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Chronik Österreich
10/08/2019

Mysteriöse Bruchlandung eines Prominenten

Ehemals hochrangiger Medienmann landete in Feld – was davor und danach passierte, wirft viele Fragen auf.

von Dominik Schreiber, Kid Möchel, Michael Pekovics, Claudia Koglbauer-Schöll

Am 27. September landet die sechssitzige Maschine eines einst ranghohen Medienmannes ohne Fahrwerk auf einer Wiese in der Nähe von Pamhagen im Burgenland. Es entsteht Sachschaden in noch unbekannter Höhe, der Pilot bleibt unverletzt. Bereits am Dienstag nach dem Unfall wird die Untersuchung durch das Verkehrsministerium gestoppt.

Doch das ist nicht das einzig mysteriöse an der Bruchlandung der Piper-Maschine. Dem KURIER wurde eine De-facto-Anzeige an die Flugsicherung Austro-Control zugespielt, in der schwere Vorwürfe gegen den Piloten erhoben werden (siehe Faksimile). Der Medienmann selbst weist dies allerdings zurück und spricht von „Fehlinformationen“.

„Letzte Chance“

In der „freiwilligen Meldung“ ist jedenfalls die Rede davon, dass der Pilot vor dem Abflug im ungarischen Fertoszentmiklós (absichtlich?) gar nicht getankt haben soll. Zuvor soll der Pilot außerdem den ungarischen Verfasser der Meldung gefragt haben, ob er seine Piper kaufen wolle – das sei die „letzte Chance“, habe er ihm beschieden. Die Meldung habe er bei der Austro Control gemacht, weil er gehört habe, dass der Pilot ohne Sprit gelandet sei.

Dieses Gerücht erreichte den KURIER vergangene Woche ebenfalls aus Luftfahrtkreisen, eine Bestätigung dafür gab es allerdings nie.

„Sie sitzen einer völlig falschen Information auf“, sagt der bekannte Pilot zum KURIER. „Ich bin ja kein Anfänger und kein Selbstmörder, dass ich mit leerem Tank wegfliege. Die Maschine war aufgetankt.“ Er betont, dass er mehr als 40 Jahre Flugerfahrung habe und unter anderem von Alaska bis Buenos Aires und über den Atlantik geflogen sei.

Allerdings hat der Pilot vor drei Jahren bereits eine Bruchlandung in Florida hingelegt. Damals ging der Motor eines Propellers in Flammen auf. Im aktuellen Fall habe der Pilot einen Leistungsabfall beider Triebwerke angegeben, heißt es bei der Polizei. Deshalb habe er sich entschlossen zurückzufliegen – und musste dann auf der Hufweide landen.

Eine halbe Stunde nach der Notlandung sei der erste Beamte der Flugunfall-Kommission vor Ort gewesen, sagt der Pilot: „Er hat in die Tanks geschaut und den Hauptschalter eingeschaltet, um die Tankanzeige zu sehen. Da waren mehrere Hundert Liter im Tank. Ich hatte für mehrere Stunden Treibstoff.“ Ob die Feuerwehr tatsächlich so eine große Menge Sprit abgepumpt hat, ist vorerst aber noch unklar.

Pilot: „Hatte Reserven“

Die Kontrolle der Tanks gehöre laut dem Medienmanager zum professionellen Prozedere vor dem Abflug. Es müsse nicht nur ausreichend Treibstoff vorhanden sein, man muss auch über Treibstoff-Reserven verfügen. Und der Pilot fügt hinzu, dass eine solche Notlandung alles andere als lustig sei. „Ich bin glücklich, dass sie gut verlaufen ist“, sagt der Pilot.

Fest steht, dass der Pilot die Maschine - bislang vergeblich - verkaufen wollte. „Das wusste hier am Flugplatz jeder“, sagt ein Mitarbeiter des Airports Fertoszentmiklós. Auch im Internet finden sich zwei Verkaufsanzeigen. Darin ist außerdem zu lesen, dass im Oktober offenbar eine „Jahresnachprüfung“ fällig gewesen, das entspricht der „Pickerl“-Überprüfung bei Autos.

Die Maschine, deren Wert rund 100.000 Euro betragen dürfte, war jedenfalls versichert. Der Medienmanager war gestern, Montag, in der zuständigen Untersuchungsstelle des Verkehrsministeriums (SUB). Dort sei ihm mitgeteilt worden, dass „kontaminierter Treibstoff“ die Ursache für die Bruchlandung sei. Wie dieser anscheinend verschmutzte Sprit in den Tank kam und wer dafür verantwortlich ist, bleibt unklar. Untersucht wird das von der Untersuchungsstelle nun nicht mehr.

Verkehrsministerium kennt Anzeige nicht

Das Verkehrsministerium erklärte, dass bei Flugzeugen unter 2250 Kilo keine Untersuchungspflicht bestehe (was allerdings nur insofern richtig ist, wenn es keine Erkenntnisse für die Flugsicherheit gibt, Anm.). Die Anzeige bei der Austro-Control (ACG) sei der Untersuchungsstelle unbekannt.

Die ACG wiederum ließ eine Anfrage dazu bisher unbeantwortet. Die betroffene Versicherung will aufgrund des Datenschutzes keine Stellungnahme abgeben.