Kunden und Mitarbeiter müssen (wie auf dem Bild in der Schweiz) Masken tragen, Handschuhpflicht wird es keine geben.

© EPA/ALEXANDRA WEY

Chronik Österreich
04/28/2020

Friseure öffnen wieder: Haarsträubendes Warten auf den Termin

Viele Salons sind auf Wochen ausgebucht – das könnte wegen der Auflagen noch länger so bleiben.

von Stefanie Rachbauer, Konstantin Auer

Pro Tag wachsen Haare 0,5 Millimeter. Das heißt: Während des Lockdowns haben sie etwas mehr als 2,2 Zentimeter Länge zugelegt. Das klingt zwar nicht viel, ist so manchen Häuptern aber bereits deutlich anzusehen. Und zwar vom türkisen Finanzminister Gernot Blümel (der zuletzt mit seiner neuen Corona-Frisur Schlagzeilen machte) abwärts.

Doch die ästhetische Rettung ist in Sicht: Am 2. Mai dürfen die Friseure wieder aufsperren. Allerdings nur unter strengen Sicherheitsauflagen.

Wer einen Salon betritt, der muss sich die Hände waschen oder desinfizieren. Kunden sind verpflichtet, Masken zu tragen. Friseure ebenfalls – sie dürfen alternativ aber auch Gesichtsschilder aus Plexiglas verwenden. Und: Es gilt, Abstand zu halten.

All diese Vorkehrungen signalisieren: Auch wenn mit dem Öffnen der Friseure wieder ein Stück mehr Alltag einkehrt, ist Vorsicht angebracht. Die Kunden lassen sich davon nicht abschrecken. Viele Salons sind bereits auf Wochen ausgebucht.

"Den nächsten Termin gibt es bei mir erst in drei Wochen", sagt Eniss Agrebi vom Salon Wiener Friseure in der Inneren Stadt. Die Friseur-Kette Headwork hat sogar eine eigene Telefon-Hotline eingerichtet, um die vielen Terminanfragen bewältigen zu können.

Selten sei der Andrang so stark gewesen wie jetzt, sagt Wolfgang Eder im Gespräch mit dem KURIER. Er ist Chef der Friseur-Innung in der Wirtschaftskammer und führt im Bundesland Salzburg zwei Salons. "Die Menschen haben sich schon daran gewöhnt, dass gewisse Sicherheitsvorkehrungen nötig sind. Die Auflagen sind für die Kunden kein Thema – die freudigen Rückmeldungen überwiegen."

Friseure bessern aus

Besonders gefragt ist das Nachfärben – komplett oder auch in Strähnen, erzählt Friseurin Katharina Strassl, die in Wien drei Filialen betreibt. Das Schneiden sei besonders den Herren ein Bedürfnis: "Die müssen jetzt von Massen von Haaren befreit werden."

9.000 Friseursalonsgibt es  in ganz Österreich. 97 % der Friseure  sind kleine Betriebe mit weniger als 9 Mitarbeitern.

Rund 17.000 Personen sind  in der Branche beschäftigt. 15.000 davon sind Frauen und 2.000 Männer.

44 Tage haben die Salons bereits geschlossen. Am 2. Mai dürfen sie wieder aufsperren.

Dazu kommen "Reparaturen": Friseure müssen Schnitte ausbessern, die sich ungeduldige Kunden in Eigenregie verpasst haben.

Abstandsregel unklar

So manchen Saloninhabern bereiten die Sicherheitsauflagen Kopfzerbrechen. Auch deswegen, weil die Verordnung des Sozialministeriums darüber noch ausständig ist. Ihr Wortlaut entscheidet mit, wie rasch der Terminrückstau an abgearbeitet werden kann.

Bisher ist nur fix, dass zwischen den Kunden ein Meter Abstand sein muss. Das sei für die meisten Salons kein Problem, weil die Sessel ohnehin weit auseinander stehen, sagt Innungsmeister Eder. Zwischen Kunden und Friseuren gilt diese Regel jedenfalls nicht – sie wäre nicht praktikabel.

Offen ist allerdings, ob auch die Friseure Distanz zueinander wahren müssen. Und hier wird es problematisch: "Ich müsste dann ein Drittel der Sessel herausnehmen", sagt Eder. Weniger Sessel bedeutet auch: Weniger Kunden, weniger Umsatz – und (noch) längere Wartezeiten auf Termine.

Eine Handschuhpflicht beim Haareschneiden ist übrigens nicht geplant. "Beim Schneiden greift man in der Regel gewaschene, saubere Haare an", erklärt Eder. Zum Waschen wurde Friseuren das Tragen von Handschuhen auch schon in der Vergangenheit empfohlen.

Ein Mantel pro Kunde

Auch bereits eingeübte Hygienevorschriften bleiben aufrecht: Bürsten und Scheren werden nach der Verwendung gereinigt.

Neu ist, dass jeder Umhang nur einmal verwendet werden darf. "Da müssen wir jetzt auf Einwegmäntel setzen, obwohl das für die Umwelt schlecht ist", sagt Friseurin Strassl.

Neue Mäntel, Masken, Desinfektionsmittel – all das kostet die Friseure Geld. Manche, so ist aus der Branche zu hören, geben das an die Kunden weiter. Bis zu vier Euro Aufschlag seien mancherorts zu bezahlen.

Wenn die Österreicher am 2. Mai die Friseursalons stürmen, erwarten sie also nicht nur neue Benimmregeln. Sondern mitunter auch neue Preislisten.

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