© Ingrid Bahrer-Fellner

Chronik Österreich
07/08/2020

Mit Maske zur Party: „Velden soll kein Sommer-Ischgl werden“

Es gibt immer mehr regionale Regeln. In Kärntner Urlaubsorten gilt Maskenpflicht, in OÖ kommt die Gästeregistrierung in Lokalen.

von Johanna Kreid, Christian Willim

Ein Sommer wie damals? Unbeschwertes Sonnenbaden am Ufer des Wörthersees, ein Cocktail bei der Fête Blanche in Velden, eine heiße Partynacht im Casino?

Dass dies im heurigen Sommer nicht oder nur eingeschränkt möglich ist, mag nicht überraschen. Doch nun wurden neue Regeln bekannt gegeben, an die sich Kärnten-Urlauber im Sommer halten müssen: In Tourismus-Hotspots – allen voran in Velden – gibt es ab Freitag eine Maskenpflicht.

Klar ist bisher, dass die Maskenpflicht in den Abend- und Nachtstunden von 21 bis 2 Uhr gilt. Der Mund-Nasen-Schutz muss auf der Straße sowie vor den Lokalen getragen werden. In den Lokalen sowie in Schanigärten gilt die Maskenpflicht nicht. In Erarbeitung ist noch, wo genau die Maskenpflicht überall gelten wird – die Rede ist von Velden sowie von anderen „Hotspots“ am Wörthersee, am Faaker See und am Klopeiner See.

Marke „Sicherer Süden“

„Velden soll nicht zum Sommer-Ischgl werden“, sagte Kärntens Tourismuslandesrat Sebastian Schuschnig (ÖVP) am Mittwoch. Man wolle sich die Marke „Sicherer Süden“ nicht kaputtmachen lassen.

Bisher setzte man auf Eigenverantwortung und Beratung statt Strafen – mit endenwollendem Erfolg: Zuletzt häuften sich Beschwerden von Wirten wie von Einheimischen, dass viele Besucher weder die Abstands- noch die Hygieneregeln beachtet hätten. Manche Wirte seien gar verbal oder körperlich attackiert worden, als sie auf das Einhalten der Regeln pochten.

Entscheidung über "Hotspots"

Was genau als Kärntner „Hotspot“ gilt, entscheiden nun die Bezirkshauptmannschaften. Bernd Riepan, Bezirkshauptmann von Villach-Land, etwa sagte, in seinem Bezirk gelte sie für Velden, über den Faaker See sei aber noch nichts entschieden. Die Verordnung tritt jedenfalls mit Freitag in Kraft. „Wenn sich jemand beharrlich weigert, wird die Exekutive entsprechend vorgehen“, so Schuschnig.

Derzeit seien die Infektionsherde regional – um sie regional zu halten, brauche es eben Maßnahmen, betonte auch Gesundheitsminister Rudi Anschober (Grüne). Entsprechend hat auch Oberösterreich reagiert: Hier gilt ab Donnerstag wieder die allgemeine Maskenpflicht. Zusätzlich arbeitet man an einer freiwilligen Gästeregistrierung in Lokalen: Die Daten (eine Kontaktperson pro Haushalt) dürfen nur an die Gesundheitsbehörden weitergegeben und müssen nach einem Monat vernichtet werden. So können bei einem Covid-19-Fall Kontakte rasch ausgeforscht werden.

Auch bundesweit gibt es ein Bündel an Maßnahmen: So starteten in ganz Österreich Screenings – das sind Corona-Tests ohne Verdacht (siehe unten, "Massentests im Tourismus"). Und auch für die Grippesaison im Herbst will man gerüstet sein. Die Regierung will Grippeimpfungen forcieren und die Durchimpfungsrate von derzeit 5 auf 15 Prozent steigern. Dazu gibt es ein Programm mit Spray-Impfungen für Vier- bis Fünfjährige sowie eine Sonderimpfbestellung mit 130.000 Dosen für Menschen über 65 Jahren, die zur Risikogruppe zählen.

Politiker aller Bundesländer betonten jedenfalls, auf verschiedene Szenarien vorbereitet zu sein und rasch reagieren zu können. Es ist also nicht ausgeschlossen, dass es künftig immer wieder neue regionale Regelungen gibt.

Und so bleibt es weiterhin ein Sommer mit vielen Fragezeichen.

Mit den Urlaubern geht auch das Virus in Europa wieder verstärkt auf Reisen. Nachdem zuletzt ein mit Covid-19 infizierte Deutsche auf einer Hüttenwanderung durch Tirol unterwegs war und dabei wohl die Gastgeberfamilie in einer Privatunterkunft angesteckt hat, gibt es nun erneut einen Coronafall im Tiroler Tourismus.

Das Land Tirol berichtete am Dienstagabend von einem positiven Testergebnis bei einer Servicekraft des Hotel Bräuwirt in Kirchberg in Tirol  (Bezirk Kitzbühel). Die betroffene Person war am vergangenen Sonntag mit grippeähnlichen Symptomen in das Bezirkskrankenhaus St. Johann in Tirol gegangen und wurde dort abgestrichen und anschließend stationär aufgenommen.

Bei den Erhebungen gab die Servicekraft an, dass sie bereits am vergangenen Donnerstag Symptome spürte, diese aber nicht zuordnen konnte. Die Person war vergangene Woche drei Mal von Nachmittag bis in die Nachtstunden im Dienst. Tagesgäste, die sich am 30. Juni, 1. und 5. Juli zur fraglichen Zeit in dem Hotel aufhielten, werden aufgerufen auf ihren Gesundheitszustand zu achten.  Bekannte Kontaktpersonen wurden isoliert.

Frühzeitig erkennen

Es sind genau solche Fälle, die im von der Bundesregierung angekündigten Massenscreening im Tourismus möglichst frühzeitig erkannt werden sollten. Seit 1. Juli können sich Mitarbeiter für Tests anmelden, von denen es wöchentlich in ganz Österreich bis zu 65.000 geben soll.

So recht angelaufen ist das aber offenbar nach einer Pilotphase im vergangenen Monat  noch nicht. Um die Sache ins Rollen zu bringen, sind vor allem die Tourismusverbände in koordinierender Funktion gefordert. Aus der Sicht von Tirols Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP) gibt es zudem  nach wie vor offene Fragen, die der Bund zu klären habe. Es geht dabei etwa um klare Vorgaben zum genauen Prozedere im Fall eines positiven Falls.

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