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Chronik Österreich
02/10/2020

Erfinder des GTI-Treffens: "Es war gut, lassen wir's gut sein"

Nach 38 Jahren kündigt der Gründer seinen Rückzug an. Die Zukunft der Veranstaltung am Wörthersee ist ungewiss.

von Nikolaus Tuschar

Erwin Neuwirth ist nicht nur Erfinder des GTI-Treffens rund um den Wörthersee, sondern auch der Wissenschaft nicht abgeneigt. Die Debatte rund um den Klimawandel haben dem studierten Ökologen in den vergangenen Jahren zu denken gegeben.  

Neuwirth hat sich zu einem weitreichenden Schritt entschlossen, der für einen Fan von Verbrennungsmotoren alles andere als typisch scheint. Er möchte es nach 38 Jahren "Gummi, Gummi" gut sein lassen und gab seinen Rückzug von der Veranstaltung bekannt. Neuwirth will damit eine Kernbotschaft transportieren: Das Treffen in der gewohnten Form ist tot, es lebe das Treffen in neuer Form.

Der Grund ist für Neuwirth ein einfacher. Er sieht es als seine Pflicht an, klimatische wie gesellschaftliche Veränderungen ins (GTI)-Treffen zu führen. Und das aktiv: nicht nur Worte, sondern auch Taten sind sein Anliegen.

"Wenn sich Millionen Jugendliche auf den Straßen für ihre Zukunft einsetzen, möchte ich nicht untätig beiseite stehen," so Neuwirth. Der GTI-Guru sieht es als seine Pflicht, das GTI-Treffen in ein neues Zeitalter zu führen - weg vom Verbrennungsmotor, hin zu was Neuem.

Esprit statt Sprit

Das Treffen habe sich laut Neuwirth generell geändert. Anfang der 80iger hatte das Treffen noch einen anderen Stil. "GTI-ler" wurden mit Lacoste-Hemden und Ray-Ban-Brillen - und mit dem Golf GTI gesichtet. Anders als heute: "Heute ist zweitrangig, mit welchem Auto du anreist. Es ist ein Jugendtreffen geworden," so Neuwirth

Die Vision geht für Neuwirth dahin. "Der Verbrennungsmotor ist out - es geht langsam aber sicher in Richtung Elektroauto."  

Vom Anfang

Als im Juni 1982 das erste GTI-Treffen in Reifnitz über die Bühne ging, waren gerade einmal 90 Teilnehmer gekommen. Heute sind es weit über 100.000. Eine Entwicklung von einem Liebhabertreffen zu einer Massenveranstaltung. Neuwirth kann sich noch an die "Startschwierigkeiten" erinnern. 

"Anfänglich war es nicht so einfach, den Leuten ein Treffen schmackhaft zu machen," erklärt Neuwirth.  Der GTI war gerade geboren - der Hauptgrund für damalige Käufer war nicht das Prestige sondern das Fahrvergnügen. Es war ein Auto für Leute, die sich einen Porsche nicht leisten konnten, aber dennoch Lust auf den Kick des Gasgebens hatten. So sieht er es zumindest.

Rund um das Treffen gibt es auch verschiedene Gruppierungen. Vom "fachlich Interessierten" bis zum "Poser" ist alles dabei. Aus diesen verschiedenen Interessensgruppen entstanden auch die berühmt berüchtigten Nebentreffen, die schon Wochen vor der Veranstaltung um den Wörthersee stattfinden. "Einige, denen es nur um Krawallmachen geht, waren dann natürlich nicht bereit, den Ticketpreis für das Haupttreffen zu bezahlen," sagt Neuwirth

Selbst GTI-Fahrer meinen, es gebe sowohl Zivilisierte als auch Radaubrüder unter den Fahrern. Das Problem bei Vor- und Nachtreffen ist, dass es keinen Veranstalter gibt und somit die Haftungsfrage nicht geklärt ist. Die Nebentreffen veranlassten auch schon zahlreiche Bürgerinitiativen ein generelles Verbot der Veranstaltung zu fordern.

 

Wie es mit dem GTI-Treffen weitergeht, steht wohl in den Sternen. Neuwirth meint nur dazu: "Es war gut, lassen wir's gut sein," und hört nach 38 Jahren auf.