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Politik von innen
04/14/2020

Corona-Frisur: Wie sich Politiker über den Shutdown retten

Die Friseure dürfen erst im Mai wieder öffnen – auch so manches Regierungsmitglied sehnt den Zeitpunkt herbei.

von Raffaela Lindorfer, Daniela Kittner

Ein Haarschopf, der – seitlich im Profil betrachtet – einige Zentimeter vom Kopf des Finanzministers absteht, machte am Wochenende deutlich:

So ziemlich jeder in Österreich freut sich, wenn Anfang Mai auch die Friseurläden wieder aufsperren. Auch oder ganz besonders die Mitglieder der Bundesregierung.

Schließlich kann man den Ministerinnen und Ministern jeden Tag im Fernsehen dabei zuschauen, wie sie der Ausfall an Fachkräften mehr und mehr an ihre stylingtechnischen Grenzen bringt.

Zum Beispiel den eingangs erwähnten Gernot Blümel. Seine „Corona-Frisur“ wurde am Wochenende in den sozialen Medien ausgiebig diskutiert. Im Büro des Finanzministers nimmt man es mit Humor: Seine Haare seien halt jetzt länger, heißt es da. Er kämme sie streng zurück, aber der Schopf bleibt.

ÖVP-Innenminister Karl Nehammer hat es da besser: Seine Frau schneidet ihm die Haare. Fotos von der Aktion hat der 47-Jährige vor zwei Wochen stolz auf seinem Instagram-Profil gepostet.

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Und er kann, wie er kürzlich im KURIER-Interview erklärte, seit seiner Bundesheer-Zeit auch selbst mit der Haarschneide-Maschine umgehen. Ein radikaler Fünf-Millimeter-Schnitt war als Notfall-Variante bis dato aber nicht notwendig.

Vizekanzler schneidet selbst

Noch ein Stück unabhängiger ist Vizekanzler Werner Kogler: Der Grünen-Chef schneidet sich seine Haare selbst, heißt es auf KURIER-Nachfrage. Das macht er auch sonst öfters – nicht nur zu Corona-Zeiten.

Zur Schere greift auch Bildungsminister Heinz Faßmann, wenn da und dort ein Haar absteht.

Gesundheitsminister Rudolf Anschober hatte ein gutes Timing: Vor dem Lockdown waren seine Haare so kurz, dass er es bis Anfang Mai noch gut aushält.

Als Minister, der während dieser Pandemie gefordert ist wie kaum ein anderer, sagt Anschober aber auch: „Meine Hauptsorgen gelten derzeit nicht meinen Haaren.“

Kanzler schminkt selbst

Und das Make-Up? Fürs Fernsehen müssen ja auch Männer in die Maske – spätestens, seit es HD-Kameras gibt.

Normalerweise nehmen die Regierungsmitglieder vor TV-Auftritten das Schminkservice des ORF in Anspruch. Im Öffentlich-rechtlichen will man aber kein Infektionsrisiko eingehen und legt vor Aufnahmen nur noch das Material – mit frischen Pinseln und Wattepads – bereit. Gäste, sofern sie nicht ohnehin via Videotelefonie ins Studio geschaltet werden, müssen selbst ran.

So muss sich auch Kanzler Sebastian Kurz notdürftig selbst schminken – beziehungsweise hilft ihm seine Assistentin, mit der er täglich zusammenarbeitet.

Vizekanzler Werner Kogler hat hingegen eine Spezialkraft an der Seite: Eine Visagistin hat ihn schon im Wahlkampf regelmäßig begleitet und fürs Fernsehen hergerichtet, heißt es in seinem Büro. Jetzt trägt sie eben Schutzmaske und Handschuhe.

Die anderen Minister verzichten übrigens auf Make-Up, heißt es beim KURIER-Rundruf. Und das sei bisher auch niemandem aufgefallen.

Ministerinnen machen alles selbst

Bei den Ministerinnen fällt die Antwort nach der Schminkerei recht simpel aus: Die machen das selbst. Die Haare sind etwas kniffliger.

Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck hat man jüngst in den sozialen Medien unterstellt, sie wäre heimlich beim Friseur gewesen. Stimmt nicht, heißt es in ihrem Büro, sie könne das einfach selbst sehr gut.

Ebenso ÖVP-Verteidigungsministerin Klaudia Tanner, die sich maximal von ihrer 14-jährigen Tochter helfen lässt – kürzlich etwa beim Haare flechten.

Justizministerin Alma Zadić hat sich für Anfang Mai schon einen Friseurtermin organisiert. „In der Zwischenzeit mache ich aber fast alles selbst – nur die Zeit ist jetzt leider ziemlich knapp.“

Eine Frage der Perspektive

Und wer sich fragt, wie Kanzler Kurz es schafft, dass bei ihm auch in der fünften Woche im Lockdown jede Strähne exakt so sitzt wie immer, dem sei der Tipp gegeben: Der Kanzler wird meist von vorne gefilmt. Selten erhascht die Kamera (wie bei Blümel) seitlich oder von hinten einen Blick.

Also ja, auch für den Kanzler wird es Zeit, dass die Friseure wieder aufsperren.

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