Menschen bleiben zuhause. (Symbolbild)

© APA/dpa/Karl-Josef Hildenbrand

Chronik Österreich
05/05/2020

Home-Office: Mütter hauptverantwortlich für Kinderbetreuung

Während der Corona-Krise kümmern sich drei Viertel der Mütter, aber nur knapp zwei Drittel der Väter im Home-Office um die Kinder.

Die Corona-bedingten Umschichtungen in der Arbeitswelt führen kaum zu einer Umverteilung der Verantwortung für Kinderbetreuung. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des SORA-Institus im Auftrag des Momentum Instituts. Dafür wurden im April 524 Eltern mit Kinder unter 15 Jahren online und telefonisch befragt.

Väter, die von zu Hause arbeiten, sagen demnach zu 64 Prozent, sie betreuen ihre Kinder währenddessen. Bei den Müttern, die von zu Hause arbeiten, sagen das aber 75 Prozent.

Alle Haushalte zusammen betrachtet (also solche, mit und ohne Home-Office) tragen 42 Prozent der Mütter und 23 Prozent der Väter die Hauptverantwortung für die Kinderbetreuung. „Es braucht eine globale Pandemie, um wenigstens ein Viertel der Väter in die Hauptverantwortung für die Kinderbetreuung zu bringen“, sagte Daniel Schönherr vom Sozialforschungsinstitut SORA bei der Präsentation der Ergebnisse am Dienstag.

Eltern arbeiten öfter abends

Das Arbeiten von zuhause führe nicht automatisch zu einer besseren Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Jeder fünfte befragte Elternteil arbeitet nun häufiger früh morgens, abends oder am Wochenende. Jeder zehnte geht seinem Beruf nun sogar nachts nach, um trotz Kinderbetreuung Zeit für Erwerbsarbeit zu finden. Es findet eine „Entgrenzung der Arbeitszeiten“ statt, interpretiert Barbara Blaha, Leiterin des Momentum Instituts, die Resultate.

Und das, obwohl Eltern ihre Arbeitszeit derzeit um fast 10 Stunden reduzieren – von 35 auf 26 Stunden pro Woche. (Das ist unter andrem auf Kurzarbeit zurückzuführen). Frauen senken ihre Arbeitsstunden auf 19 Stunden pro Woche – das rund ein Drittel weniger. Bei Männern beträgt die Reduktion nur ein Viertel, sie arbeiten nun 31 Stunden.

Kurzarbeit ungleich verteilt

In 29 Prozent aller Haushalte ist ein Elternteil in Kurzarbeit, in sieben Prozent sogar beide. In neun Prozent aller Haushalte ist ein Elternteil arbeitslos, in einem Prozent haben beide keinen Job mehr.

Besonders betroffen von Kurzarbeit und Arbeitslosigkeit sind laut der Studie übrigens die unteren sozialen Klassen. Während in der Arbeiterschicht 23 Prozent der Eltern-Haushalte in Kurzarbeit und 11 Prozent arbeitslos sind, ist in der oberen Mittelschicht kein befragter Haushalt arbeitslos und 20 Prozent in Kurzarbeit.

Nach Bildungsstand starke Unterschiede gibt es - wie erwartet - auch in der Home-Office-Nutzung. Unter den Pflichtschulabsolventen muss die Mehrheit wie gewohnt an den Arbeitsplatz. Hier ist nur für elf Prozent ein Arbeiten von zu Hause möglich, bei Uni- oder FH-Absolventen ist das für 67 Prozent möglich.

Notbetrieb in Schulen kaum genutzt

Den Notbetrieb in den Schulen und Kindergärten nutzen Eltern nur in Ausnahmefällen. Nur 3 Prozent geben an, ihr Kind während der Krise in eine Kinderkrippe gegeben zu haben (zuvor 5 Prozent). Lediglich 3 Prozent der Eltern brachten ihre Kinder in einen Kindergarten oder Hort (vorher 32 Prozent), nur 2 Prozent in eine Schule (zuvor 37 Prozent).

Fast die Hälfte aller befragten Eltern gibt zu, unter der gegenwärtigen Situation zu leiden. Männer und Frauen tun das aber nicht gleich stark: 40 Prozent der Männer, aber 51 Prozent der Frauen räumen ein, die aktuelle Lage als belastend zu empfinden.

Rechtsanspruch auf Corona-Teilzeit

Basierend auf den Ergebnissen der repräsentativen Umfrage empfiehlt das Momentum Institut ein Maßnahmenpaket, um Familien zu entlasten. So sollen Betreuungseinrichtungen im Sommer durchgehend geöffnet bleiben, es soll ein Rechtsanspruch auf Corona-Teilzeit mit Lohnausgleich während Schulschließungen eingeführt werden und ein bezahlter Sonderurlaub soll helfen, die Betreuung im Sommer zu meistern.

Nicht zuletzt seien die Bedürfnisse von Kindern und Eltern auch bei einer gesundheitspolitischen Abwägung zu berücksichtigen - gerade im Verhältnis zu anderen Gesellschafts- bzw. Wirtschaftsbereichen, hieß es.

Gesicherter Kinderbetreuung

Dass Home-Office oft als Zukunftsmodell gehandelt wird, sieht Blaha gespalten. In Zeiten mit gesicherter Kinderbetreuung könne das durchaus funktionieren, sagte sie. In Zeiten wie diesen, wo sowohl Beschäftigungsverhältnisse als auch Kinderbetreuungseinrichtungen nicht in normalen Bahnen laufen, sieht sie Home Office allerdings durchaus kritisch.

Unter solchen Umständen könne das nur funktionieren, „wenn die Kinder batteriebetrieben sind“ und man sie ein- und ausschalten könne.