uhr ist Simon mit Kellnerin Kiara allein im Gasthaus.

Dieser Artikel wird laufend aktualisiert.

Der Öffnungstag startete mit Party, Gourmetmenü und Käsekrainer:

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