Chronik | Österreich
16.09.2018

Kärnten: Touristiker wollen GTIs ausbremsen

Treffen am Wendepunkt. Ruhesuchende Urlauber und PS-Fans sind gleichermaßen brüskiert

1666 Anzeigen hagelte es heuer bei den diversen GTI-Treffen rund um den Wörther- und Faaker See, 7362 GTI-Überstunden schoben Polizisten, die aus allen Bundesländern herbeieilen müssen. Nachdem das Land Kärnten die Boliden mit einer Gesetzesnovelle stilllegen will, wenden sich nun auch Touristiker gegen die diversen Vor- und Nachtreffen, weil die lärmende Community ruhesuchende Gäste stört.

Rund 8000 PS-Fans werden heute, Sonntag, in Kärnten am letzten Tag des ersten GTI-Nachtreffens 2018 erwartet. Die Polizei versucht ihnen mit 100 Beamten zu begegnen. Aber das Meeting ist inoffiziell, unorganisiert und die Fahrer sind trickreich. Sie brausen im Tross um die Seen, geben im Schutz der Gemeinschaft Gummi oder sorgen für knallende Fehlzündungen. Laut Kraftfahrzeuggesetz sind die Behörden verpflichtet, das lärmende Auto aus dem Pulk herauszufiltern, was kaum gelingt. Daher wird das Verkehrsministerium in Wien eine Resolution der Kärntner Landesregierung erhalten. Die ersucht um eine Gesetzesnovelle, um künftig den ganzen GTI-Konvoi stoppen, allen Beteiligten für 48 Stunden die Kennzeichen entziehen und dann den Schuldigen herausfiltern zu können.

„Limit erreicht“

Man möchte meinen, die Touristiker würden ob dieses Vorschlags aufschreien, verjagt man damit doch wichtige Gäste. „Nein, wir begrüßen die vom Land getätigten Überlegungen. Damit hat die Exekutive eine Handhabe, um gegen die Lärm- und Umweltsünder entsprechend vorgehen zu können“, sagt Christian Kresse, Chef der Kärnten Werbung. „Wer sich nicht benimmt, soll bleiben, wo der Pfeffer wächst“, ergänzt Roland Sint vom Wörthersee Tourismus. Und Georg Overs von der Region Faaker See: „Bei den Vortreffen ist bereits das Limit erreicht. Wir bewerben die GTI-Aktivitäten mit keinem Cent.“

Kresse sind die Vor- und Nachtreffen inzwischen generell ein Dorn im Auge. „Sie entzweien die Touristiker. Ein Teil freut sich über den zusätzlichen Besuch neuer Gäste, andere verlieren durch die Belästigung die ruhesuchenden Gäste“, sagt er und stellt die Frage „Natur oder GTI?“ Kresse: „In Kärnten wird man sich entscheiden müssen, ob man einen Natur-Aktiv-Urlaub mit Rad, Wandern und Wellness-Angeboten forcieren möchte. Schlussendlich halten sich die Übernachtungszahlen der Autofreunde und der jährliche Verlust enttäuschter Natur-Aktiv-Gäste bald die Waage.“

Was sagen die GTIler zu den Maßnahmen des Landes und zu ihrer Rolle als angebliche Radaubrüder, die andere Touristen vergraulen? „Wir halten nichts davon, das ist kompletter Schwachsinn. Es wird immer nur über die GTIs herumgejammert, aber die Harley-Fahrer dürfen lärmen“, betonen Simone, Nathalie, Lisa, Lisa und Fabienne aus Salzburg.

„Komme nicht mehr“

„Der Tourismus wird uns noch nachweinen, wenn die Vor- und Nachtreffen wegfallen, dann fehlen Gäste. Wir bringen viel Geld in die Region“, gibt Curdin Neuhäusler aus der Schweiz zu bedenken. An diesem Punkt hakt der Steirer Rene Anichhofer ein: „Wir beleben die Region in einer toten Zeit. Aber ich muss nicht mehr hierher kommen, wenn man mich nicht mehr will.“

Die vom Land beabsichtigten kollektiven Kennzeichenabnahmen kosten Anichhofer ein Lächeln: „Das geht juristisch nicht durch, man kann nicht alle in einen Topf werfen, nur weil sich einer im Konvoi daneben benimmt.“ Und Johannes Ragaller aus Deutschland ergänzt: „Was, wenn ich unabsichtlich in eine Kolonne gerate? Wird mir dann die Tafel gezwickt, nur weil ein anderer lärmt?“

Dass der Vorstoß des Landes im Papierkorb des Ministeriums landet, glaubt auch Markus Perdacher (ÖVP), Bürgermeister der GTI-Gemeinde Maria Wörth, wo alljährlich das Haupttreffen stattfindet. „Noch leben wir in einem Rechtsstaat. Unbeteiligte und Unschuldige können nicht für das Fehlverhalten eines Einzigen mitbestraft werden“, sagt Perdacher. Und nicht nur sein Treffen, das 120.000 Besucher anlockt, werde es weiter geben. „Auch die unorganisierten Meetings. Dass Gäste kommen, kann auch Herr Kresse von der Kärnten Werbung nicht verhindern, der letztlich selbst von der Tourismusabgabe bezahlt wird.“