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Reportage
03/30/2020

Maskenpflicht in Supermärkten: "Wo bekomme ich jetzt eine Maske her?"

In den Supermärkten sind die Kunden noch etwas ratlos, auch wer sie zahlt bleibt offen. Voraussichtlich ab Mittwoch.

von Michaela Reibenwein, Konstantin Auer, Dominik Schreiber, Kid Möchel

Die Maskenpflicht in den Supermärkten wird kommen, kündigte Bundeskanzler Sebastian Kurz am Montag in einer Pressekonferenz an. Ab Mittwoch sollen diese verteilt werden. Manche Kunden tragen diese schon jetzt, andere sind etwas ratlos. Der KURIER hörte sich in den heimischen Supermärkten um:

"Ich bin ja in der Risikogruppe"

Gerda Schwarz hebt ihre Einkäufe in den Kofferraum. Sie trägt schon jetzt Handschuhe und einen Mundschutz. "Im Auto hab' ich auch noch Desinfektionsmittel", sagt die 66-Jährige. Sie achtet darauf, was sie berührt, wo sie geht. "Ich bin ja in der Risikogruppe. Und ich pass' auf wie ein Haftlmacher, ich möchte gesund bleiben."

Der Einkauf beim Billa in der Flotowgasse in Wien-Döbling war schon einmal entspannter. Auch wenn Montag Vormittag nicht allzu viel los ist - beim Gebäck wird es trotzdem eng. Gerda Schwarz hält Abstand und wartet. "Der Einkauf dauert jetzt halt etwas länger", sagt sie. "Ich schau drauf, dass ich Gänge benutze, die nicht so frequentiert sind."

Die Wienerin hat sich schon vor Wochen mit Masken, Handschuhen und Desinfektionsmittel eingedeckt. "Zwei Kartons mit Handschuhen hab' ich noch daheim", sagt sie. Und immerhin vier Masken. Dass jetzt auch alle anderen beim Einkaufen Masken tragen sollen, hält sie für sinnvoll.

Auch eine weitere Frau, die gerade in die Filiale eilt, achtet auf ihren Schutz. "Ich hab das mit den Masken gerade in den Nachrichten gehört. Also bin ich gleich in die Apotheke gegangen und hab mir welche gekauft", sagt sie. Nachsatz: "Bevor's wieder keine gibt." Und daran zweifelt eine Frau, die gerade ihren Hund spazieren führt, schon jetzt. "Masken schön und gut - aber du kriegst ja keine mehr."

„Wir sind gerade dabei, die Märkte  mit Masken auszustatten. Wir haben genügend Masken für unsere Mitarbeiter und sind dabei diese zu verteilen“, sagt Spar-Sprecherin Nicole Berkmann zum KURIER. „Wir werden auch eine Maske pro Kunden gratis ausgeben. Für unsere Kunden sind wir gerade dabei die entsprechenden Mengen aufzustellen.“ Später hieß es dann, dass noch nicht sicher sei, wer die Kosten trägt.

"Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind ab Mittwoch 1. April als weitere Schutzmaßnahme mit Mund- Nasen-Schutz ausgestattet, da sie überproportional vielen Kontakten ausgesetzt sind", sagt Rewe-Austria-Sprecher Paul Pöttschacher zum KURIER. "Wir werden auch unseren Kunden in den nächsten Tagen - sobald die Lieferkapazitäten vorhanden sind - an allen Standorten von Billa, Merkur, Penny, Bipa und Adeg Mund-Nasen-Schutzmasken anbieten. Ein erstes Kontingent wird gratis zur Verfügung gestellt. Unsere Kunden können auch von zuhause mitgenommene bzw. selbst produzierte Masken für ihren Einkauf verwenden."

Beim Spar in der Sieveringer Straße achten die Menschen indes beim Rein- und Rausgehen auf den nötigen Sicherheitsabstand. Bei den Einkaufswagen staut es sich. Aber auch hier mit Abstand.

Leo Spiegel hat seinen Einkauf gerade erledigt - in Staubhandschuhen. "Die hab' ich daheim gefunden. Die muss ich zwar ständig waschen, aber besser als nichts", meint er. Maske hat er noch keine. "Wo krieg ich die denn? Hier?", fragt er. Er achtet darauf, seine Einkäufe zu erledigen, wenn nicht allzu viel los ist. "Im Supermarkt kann es schnell eng werden."

Derzeit tragen in den Supermärkten jedenfalls noch nicht einmal die Mitarbeiter Masken, von den Besuchern ganz zu schweigen. Nur vereinzelt haben Einkäufer Schals über den Mund gezogen, etwas mehr tragen Handschuhe, wenn sie die Einkaufwagen durch die Geschäfte schieben. Maskenträger sind die Ausnahme und die, die sie tragen, nehmen sie zum Reden ab, haben sie sowieso nur umgehängt oder es sind Masken, die den Virus ohnehin nicht aufhalten können.

"Sehen Sie nicht, was los ist"

Die Frage, ob die geplante Maskenpflicht in Supermärkten wirklich hilft, wollen die Einkäufer in Wien-Leopoldstadt den Medizinern überlassen. „Wenn es nötig ist, dann machen wir das“, ist der Tenor. „Sehen Sie nicht, was los ist, das ist kein Spaß“, sagt etwa Radoslav Sajkovic vorm Billa in der Stuwerstraße. Man solle Masken tragen, meint er, dabei sei ihm auch egal, ob er sie kaufen muss oder er sie vom Staat bekommt.

„Man muss sich dann aber auch darauf verlassen können, dass die Masken Qualität haben, es helfen ja nicht alle“, merkt Ingrid Schwarzenberger, die beim Penny in der Ausstellungsstraße einkauft, an. Die Maßnahmen seien aber nötig, da die Menschen keinen Abstand einhalten würden, sagt sie.