Supermarktbesuch auf Regierungsgeheiß nur mehr mit Schutzmaske

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Chronik Österreich
03/31/2020

Maskenpflicht: Was Sie über das Einkaufen mit Mundschutz wissen sollten

Die Pflicht startet noch nicht am Mittwoch. Vorerst ist unklar, wann ausreichend Schutzmasken zur Verfügung stehen.

von Dominik Schreiber, Kid Möchel, Ernst Mauritz

Das Tragen von Schutzmasken in Österreich wird „spätestens ab 6. April“ verpflichtend sein., den genauen Tag legen die Bundesländer fest. Laut KURIER-Informationen sind dann auch Strafen bei Missachtung geplant. Kontrollieren soll dies voraussichtlich die Polizei.

Noch sind viele Fragen offen, doch manche können schon beantwortet werden:

Wo muss man die Masken tragen?

Vorerst gilt dies nur in Supermärkten und Drogerien, die größer als 400 Quadratmeter sind, später soll es auch für weitere Geschäfte und öffentliche Verkehrsmittel verpflichtend kommen.

Woher sollen all diese Masken kommen?

Der Handelsverband hat ein Dutzend Lieferanten veröffentlicht, die derzeit liefern. Aktuell kann dies von ein paar Tagen bis sieben Wochen dauern. Die Halleiner Firma CSE Clean Solution etwa kann große Mengen an Schutzmasken aus China organisieren. „ Wir haben Spar mit 500.000 Masken beliefert und auch andere“ sagt Firmenchef Frank Schreier zum KURIER. „Wir können größere Kapazitäten abwickeln, die Problematik auf dem Weltmarkt ist aber die Logistik, nämlich in die Flugzeuge entsprechende Ladungen zu bekommen.“ Derzeit bestellt CSE im Durchschnitt 200.000 bis 500.000 Masken pro Lieferung.

Und bei der St. Pöltner Firma Cleansec Services heißt es: „Wir können zwei Millionen bis drei Millionen Masken innerhalb von 14 Tagen auftreiben.“ Eine MNS-Maske kostet rund ein Euro.

Wie soll die Verteilung funktionieren? Und wer muss dafür zahlen?

In einem ersten Schritt müssen die Händler selbst die Kosten für die Schutzmasken übernehmen und sie müssen diese gratis an die Kunden am Eingang der Supermärkte ausgeben. Die Händler brauchen dazu zusätzliches Personal, um diese Masken am Eingang verteilen zu können. Das ist laut Handelsverband mit hohen Kosten verbunden, weshalb man eine Entschädigung der Regierung erwartet. Personen mit Corona-Symptomen kann der Zutritt in die Supermärkte untersagt werden.

Was passiert, wenn ich mich nicht an die Maskenpflicht halte?

Dann dürfte es Strafen geben, noch ist aber überhaupt unklar, was genau als Maske gilt. Manche schneidern sie sich derzeit selbst, möglicherweise könnte auch schon ein Schal reichen.

Warum rät die WHO davon ab, Mundschutz zu tragen, wenn man nicht selbst krank ist oder mit Kranken zu tun hat?

Die WHO spricht von „gesunden Menschen“, denen sie das Maskentragen nicht empfiehlt. „Das Problem ist nur: Wir wissen nicht, wer ,krank‘, oder besser gesagt ,infiziert‘ ist“, sagt Hans-Peter Hutter vom Zentrum für Public Health der MedUni Wien. „Ein großer Teil der Infizierten hat keine Symptome.“ Und jene, die Symptome bekommen, sind bereits ein bis zwei Tage vorher ansteckend. Ein Hintergrund der zurückhaltenden Haltung der WHO ist der globale Mangel an Schutzmasken. Und sie fürchtet Infektionen beim unsachgemäßen Umgang mit Masken, etwa beim Zurechtrücken, wenn man sich kratzt: „Mit regelmäßigem Händewaschen senkt man dieses Risiko aber deutlich.“

Ist erwiesen, dass Infektionen durch breites Maskentragen reduziert werden?

„Diese Maßnahme hat nachweislich zur Eindämmung der Covid-19-Epidemie in Japan beigetragen“, heißt es in einem Offenen Brief des Zentrums für Public Health. Auch in Beiträgen in Wissenschaftsjournalen wie The Lancet oder Science sprechen sich Experten zunehmend für ein generelles Tragen von Masken in der Öffentlichkeit aus. „Sie halten nicht nur einen großen Teil der Tröpfchen aus unserer Ausatemluft zurück, sie vergrößern automatisch auch den Abstand zu anderen Personen“, sagt Hutter: „Diese Masken helfen uns, die anderen vor uns zu schützen.“

Sollte man künftig also generell in der Öffentlichkeit Masken tragen?

Mehrere Experten der MedUni Wien sprechen sich dafür aus, denn beim Husten oder Niesen gehen Speicheltropfen in einem Radius von etwa zwei Metern zu Boden. Hutter: „Es ist eine einfache, zumutbare Maßnahme – die uns auch dann helfen kann, wenn das öffentliche Leben wieder in Schwung kommt.“

Kann man die Masken aus dem Supermarkt wiederverwenden?

Mehrere Handelsketten drängen auf eine Mehrfachverwendung, damit ausreichend Masken verfügbar sind. Infektiologe Florian Thalhammer von der MedUni Wien zum KURIER: „Die klassische, nicht-textile MNS-Maske ist weder zum mehrfachen Gebrauch geeignet noch vorgesehen. Das sind Einmalprodukte. Lediglich die höherwertigen FFP2- bzw. FFP3-Masken können, wenn sie weder mit Erregern kontaminiert (Husten, Niesen) noch verschmutzt sind, einmal dampfsterilisiert werden.

Der Vorteil der textilen MNS-Maske ist die Option, diese mehrfach waschen zu können.“ – „Vor dem Anlegen und nach der Abnahme ist eine gründliche Händereinigung mit Seife oder Händedesinfektion obligat“, heißt es in einer Stellungnahme der Österreichischen Gesellschaft für Infektionskrankheiten und Tropenmedizin (ÖGIT) zu Mund-Nasen-Schutzmasken. „Die Außenseite darf nach Benutzung nie berührt werden.“

Wie entsorgt man die Masken?

So wie gebrauchte Taschentücher am Besten in reißfesten Kunststoffsäcken sammeln und verschlossen in die Restmülltonne werfen.

Wie ist das mit (selbst genähten) Textilmasken?

„Jede Maske ist besser als keine Maske“, sagt Hutter. Laut ÖGIT fangen Textilmasken immer noch 71 Prozent aller Partikel ab, zertifizierte Masken 86 %. Auch sie sollten allerdings nicht länger als vier Stunden getragen werden.

Welchen Stoff soll manverwenden? Wie heiß muss man waschen?

„Es soll ein kochfester Baumwollstoff sein“, sagt Infektiologe Florian Thalhammer, MedUni Wien. „Ein zusätzlicher Filter ist nicht erforderlich.“ Nach einmaligem Gebrauch müssen sie gewaschen werden. „Aufgrund der Empfindlichkeit der Coronaviren sollte bei Waschmittelzusatz auch 40 Grad reichen, aber es sollen ja auch andere Erreger wie beispielsweise Bakterien ebenfalls abgetötet werden. Daher besser (60-)90 Grad.“ Mitarbeiter des Hygieneinstituts der MedUni Innsbruck verwenden Textilmasken aus doppellagigem, feingewebten Baumwollstoff.

Nehmen wir die Masken den Ärzten weg?

„Der Mund-Nasen-Schutz der Bevölkerung entspricht nicht den Atemschutzmasken für Gesundheits- und Pflegepersonal und steht nicht in Konkurrenz dazu“, heißt es im Ministerium. Diese tragen vor allem Masken ab der Klasse FFP2, die Polizisten beispielsweise müssen ab heute FFP1-Masken tragen.

 

Die neuen Regeln im Detail: